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Parlamentsmehrheit für energetische Sanierung der Taunushalle

Schönberg (pu) – Die jahrelange Ungewissheit von Bürgern und Vereinen um die nahe Zukunft der Taunushalle ist durch einen mehrheitlichen parlamentarischen Beschluss für eine energetische Sanierung erledigt. Nach erneuter ausführlicher Darlegung der jeweiligen Positionen und Argumente votierten 24 Parlamentarier bei drei Enthaltungen für die Magistratsvorlage zur Umsetzung des Nutzungskonzepts samt Aktivierung der Bestandsflächen.

Aufstockung vorerst zurückgestellt

Demzufolge wird die Halle in ihrer bestehenden Kubatur weiter genutzt, die Kegelbahn im Untergeschoss geschlossen, um die Flächen einer anderen Nutzung (Versammlungen, Vereine und Ähnliches) zuzuführen. Zurückgestellt wird dagegen auf Änderungsantrag der SPD eine Aufstockung des Gebäudes zur Nutzung für Wohnraum oder gewerbliche Nutzung, die nach den Berechnungen des Fachbereichs 5 – Bauen und Facilitymanagement – zu einer wirtschaftlichen Ergebnisverbesserung führen würde.

Die Mehrheit der Parlamentarier (18 Ja, fünf Enthaltungen und vier Gegenstimmen) folgte der Argumentation der Sozialdemokraten, dass darüber erst im Rahmen der Entscheidungen zum Stadtentwicklungskonzept abschließend befunden werden soll. Wie mehrfach ausführlich berichtet, ist seit einigen Wochen zu den beiden Varianten „Wohnen“ und „Gewerbe“ als dritte die eventuelle Unterbringung eines Kinderhorts in der Taunushalle im Gespräch wegen des sich abzeichnenden Bedarfs an zusätzlichen Kindergarten- und Hortplätzen.

Für die Erweiterung der Gastronomiefläche um einen Raum, Umbau für Gewerbe im Kellergeschoss, energetische Sanierung und Abbau des weiteren Instandhaltungstaus wird abzüglich der Fördermittel des Landes mit zirka 600.000 Euro gerechnet. „Das ist aus unserer Sicht eine gute Investition in den Stadtteil und seine Vereine“, unterstrich der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Haas in seinem Redebeitrag.

Allen Kritikern, die angesichts der unterschiedlichen Positionen von CDU und SPD in Sachen Taunushalle bereits von einem drohenden Ende der Koalition beziehungsweise einem Bruch der Koalitionsvereinbarung sprechen, hielt Haas entgegen: „Politik ist auch ein Wettbewerb um die besten Ideen.“ Nach intensiver Diskussion habe man sich dafür entschieden, „die unterschiedlichen Positionen nicht in einem Kompromiss münden zu lassen, in dem sich niemand wirklich wiederfindet, sondern um Zustimmung für die unterschiedlichen Konzepte zu werben.“ Nichtsdestotrotz habe die Koalition „noch genug Gemeinsamkeiten, als dass die Zusammenarbeit am Projekt ‚Taunushalle‘ scheitern werde.“

Wir müssen Bock haben, etwas zu gestalten

Für die Christdemokraten warb zunächst der Vorsitzende des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU), Max-Werner Kahl, nochmals für den Abriss des 1968 erstellten Gebäudes und nachfolgender Errichtung eines zeitgemäßen Neubaus. „Das ist eine große Chance, den stiefmütterlich behandelten Ortsmittelpunkt aufzuwerten und attraktiv zu machen“, erklärte er mit Nachdruck und setzte noch einen drauf: „Wir müssen Bock haben, etwas zu gestalten, dafür wurden wir von den Bürgern gewählt!“ Eine Dauerbaustelle durch Notinstandsetzungen sei nicht länger hinnehmbar.Auch die CDU‘ler warteten mit einem Änderungsantrag auf, der mit 17 Gegenstimmen bei zehn Befürwortern abgelehnt wurde und drei Punkte umfasste. Zum einen sollte ihren Vorstellungen nach mit der nutzungserhaltenden Sanierung der Taunushalle unverzüglich begonnen werden, die energetische Sanierung dagegen vorläufig zurückgestellt werden. Zudem regten die Christdemokraten die bis Ende des Jahres zu erfolgende Erstellung eines zukunftsorientierten Nutzungskonzepts/Raumplans für einen Neubau mit belegbaren Investitionskosten an, mit dem Ziel, eine wirtschaftliche Zukunftsbetrachtung der Taunushalle zu ermöglichen. Solange werde die Zurückstellung der Magistratsvorlage unausweichlich.

