Historischer Plan des ehemaligen Königsteiner Golfplatzes restauriert

Stadtarchivarin Dr. Alexandra König zeigt den restaurierten historischen Plan des Golfplatzes.Foto: Stadt Königstein

Die Golfsaison ist eröffnet. In Königstein allerdings nur auf dem Papier. Allerdings plant die Stadt keineswegs einen neuen Golfplatz, vielmehr präsentiert Stadtarchivarin Dr. Alexandra König einen über einhundert Jahre alten Entwurf des ehemaligen Königsteiner Golfplatzes.

Den 46 x 54 Zentimeter großen Plan aus dem Jahr 1913 entdeckte König vor einiger Zeit im Stadtarchiv. Er befand sich in einer Papprolle, in die wohl unwissentlich mehrfach benutzt ein weiterer Plan eingeschoben wurde. Das ursprüngliche Dokument in der Papprolle wurde so zerdrückt und zusammengestaucht und überdauerte unbemerkt Jahrzehnte. Ganz zufällig kam er nun bei Sichtung des Bestands wieder zum Vorschein.

Zur Sicherung und Bewahrung des Zeitdokuments gab König das zerknitterte, verstaubte und an einigen Stellen sogar eingerissene Blatt zur Restaurierung an die Frankfurter Papier-Restauratorin Barbara Hassel. Dr. Alexandra König: „Mit der Arbeit der Restauratorin bin ich sehr zufrieden. Die Risse wurden geschlossen und sogar eine Fehlstelle am oberen Bildrand konnte ergänzt werden. Gesäubert und geglättet ist der Entwurf nun vor weiterem Verfall gesichert.“

Der Golfplatz an den Schmidtröder Wiesen ist in der Stadt bekannt, doch gibt es kaum Darstellungen. Daher ist die jetzige Entdeckung des Plans eine überaus interessante Information: Der Entwurfsplan ist ein wichtiges Zeugnis der Stadt- und Kurentwicklung Königsteins in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Bereits am 15. Oktober 1907 hatte die Kurkommission Königstein die Anlage eines Golfplatzes auf den Gemeindewiesen Distrikt Schmidtröder befürwortet. Auf einem Plan der Gemeinde Königstein in der vom damaligen Landrat herausgegebenen Werbeschrift „Auf zum Taunus“ aus dem Jahr 1908 ist der Bereich südlich der Limburger Straße, der heutigen B 8, eingetragen. Es handelte sich – wie die neu entdeckte Karte zeigt – dabei um einen 9-Loch-Platz. Im Reiseführer aus diesem Jahr ist der Golfplatz „auf dem Schmittröder“ zwischen Tennisplätzen, der Eis- und der Rodelbahn wie selbstverständlich gelistet. Direkt neben dem Restaurant Billtalhöhe, dessen Gebäude heute noch steht, befand sich das Clubhaus.

Den Platz auf dem „Schmittröder“, einer Waldlichtung oberhalb des Billtals, inspizierte eine Gruppe von englischen Ärzten, die im Rahmen einer Studienreise nach Königstein gekommen waren. Sie zeigten sich sehr interessiert an dem neuen Golfplatz „auf waldiger Höhe“. Sogar die europäische Ausgabe des „New York Herald“ brachte einen Bericht über den Platz, mit dem Königstein seine Attraktionen für englische und amerikanische Besucher erweitert habe.

„Mit der Verbindung von sportlicher Aktivität und reizvoller Landschaft gelang es der Kurverwaltung damals die Attraktivität der Stadt für das begehrte zahlungskräftige Publikum zu steigern“, erläutert König. Der Erfolg des Platzes führte womöglich dazu, dass 1913 an eine Erweiterung gedacht war, nämlich dem Teil nördlich der Limburger Straße auf dem wiederentdeckten Plan.

Für Stadtarchivarin Dr. König könnte dies einige Widersprüche lösen, die bisher in der Geschichte des Platzes aufkamen. Denn trotz der verschiedenen positiven Äußerungen zu dem Platz ist in Quellen aus dem Jahr 1913 mitunter von einem nur „projektierten“ Golfplatz die Rede. Auf dem restaurierten Blatt sind die südlichen Bahnen mit sicherem Strich und genauer Vermassung eingetragen, wogegen die nördlichen mit der Hand gezeichnet und mehrfach korrigiert, offenbar einer Planungsphase angehören. Überdauert hat aber nicht einmal der kleinere Platz, auch ein Club wurde nie offiziell. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzte das Ende. Der restaurierte Plan ist somit eines der wenigen Zeugnisse des damals in Deutschland noch jungen Sports in Königstein und der internationalen Ausrichtung des Kurbetriebs.



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