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Kronthalschüler wachsen als Zirkusakteure über sich hinaus

Schönberg (mw) – In der Kronthal-Schule durften Eltern und Lehrer verfolgen, wie sich die knapp 280 Kinder der Schule in nur fünf Tagen zu Zirkusleuten verwandelten, die sich der Jonglage, der Tierdressur, der Artistik und Akrobatik, der Clownerie und der Fakirkunst verschrieben hatten. Bei der Zirkusfamilie des Zirkus Rondel, der für eine Woche hinter dem Gelände der Altkönigschule seine Zelte aufschlug, ist nämlich Programm, das die Kinder selbst gestalten. Während die Oberhöchstädter Grundschüler und die Viktoria-Schüler in Schönberg in der Vergangenheit schon in den Genuss dieses außergewöhnlichen Zirkusprojektes kamen, war es für die Kronberger Grundschüler das erste Mal, dass sie in die Zirkusmanege treten durften. Für die neue Schulleiterin, Jenny Strobel, war es eine Herzensangelegenheit, für die sie sich, gemeinsam mit dem Förderverein, kaum in Kronberg angekommen, begann einzusetzen. Das Ergebnis war, im wahrsten Sinne des Wortes, atemberaubend. Wer eine der drei Abschlussvorstellungen vergangenen Donnerstag und Freitag verfolgte, war einfach nur noch begeistert von der mit insgesamt 13.400 Euro durchaus kostspieligen Projektwoche. Von der ersten Minute an waren die Zuschauer gefesselt von den magischen, bezaubernden, aufregenden und teilweise auch atemberaubenden Zirkusnummern. Schließlich waren es die eigenen Kinder, die dort plötzlich Feuer spukten, in schwindelnder Höhe kopfüber am Trapez hingen oder sich von den Zirkusartisten auf dem Trampolin zu Höchstleistungen inspirieren ließen. Ob als Bauchtänzerin, Ziegenbändigerin, Flohdompteur, lustigem Clown oder „alten Artisten“, die Eltern rieben sich die Augen und hielten die Luft an, wenn sie ihre Kinder in der Manege entdeckten. Ähnlich ging es der Schulleiterin Jennifer Strobel und den Lehrerinnen selbst, die erstaunt waren, mit welcher Leidenschaft und Konzentration die kleinen Nachwuchsartisten bei der Sache waren. Alle einstudierten Programmnummern verliefen zügig und wirkten sehr professionell – und es war so gar kein Störenfried, der aus der Reihe tanzte, zu entdecken. Alles wirkte leicht, magisch und verspielt. Die Kinder bildeten mit ihrer Gruppe, die sie sich ausgesucht hatten eine Einheit und wuchsen unter den Fittichen der zehnköpfigen Zirkuspädagogen über sich hinaus. „Dass sie sich das alles trauen“, war immer wieder aus den Zuschauerreihen zu hören. „Die haben ja Mut. Ich hätte viel zu viel Angst.“ Faszinierend war auch, dass die Kinder nach drei Übungstagen auf den Punkt genau wussten, was zu tun ist. Ein Sack Flöhe hüten mag einfacher sein, als mit 280 Kindern in fünf Tagen Zirkusnummern einzustudieren, mögen sich die Eltern gedacht haben. Diese Zirkuspädagogen hatten in kürzester Zeit ein unglaublich gutes Gespür für jedes Kind entwickelt und sie zu Höchstleistungen angespornt, ohne sie zu überfordern. In Kleingruppen wurde die Woche über in Turnhalle und Zirkus unermüdlich trainiert. Natürlich gab es trotz aller Anstrengungsbereitschaft den Moment, wo trotz aller Bemühung etwas nicht klappte und ein Kind der Mut verließ.