„Lanze für die Taunushalle“

Dieser Betrachtungsweise konnte sich die Wählergemeinschaft „Kronberg für die Bürger“ nicht anschließen. Fraktionsgeschäftsführer und Schönberger Ortsbeiratsmitglied Rainer Schmidt brach eine „Lanze für die Taunushalle“ und griff dabei zu deutlichen Worten.

„Die Bürger sind nicht nur am Portemonnaie (Gebühren, Steuern) betroffen, sondern es handelt sich direkt um das Lebensumfeld des Stadtteils.“ Der Stadtverordnete warnte mit Nachdruck zum jetzigen Zeitpunkt vor der geschätzten Investition von 3 Millionen Euro für Abriss und Neubau. „Bitte, liebe CDU, lieber Max-Werner, träumt doch trotz verbesserter Haushaltslage nicht vom großen Wurf, denn für die nächsten fünf Jahre hat die Stadt unter anderem mit den Großprojekten Bahnhof und Altkönigblick wahrlich genug auf der Agenda und wir sind froh, dass endlich eine Vorlage auf dem Tisch liegt, die finanziell darstellbar ist!“ Die 1920 gegründete TSG Schönberg träume von einer raschen Umsetzung, um ihr 100-jähriges Bestehen in zwei Jahren „im neuen Ambiente“ feiern zu können.

Zweifel an den Zahlen

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Dahmen konterte nochmals und kritisierte die von der Stadt in Auftrag gegebene vorliegende und im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorgestellte Kapitalwertberechnung, bei der seiner Beurteilung nach „Äpfel mit Birnen verglichen wurden“. Die Zahlen, vor allem die Höhe der Zinsen für die Aufnahme des Fremdkapitals, die dem Wirtschaftsprüfer aus dem Rathaus vorgegeben worden seien, seien unrealistisch. Nach Dahmens Berechnungen könnte man die derzeit im Raum stehenden 3 Millionen Euro Investition um zwei senken, sodass im Endeffekt lediglich „die überschaubare Summe“ von einer Million Euro Investitionskosten übrig blieben.

Die Reaktion des Ersten Stadtrats Robert Siedler (parteilos) kam prompt. „Ich staune, wie die Neubaukosten dahinschmelzen!“ Im Übrigen sei die Verwaltung von „normalen Zinssätzen“ ausgegangen. Man könne es in jedem Fall drehen und wenden, wie man wolle, „die reinen Baukosten für einen Neubau der Taunushalle würden 5,1 Millionen Euro betragen, die Finanzierungskosten kämen noch obendrauf!“

Während der FDP-Vorsitzende Holger Grupe der CDU zwar Mut attestierte, dennoch deren geforderte Zurückstellung der Sanierung nicht nachvollziehen konnte und insgesamt das „Ja“ der Liberalen für die Vorlage nochmals bekräftigte, der brachte Bündnis 90/ Die Grünen-Vorstand Udo Keil eine ganze Reihe Gründe vor, die in den Augen seiner Fraktion gegen eine Zustimmung des Antrags sprachen.

„Die wichtigsten Fragen zu diesem Schlüsselgrundstück sind weder gestellt noch beantwortet.“ Weil darüber hinaus die Bürger zu wenig bei diesem wichtigen Anliegen gehört worden seien, formulierte er die dringende Bitte der Einladung zu einer Bürgerversammlung durch Stadtverordnetenvorsteher Andreas Knoche (CDU). Diese Anregung trugen alle Parlamentarier mit.

Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos) hatte schon im Bauausschuss deutlich gemacht, die energetische Sanierung sei der „gangbarste Weg, um schnellstmöglich den Ortskern gastronomisch und kulturell zu stärken“ und sich in den kommenden Jahren intensiv mit der zukünftigen Ortskerngestaltung zu befassen. „Schon in der anstehenden zweiten Phase des Stadtentwicklungskonzepts werden wir beim Baustein „Freizeit“ Lage und Zustand der einzelnen im Stadtgebiet befindlichen Turnhallen im Detail betrachten und hinterfragen, ob diese Lösungen nach heutigen Gesichtspunkten sinnvoll und zukunftsfähig sind.“

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