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Neues und Traditionelles auf der Schnaademer Kerb

Frisch, munter und gut gelaunt präsentieren sich die Schnaademer Kerbeburschen und Kerbemädchen vor ihrer Fahne und dem Schneidhainer Wappen

Foto: Krüger

Schneidhain
(sk) – Schneidhain im Ausnahmezustand! Am vergangenen Wochenende war es wieder so weit. Das alljährliche Kirchweihfest versetzte die Bevölkerung und allen voran die „Schnaademer“ Kerbeburschen und -mädels für vier Tage ins Kerbe-Fieber. Los ging es am Freitagabend mit dem traditionellen Kerbegottesdienst. Während der Wind nordseetauglich um die Fahrgeschäfte und Imbissbuden auf dem großen Festplatz an der Heinrich-Dorn-Halle pustete, ließ es sich im Festzelt an den Bierbänken windgeschützt und fröhlich mit den Tischnachbarn ins Gespräch kommen.

Pfarrer Breidensteins letzte Amtshandlung

„Auf das wir uns alle gut tun“! Mit diesen Worten segnete Pfarrer Breidenstein das Kirchweihfest mitsamt der diesjährigen Kerbe-Fahne. Da erfahrungsgemäß auf der Kerb dem Apfelwein nachhaltig und ausreichend gehuldigt wird, passte die von Pfarrer Breidenstein zitierte Wundererzählung über die Verwandlung von Wasser zu Wein hervorragend zur Schneidhainer Veranstaltung. Nicht wenige werden darin die Bestätigung gefunden haben, dass selbst die Bibel keine Alkoholabstinenz fordere. Doch Pfarrer Breidenstein zielte eher darauf ab, dass in dem Alltäglichen (dem Wasser) das Kostbare (der Wein) zu entdecken sei.

Eichung der neuen, noch bommellosen Kerbemädchen

Drei Kerbemädchen mussten noch eine Prüfung bestehen, um in die Gemeinschaft der Bommelmützen tragenden Kerbeburschen und -mädchen aufgenommen zu werden. Gut zu erkennen an den pinkfarbenen Bommeln auf ihren weißen Mützen fordern die bereits geeichten Mitglieder der Kerbeburschenschaft von den „Neuzugängen“ den sogenannten Äpplerthon als Aufnahmeritual ein. Angelehnt an den sportlichen Mehrkampf mussten die drei „Neuen“, Celina Keusen, Viktoria Pfeil und Julia Kraft, von je einem Bembel Apfelwein unterstützt drei Ortspunkte in Schneidhain aufsuchen, um dort ihre Äppelwoi-Trinkfestigkeit unter Beweis zu stellen. Nach bestandener Eichung erhielten alle drei Neuzugänge ihren pinken Bommel, den sie bereits auf dem Kerbeumzug am nächsten Tag stolz präsentierten. „Alles hat prima geklappt“, lautete dann auch das Statement der Neu-Geeichten.

Straffe Hierarchien innerhalb der Kerbeburschenschaft

Meckern oder Kritik am Äpplerthon prallte an den beiden Vorsitzenden der Kerbeburschen ab. Der erste „Schlackes“ Sebastian Weck und sein zweiter „Schlackes“ Alex Kilb hielten an ihrem geplanten Eichungs-Ritual fest, sehr zur Freude der übrigen Kerbemannschaft, die ja Ähnliches zu bewältigen hatte, um in den erlauchten Kreis dieser traditionsbewussten und sicher auch Äppelwoi-festen Gemeinschaft zu gelangen. Man spürte förmlich, dass die jungen Leute die Kerbe-Tradition intensiv leben, indem sie an den alten Strukturen festhalten, die sie allerdings mit modernen und zeitgemäßen Mustern aufpeppen.

Ausgelassenes Kerbe-Programm

Bis weit nach Mitternacht feierten die Partygänger im Festzelt. DJ Oliver Ernst, alias zweiter Vorsitzender des Schneidhainer Heimat- und Brauchtumsvereins, heizte den Gästen ordentlich ein. „Den Anwohnern verlangen wir schon Einiges ab“, räumte der verantwortliche Organisator mit Blick auf die nachbarschaftlichen Ruhezeiten ein. Aber er wusste auch zu berichten, dass die Schneidhainer ihr dörfliches Gemeinwesen außerordentlich schätzen und das lärmbedingte Schlafdefizit tolerierten, weil sie eben sehr gerne mitfeierten. Es gebe ein reges Interesse, bei den Bereitschaftsdiensten auszuhelfen, erklärte Vereinsvorsitzende Christine Grafe-Vidakovich. Nur sonntags, wenn die Kerbejugend ab 8.30 Uhr in der Früh mit ihren Weckrufen durch die Straßen ziehe, um den Frühschoppen einzuläuten, dann gäbe es schon mal den einen oder anderen, der lieber ohne grölend vorgetragene Kerbelieder den Morgen ungestört im Bett verbringen wolle. Man sei zwar bemüht, im Einvernehmen mit den Anwohnern derartige Dissonanzen zu befrieden, könne aber nicht alle Spannungsfelder zwischen Tradition und Moderne aus dem Weg räumen, so die beiden Vereinsvorsitzenden.

Am Samstagnachmittag stellten die Kerbeburschen in einer langwierigen und durchaus kräftezehrenden Prozedur den hübsch dekorierten Kerbebaum auf. Daran befestigt ist der sogenannte Schlackes, eine Strohpuppe, die es gilt gegen Diebstahl durch andere Ortsvereine zu verteidigen. „Früher stellten die Kerbeburschen den riesigen Baum nur mithilfe von unterschiedlich langen Stangen auf“, erklärte Oliver Ernst. „Inzwischen verlangt ein Sicherheitskonzept die Absicherung des Baumes mittels eines Hubwagens“. Etwa zwanzig Männer waren am Aufstellen des Baumes beteiligt. Kaum zu glauben, dass das traditionelle Baumstellen früher ohne maschinelle Hilfe funktioniert hat. Der selbst gekelterte Apfelwein, den die Kerbemädchen derweil an die Zuschauer verteilten, vertrieb den Wartenden die Zeit und ließ so manches Gespräch entstehen.

Am Abend rockte die Party-Band „BONGAZ“ das Festzelt mit aktueller Musik aus den Charts und Evergreens zum Mitsingen. Auch die Fußballfans kamen auf ihre Kosten, hatten sie doch einen eigens für sie eingerichteten Fußball-Fernseh-Raum. Und nach dem erfreulichen Ergebnis war der Feierlaune keine Grenze mehr gesetzt. Am Sonntag ging es mit der Egerländer Blaskapelle aus Vockenhausen bei Schnitzel und Erbsensuppe eher zünftig und deftig zu.

Die Vereinsvorsitzenden lobten ihre Mitglieder für ihre rege Beteiligung an der Organisation und Durchführung der Kerb. Sie freuten sich, ein Teil der noch immer dörflichen Gemeinschaft in Schneidhain zu sein, die die Tradition bewahrt, um sie an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben, damit noch viele Schneidhainer, aber auch „Zugereiste“ aus anderen Gemeinden den kulturellen Wert ihres Kirchweihfestes miterleben können.

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