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Das Chamber Orchestra of Europe wird „Orchestra in Residence“

Peijun Xi als Dozentin mit jungen Musiktalenten bei „Mit Musik - Miteinander“, ein Projekt der Kronberg Academy, unterstützt von der Crespo Foundation
Foto: A. Malkmus

Kronberg (aks) – Raimund Trenkler liebt die Kammermusik, die er als „die höchste und intimste Form der Kommunikation“ beschreibt. Im Gespräch mit ihm kann man sich seiner Leidenschaft kaum entziehen, so begeistert spricht er über die Projekte der Kronberg Academy, die ihm ein Herzensanliegen sind und die er von Anfang an, international gut vernetzt, erfolgreich vorangetrieben hat. 25 Jahre ist es her, dass zu Pablo Casals 20. Todestag das erste Konzert des Cellofestivals in Kronberg stattfand. Mit dabei waren Casals Witwe, Marta Casals Istomin, und der weltberühmte Cellist Rostropovich.

Seit dieser Zeit ist der Cellist Trenkler Gründer und Leiter der Kronberg Academy und kämpft mit bewundernswertem Engagement für einen „Werkraum der Musik“ in Kronberg. Für ihn sei dies ein Ort, „wo Musik gehört wird und Raum hat, geboren zu werden“. Dies ist ihm mit der Kronberg Academy gelungen, sie gewinnt für Deutschland seit Jahren an nationaler und internationaler Relevanz: In drei Jahren soll das „Casals Forum“ am Kronberger Bahnhof bereits eröffnet werden mit Konzertsaal, Räumen für Unterrichte und Proben, mit zwei kleineren Sälen für Vorspiele und sogar einer Geigenbauwerkstatt. Das 25-jährige Jubiläum wurde im Kurhaus Wiesbaden gefeiert und Trenkler freute sich, nicht nur die Einhaltung des Zeitplans verkünden zu können. Auch erhöht der Bund – in Wiesbaden vertreten durch die Kulturstaatsministerin Monika Grütters – seinen Zuschuss zu den Baukosten auf 21,5 Millionen Euro (das Gesamtbudget liegt bei rund 45 Millionen Euro).

Außerdem kommt das Chamber Orchestra of Europe, derzeit mit Sitz in London, als „Orchestra in Residence“ im Casals Forum nach Kronberg. Raimund Trenkler sagt, er sei glücklich, dass dieses weltberühmte Orchester mit Dirigenten wie Harnoncourt und David Robertson den größten Teil seiner internationalen Tourneen in Kronberg vorbereiten und hier seinen Ausgangspunkt haben wird. Dies sei nicht nur eine Folge des Brexits gewesen. Das glaubt man dem klugen Strategen Trenkler sofort: Er besitzt eben die Gabe, andere für seine Projekte und für die Zukunft der Musik zu begeistern. Das Publikum werde daran partizipieren, so erklärt er, nicht nur, indem es Konzerte erlebt, sondern auch, weil es bei öffentlichen Proben hinter die Kulissen schauen könne. Ein enger künstlerischer Austausch internationaler Musiker werde innerhalb der Kronberg Academy stattfinden – mit Strahlkraft in die ganze Welt. In Zeiten einer Verrohung der Kommunikationskultur sei er persönlich froh, dass junge Solisten hier, quasi im geschützten Raum der Burgstadt, die Erfahrung machen können, gemeinsam etwas zu erreichen, das größer ist als die Summe der Einzelstimmen. Die Matrix sei das gemeinsame Musizieren, wie es das begeisterte Publikum am Sonntagnachmittag im Hartmutsaal der Evangelischen Kirche Kronberg beim Kammermusikprojekt „Mit Musik – Miteinander“ erleben durfte. Auch Trenkler war mit dabei, gerade pünktlich hatte er es nach einem Konzert junger Kronberger Solisten in Amsterdam zurück nach Kronberg geschafft. Man spürt, dass ihm die sehr jungen Künstler, viele unter 20 Jahre alt, sehr am Herzen liegen. Immer hat der vielbeschäftigte Vorstandsvorsitzende der Akademie ein freundliches Wort für sie, wenn sie strahlend vor ihm stehen und den Kontakt zu ihm suchen. Auch die, die auf dem besten Weg zu einer Weltkarriere sind, wie der 25-jährige französische Cellist Bruno Philippe, der diesmal in Kronberg als Dozent teilnahm: sie vertrauen ihm – als Ratgeber und als Freund.

Trenkler hebt die Vorbildfunktion der Nachwuchstalente, der „Weltauswahl junger Künstler“, wie er es nennt, hervor, schließlich funktioniere Kammermusik nur, indem man einander zuhört, sich ansieht, sich respektiert und vertraut. Jeder fügt sich ein, da sei es völlig unerheblich, aus welchem Kulturkreis oder mit welcher Religion jemand komme. Dies sei gelebte Dialogkultur, die während des Konzerts ihren Ausdruck findet. Er sei jedes Mal fasziniert von diesem fairen und liebevollen Miteinander und Verständnis füreinander, mit dem junge Musiker von ihrer Heimat aus in eine gemeinsame bessere Welt finden, die sie vereint. Insofern habe die Musik eine gesellschaftliche Relevanz als Inspirationsquelle und Vorbildcharakter mit vielen unterschiedlichen Impulsen: „In der Musik geht es um das, was verbindet!“ Die Kronberg Academy sei heute schon ein Leuchtturm in der Welt der Musik, nicht nur weltweit bekannt für ihre Exzellenz-Studiengänge, sondern auch als Treffpunkt vieler internationaler junger Talente. Hier im beschaulichen Kronberg sollen begabte Künstler während ihres Studiums eine musikalische Heimat finden und dabei vor allzu eifrigem und verfrühtem Zugriff bewahrt und beschützt werden, damit ihnen ihre persönliche Entfaltung gelingt. Dazu tragen die Kurse und Gespräche mit den großen Meistern ihres Fachs bei. Seit Kurzem studieren nun neben Cellisten, Geigern und Bratschisten auch zwei kammermusikalisch interessierte Pianisten in Kronberg. Den neuen Studiengang leitet der weltberühmte Pianist Sir András Schiff, der Mitglied im Künstlerischen Beirat der Kronberg Academy ist.

Auf das Chamber Orchestra of Europe dürfen sich Musikliebhaber beim nächsten Kronberg Academy Festival ab dem 24. September 2019 freuen.

Raimund Trenkler, Gründer und Vorsitzender des Vorstands der Kronberg Academy, im Gespräch mit Anne-Katrin Sura vom Kronberger Boten.

Foto: A. Malkmus

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