Schüler und Senioren tauschten sich zum Thema „Heimat“ aus

Ebrun Creteanu, Melanie Nicklas, Benedikt Ruiz-Batista, Büsra Örskiran und Manolya Aslan (von links) mit den Landkarten, die gezeichnet wurden Fotos: S. Puck

Oberhöchstadt (pu) – Ganz gleich, ob die Wiege in Kronberg, Sachsen, Schlesien, Bayern oder an der Waterkant stand – mit dem Begriff „Heimat“ verbindet jeder etwas anderes. „Heimat, und das verbindet uns alle, ist ein Anker, ein tiefes Gefühl in einer immer unübersichtlicheren Welt“, fasst der Bereichsleiter der Seniorenstifte Hohenwald und Kronberg, Frank P. Egerer seine Definition in Worte. Im Zuge der Vorbereitung zur vierten Erinnerungswoche stellte sich die Leitung die Frage, was Heimat eigentlich für die Bewohnerinnen und Bewohner der beiden Seniorenstifte bedeutet. Die einmal pro Jahr stattfindende Erinnerungswoche war vor vier Jahren aus der Taufe gehoben worden und erfreut sich seither großer Beliebtheit, unter anderem durch eine Ausstellung alltäglicher Dinge aus vergangener Zeit im „Erinnerungsmuseum“.

Für das dieses Mal im Mittelpunkt stehende, tiefer gehende Thema „Heimat“ sammelte man wochenlang in liebevoller Kleinarbeit durch Interviews Antworten und außerdem Gegenstände, die nun wiederum in der Ausstellung präsentiert wurden. Die Ergebnisse spiegelten die individuellen Betrachtungsweisen deutlich wieder. „Heimat ist dort, wo der Apfelbaum meiner Eltern steht“, eine ebenso überraschende wie berührende Aussage wie „In dem Wort Heimat liegt die ganze Liebe des Menschen zur Scholle“, die eine Bewohnerin an ihre Jugend erinnert oder „Heimat bedeutet für mich alles, die ganze Welt“, um nur ein paar Beispiele herauszupicken.

Flankierend dazu gab es an drei Tagen Erinnerungscafés, das beliebte Quiz „Was bin ich?“ mit Robert Lembke feierte ein Revival und auch das Fotoshooting mit Erinnerungsstücken, besondere Speisen „Wie bei Muttern“ und vieles mehr erwärmte die Herzen der Senioren ebenso wie der Besuch eines Schüler-Quintetts der Feldbergschule Oberursel des Bereichs Fremdsprachensekretariat. Manolya Aslan, Büsra Örskiran, Melanie Nicklas, Ebrun Creteanu und Benedikt Ruiz-Batista widerlegten dabei die häufig zu vernehmende Behauptung, junge Menschen hätten keinerlei Bezug zur älteren Generation und seien mitnichten am gegenseitigen Kennenlernen interessiert. „Wir haben uns ganz bewusst für ein Seniorenheim entschieden“, betonten die Fünf, die sich spontan als Gruppe zusammenfanden, als in der Schule das Projekt „Vorbereitung und Durchführung einer Veranstaltung in einer sozialen Einrichtung“ angekündigt wurde.

Mit einem kurzen Hereinschauen war es allerdings mitnichten getan, vielmehr ersetzte das Projekt nach Angaben der Schüler eine Klassenarbeit und war unter der Beobachtung der betreuenden Lehrerin Michaela Krebs mit einem mehrstündigen Aufenthalt verbunden. Die Chance einer guten Benotung war das eine, andererseits sah sich die Schülergruppe nach der positiv beschiedenen Bewerbung durch das Seniorenstift Hohenwald rasch vor die Herausforderung gestellt, ein unterhaltsames Programm zu finden, um möglichst alle Bewohner mit einzubinden, auch die schwer dementen. Bereichsleitung und Ergotherapeutin Susanne Lehnert standen nicht nur bei zwei Vorbereitungstreffen beratend zur Seite, sondern gaben auch am Veranstaltungstag selbst den einen oder anderen Tipp. Auf dem „Stundenplan“ standen schließlich zwei Erzählcafés mit Kennenlernrunde, Musikquiz zu beliebten Klassikern wie „Lili Marleen“ von Lale Andersen, gemeinsames Zeichnen einer persönlichen Landkarte mit Städten und Stationen „die einem wichtig sind“, Basteln, Spielrunde (Bingo/Memory), Gespächsrunde sowie Abschluss mit selbst vorbereiteten Snacks und Kuchen.

Nach dem Tag zeigten sich die Schüler beeindruckt von den Erlebnissen und teils überraschenden Erfahrungen. „Ich dachte vorher, sicher würden überwiegend die Senioren aus ihrem Leben erzählen, doch sie waren auch ausgesprochen daran interessiert, uns kennenzulernen und erzählen zu lassen“, reflektierte Manolya Aslan. Ebenso wie ihre Mitschüler hat Büsra Örskiran überlegt, was sie unter dem Begriff Heimat versteht. „Für mich ist es das laute Geräusch, wenn alle meiner Familie beisammen sind“, erzählte sie lachend. Auch Ebrun Creteanu, Melanie Nicklas und Benedikt Ruiz-Batista machten deutlich, dass ihrer Beobachtung zufolge prinzipiell zu wenig an die ältere Bevölkerung gedacht wird und ein viel regerer Austausch zwischen den Generationen stattfinden sollte. „Wir wären doch auch froh, wenn wir als Ältere nicht in Vergessenheit geraten!“ Die miteinander verbrachte Zeit, ob beim Unterhaltungsprogramm oder beim Spazierengehen, sowie im persönlichen Gespräch habe nicht nur Spaß gemacht, sondern darüber hinaus das Verständnis füreinander gefördert. „Wir nehmen ein verändertes Bild mit nach Hause und werden auf alle Fälle wiederkommen“, so das Fazit der Fünf. Bereichsleiter Frank P. Egerer sprach den jungen Leuten zum Schluss ein großes Lob für das gelungene Projekt aus.

Auch im Seniorenstift Kronthal fand die Erinnerungswoche wieder statt, allerdings dort schon vor Ostern.

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