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Magistrat legt Planungsergebnis zur Debatte über neue Stadtmitte vor

Novum: Erstmalig fand eine Pressekonferenz in Gegenwart des Magistrats statt. Das Kollegialorgan hat teils sogar am Wochenende getagt, im Bestreben ein möglichst stimmiges Konzept vorzulegen. Nun liegt der Spielball im Feld der Stadtverordneten, eine Entscheidungsfindung voranzutreiben.
Grafik: Stadt Königstein im Taunus

Königstein (pu) – Weitgehend ungestört von Verkehrslärm schlendern Fußgänger die Hauptstraße entlang und nehmen mit Interesse die Schaufensterauslagen der dortigen Geschäfte in prüfenden Augenschein. Währenddessen suchen an diesem heißen Sommertag auf dem direkt gegenüberliegenden Kapuzinerplatz sowohl Erwachsene als auch Kinder erfrischende Abkühlung beim Laufen durch die Wassersäulen der dort installierten Brunnenanlage. Wenige Meter weiter sind sämtliche Sitzmöglichkeiten im Außenbereich des im Pavillon untergebrachten Generationen-Cafés ausgeschöpft. Die Servicekräfte kommen der starken Nachfrage nach Kaffee und Kuchen kaum hinterher, denn die von Leben erfüllte Stadtmitte, die geradezu zum Verweilen einlädt, ist sowohl wochentags als auch am Wochenende beliebter Treffpunkt für Jung und Alt. Ganz gleich, ob zum Austausch von Neuigkeiten, der Überbrückung längerer Wartezeiten in Bezug auf den nächsten Bus, die Erledigung von Besorgungen in Bürgerbüro und Kur- und Stadtinformation oder nur den schnellen Besuch des integrierten öffentlichen WC.

Eineinhalb Jahre getüftelt

So abwegig diese Schilderung der Szenerie auf den ersten Blick auch erscheinen mag, denn sie entspricht alles andere als dem Status Quo, es mehren sich die Anzeichen, dass das vom Großteil der Bevölkerung als suboptimal bezeichnete Erscheinungsbild der Stadtmitte in naher Zukunft der Vergangenheit angehören könnte.

Dieser Optimismus wird genährt durch das am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz gemeinsam von Magistrat und Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) präsentierte Konzept für die neue Stadtmitte Königstein, das mit „Vom Parkplatz zum Platz im Park“ überschrieben ist.

Seit Sommer 2016 hatten die Magistratsmitglieder sich, wann immer neben den übrigen Amtsgeschäften möglich, Gedanken gemacht, Vorschläge erarbeitet, beraten, abgewogen und teils wieder verworfen, bis der nun vorliegende Entwurf als Ergebnis des größtmöglichen Kompromisses dieses Gremiums ausgearbeitet war. „Wir haben uns dazu teilweise sogar am Wochenende getroffen“, unterstrich Stadtrat Jörg Pöschl (CDU).

In die Überlegungen sind nach den Worten von Rathauschef Helm, wirtschaftliche, kulturelle und soziale (in dem Fall vor allem in Bezug auf Jugendarbeit) Aspekte eingeflossen unter der Prämisse der deutlichen Steigerung der Aufenthaltsqualität für den im Fokus stehenden Bereich.

Verkehrsberuhigung

Das beginnt mit einer verbesserten Wahrnehmung der Geschäfte und deren Auslagen in der vorderen Hauptstraße, die zwar nach den Vorstellungen des Magistrats nicht in eine Fußgängerzone umfunktioniert werden soll, jedoch in einen verkehrsberuhigten Bereich. Damit das gelingt, ist die Verbannung des Durchgangs- und Schleichverkehrs ebenso angedacht wie ein verschärftes Tempolimit. Daraus resultierend wären künftig dort nur noch Busse, Taxen, Liefer- und Anliegerverkehr erlaubt.

In Bezug auf das Erscheinungsbild vordere Georg-Pingler-Straße schwebt den Magistratsmitgliedern eine Verringerung der Dominanz der Busse vor, die zum einen realisierbar scheint durch weniger Haltebuchten – nur noch vier bis maximal fünf –, weitaus kürzere Verweildauer, weil die Busse nur noch zur raschen Einsammlung ihrer Fahrgäste dort vorfahren sollen, einen komplett mit Glas überdachten Arkadengang sowie mehr Grün durch zusätzliche Bäume. „Busse, die dort lange mit laufendem Motor stehen und die Häuser vom Park abriegeln, wollen wir dort nicht mehr haben“, hob Helm heraus.

Von diesen Maßnahmen verspreche man sich ebenso eine optimierte Wohlfühlatmosphäre wie von den belebenden Elementen auf dem Kapuzinerplatz, deren Anordnung so gestaltet ist, dass sie mit den Ständen des Wochenmarkts harmonieren und der Wiederherstellung des alten Brunnens auf dem kleinen Parkplatz.