Doch immer siegte die Begeisterung und der Spaß an der Sache, sodass alle Kinder gemeinsam am Ende ihre selbst gesteckten Ziele erreichten. In wenigen Tagen lernten die Kinder hier mit viel Freude, was ein Team zu bilden, bedeutet, das nur mit Disziplin und Training funktioniert, seine Ziele zu erreichen und wie toll es ist, die Angst zu überwinden und Applaus dafür zu ernten. Strobel dankte auch den Eltern und Lehrern für die engagierte Begleitung der Projektwoche. Allein zum Aufbau des Zeltes hinter der Altkönigschule waren 60 bis 70 Eltern unter Anleitung des Zirkusteams im Einsatz. Dank einer funktionierenden Orga war auch für Essen und Trinken gesorgt. Die kleinen Fakire, die neben der Feuerkunst auch verstanden, sich mit nacktem Oberkörper auf ein Nagelbrett zu legen, entführten mit Unterstützung von zahlreicher Bauchtänzerinnnen in Tausendundeine Nacht. Die Clowns veranstalteten einen Flohzirkus und die Akrobatinnen und Akrobaten standen unter anderem auf den Händen der Zirkusakrobaten Kopf. Die „alten Artisten“ aus der Jahrtausendwende gewannen die Herzen der Zuschauer mit tollen Handstandüberschlag durch einen Reifen genauso wie durch ihren Charme. Ob Tauben- oder Ziegendressur oder die Artisten, die in Windeseile hohe Menschenpryramiden bildeten, jede und jeder Einzelne bekam seinen Applaus, der nach jedem Programmpunkt zu wahren Begeisterungsstürmen anwuchs. Hatten die Artisten zu Beginn schon dafür gesorgt, dass dem einen oder anderen Zuschauer, ganz bestimmt aber den Eltern der Atem stockte, so setzten die Trapezkünstlerinnen im zweiten Teil des Abends noch einmal eins obendrauf: Die jungen Mädchen schwangen sich in schwindelnde Höhen, zeigten anspruchsvolle turnerische Leistungen, die höchste Konzentration und Körperbeherrschung voraussetzt, vor allem aber ein hohes Vertrauen in die Zirkusartisten, an dessen Füßen und Armen sie sich durch die Luft schwingen ließen. Am Ende brachte Jennifer Strobel das Gefühl aller nach dieser ungewöhnlichen Schulwoche auf den Punkt, indem sie verkündete: „Kinder, ihr habt mich sprachlos gemacht. Ihr seid einfach spitze!“ Dem konnte sich das Zirkusteam nur anschließen. Das bedankte sich auch für den Einsatz und das Vertrauen der Eltern und lud sogleich zum gemeinsamen Abbau ein. „Wir brauchen Sie am Samstagvormittag noch einmal zirka zwei Stunden, um uns möglichst schnell zu unserer zweiten Station in diesem Jahr, zu einer Schule nach Dortmund aufzumachen.“ Die Schüler dort dürfen sich jetzt schon freuen, in den Genuss dieses großartigen Projekts zu kommen. Es fördert nicht nur das Selbstbewusstsein jedes Kindes erheblich, sondern vor allem auch die soziale Kompetenz. Gewachsen ist binnen kürzester Zeit eine Schulgemeinschaft, bei der sich Erst- und Viertklässler auf dem Schulhof nun ganz neu begegnen dürften, haben sie doch eben noch gemeinsam und altersübergreifend als Clowns das Publikum begeistert oder als Fakire die Zuschauer in Atem gehalten. Eine Erfahrung, die ihnen keiner mehr nehmen kann. Leider kann man ein solches Projekt wohl nicht alle vier Jahre umsetzen, wünschen würde man es jedenfalls jedem Grundschüler in Kronberg, eine solche Zirkuswoche erleben zu dürfen.

Immer höher wurden die Bocksprünge dieser Schülergruppe über den Zirkusakrobaten.

Fotos: Westenberger

Vollstes Vertrauen in die Zirkusartisten gehört für eine solche Nummer ebenso dazu wie Mut ...

Die „alten Artisten“ waren besonders süß anzuschauen und holten sich aus dem Publikum einen Vater, der es nicht leicht haben sollte mit ihnen …

Geschickt und Poesie: die Taubendressurnummer

... die eigene Angst zu überwinden.

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