Stellplätze

Damit ist der Bogen geschlagen zur Neuordnung der Stellplätze. Das vorliegende Konzept sieht sowohl den kompletten Wegfall der 24 Parkmöglichkeiten auf dem kleinen Parkplatz (auch bekannt als P2) vor als auch der zehn schräg angeordneten entlang der vorderen Georg-Pingler-Straße. Für Pkw nicht mehr zur Verfügung stehen würden außerdem die neun Parkplätze in der Adelheidstraße. Hier hat der Magistrat den Wartebereich für die Busse, deren Fahrer ihre vorgeschriebene Rast einlegen, eingeplant. In diesem Zusammenhang rief Helm in Erinnerung, dass in Planspielen der Vergangenheit dieser Wartebereich der Busse eigentlich in den ausgebauten Bahnhofsbereich verlagert werden sollte. „Das funktioniert allerdings aus logistischen Gründen wegen des hohen Zeitverlusts und des großen Aufwands nicht. Die Pause der Busfahrer wäre vorbei, kaum dass sie den Bahnhof erreicht hätten.“

Die 43 aus unterschiedlichen Gründen wegfallenden Parkplätze würden, falls der Magistratsentwurf eine Mehrheit der Stadtverordneten erhalten würde, allerdings mehr als aufgefangen durch die Errichtung eines weitgehend unterirdischen Parkdecks mit 74 Plätzen im Rosengarten, das begrünt werden soll. Dadurch wäre es kaum als Parkdeck wahrnehmbar, dennoch ausreichend belüftet und mit Tageslicht versorgt. Die Ein- und Ausfahrt ist oberhalb des Zebrastreifens angedacht.

Da zusätzlich der bisherige große Parkplatz nicht nur erhalten, sondern um 22 Plätze erweitert werden soll, stünden nach momentanem Entwurfsansatz 51 zusätzliche Parkplätze zur Verfügung. Und damit nicht genug, denn die sollen im erweiterten Normmaß 2,75 Breite und 5 Meter Länge realisiert werden, statt im Uraltmaß 2,25 Meter breit und 5 Meter lang. „Damit tragen wir endlich den zeitgemäßen Anforderungen Rechnung, diese Regelung ist seit Jahren in der Stellplatzsatzung verankert“, betonte der Bürgermeister.

Kostenschätzung

Da Helm zufolge für den vorliegenden Entwurfsvorschlag noch keine Architekten bemüht wurden, beruht der bisherige Kostenansatz noch auf groben Schätzungen. Nach bisherigem Stand der Dinge rechnet man mit anfallenden Kosten für das Parkdeck mit 2 Millionen Euro, für Pavillon, Café, Bürgerbüro und WC mit 900.000 Euro, für die Brunneninstallation auf dem Kapuzinerplatz mit 50.000 Euro. Dazu kommen für die Umgestaltung der Georg-Pingler-Straße 750.000 Euro, den Arkadengang 65.000 Euro und die Hauptstraße 300.000 Euro.

In diesem Zusammenhang hob der Bürgermeister heraus, die Sanierungen von Georg-Pingler-Straße und Hauptstraße stünden in jedem Fall auf der Agenda notwendiger Sanierungsmaßnahmen. Beider momentaner Zustand sei „fast peinlich“. Zumindest in Teilen refinanzierbar wäre das komplette Vorhaben durch Parkeinnahmen, Mieteinnahmen durch das Café oder eingesparter Miete am heutigen Standort der Kur- und Stadtinformation.

Ball im Feld der Stadtverordneten

„Der Ball liegt nun im Spielfeld der Stadtverordneten“, erklärte Helm abschließend und verknüpfte damit die Hoffnung auf einen „geordneten Beratungsprozess“ in den Gremien in der kommenden Sitzungsrunde. „Wir wollen die Dinge nicht nur auf Papier sehen, sondern geben jetzt den Startschuss für eine Diskussion, die unter Umständen 2021 in eine Realisierung münden könnte.“ Das sei unter anderem abhängig von der Dauer des kommenden Entscheidungsprozesses und dem Ausmaß etwaiger Veränderungswünsche. Helm weiter: „Was wir uns vorstellen, muss nicht zwingend die Zukunft sein. Es ist nur ein Vorschlag, ein Zeichen der Gemeinsamkeit am Ende des politischen Jahres, das die typischen Merkmale eines Kompromisses trägt für den Einstieg in ein gutes neues, erfolgreiches Jahr!“ Der Magistrat will diese Diskussionsgrundlage ebenfalls als politische Aussage und sichtbares Zeichen gegenüber allen Kritikern verstanden wissen, den viel zitierten Vorwurf, in Königstein bewege sich nichts, entkräften. „Wir wollen unseren Willen untermauern, gemeinsam etwas für die Stadt bewegen zu wollen“, erklärte Stadtrat Jörg Pöschl stellvertretend für den Magistrat mit allem Nachdruck.

Wo Raum für Fußgänger geschaffen wird, muss auch an Ersatzparkplätze gedacht werden: Das alte Thema „Tiefgarage“ taucht in Form eines Parkdecks am oberen Ende der Konrad-Adenauer-Anlage wieder auf, wenn auch möglichst dezent.
Grafik: Stadt Königstein im Taunus

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