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Apfelmarkt mit viel Experten-Wissen fiel teilweise ins Wasser

Thäler Kerberpärchen 2018, Nadine Löhr und Alexander Ritschel mit den Gewinnern des „Kronberger Appelwoimaster 2018“: v.l.n.r.: Tatjana Knecht und Simone Hotter (3. Platz), Helmut Krieger (2. Platz) und der Keltergemeinschaft „Die Boskopper“, hier vertreten durch Thorsten und Christian Buss (hinten), die den ersten Platz holten und damit den „Thäler Skatbrüdern“, den letztjährigen Gewinnern, den Bembel abnahmen.
Foto: Westenberger

Kronberg (mw) – Traurig war es schon, den Apfelmarkt im Dauerregen bei Sturmböen untergehen zu sehen. Die Wege und Plätze in der Altstadt sollten sich den ganzen Sonntag über nicht richtig mit Besuchern füllen. Wen wundert das? Nach monatelanger Sonne bot der erste Dauerregentag sich förmlich dazu an, endlich einmal mit gutem Gewissen bei einer warmen Tasse Tee auf dem Sofa liegen zu bleiben. Doch keiner der Standbetreiber, die trotz des ungemütlichen Wetters mit Zelten, Schirmen und Planen dem Regen trotzten und auf Besucher warteten, traute sich, so richtig laut über das Wetter zu schimpfen. Wie denn auch, schließlich hatten Stadt Kronberg, als Veranstalter gemeinsam mit vielen Vereinen und ehrenamtlichen Helfern zu einem Umweltmarkt eingeladen. Hier werden und wurden zum 30. Mal wieder Umweltthemen auf eine unterhaltsame und informative Weise vermittelt. Zu denen gehörten der Erhalt von Kronbergs Kulturlandschaft mit den Streuobstwiesen genauso wie die biologische Vielfalt auf öffentlichen Grünflächen, für die im „Grünen Klassenzimmer“ in der Zehntscheune Umweltreferat und Montessori-Schule gemeinsam warben. Plakate dokumentieren die in Kronberg bereits extra angelegten Flächen, als Wohnraum für Pflanzen und Tiere, darunter unter Einbeziehung der Bürger angelegte Spielräume als auch die Montessori-Schule, die ihre Kuchen-, Kaffee-, Waffeleinnahmen direkt in Sträucher, Bäume, Pflanzen und Blumen umsetzen will. Tja und was verbindet sie alle? Die zwei Landwirte, die im Recepturhof viele leckere Apfelsorten anboten, die es in den Supermärkten schon lange nicht mehr gibt, die Eltern und Kinder der Kita Racker-Acker, die in diesem Jahr erstmals Verantwortung für die „Kinderkelter“ übernommen hatten, oder die Streuobst- und Wildspezialitäten, direkt von der eigenen Streuobstwiese und vom Jäger? Sie alle sind eigentlich dankbar dafür, dass Tiere, Pflanzen und Bäume und sie selbst endlich wieder von oben Wasser bekommen. Denn der Klimawandel hat mit seinen Wetterkapriolen auch vor der idyllischen „Kleinstadt im Steppengras“ nicht haltgemacht.

„Wasser schreckt uns nicht ab!“

„Wasser hat uns natürlich noch nie abgeschreckt“, erklärt die Leiterin des städtischen Umweltreferats, Yvonne Richter, „Regen gehört bei einem Herbstmarkt dazu, aber die Sturmwarnung hat es uns heute mit der Planung schwer gemacht“, gesteht sie. Früh morgens schon hatten sich die Stadt und die zwei großen Vereine, der Obst- und Gartenbauverein und der Verein Lebenswerte Altstadt zur Krisensitzung versammelt: Das Ergebnis der Risikoabwägung: Die Stadt entschied, im Recepeturhof die Kelter mit gesichertem Zelt für die Helfer aufzubauen, der Altstadtkreis beispielsweise, der ebenfalls ein großes Zelt für seinen Stand gebraucht hätte, entschied, gar nicht erst aufzubauen. „Wir wollten das Risiko minimieren, bei Sturmwarnung müssen wir zuerst an die Sicherheit der Bürger denken.“ Gesagt, getan, man entschied schweren Herzens, den Apfelmarkt auf den Straßen und Plätzen um 15 Uhr zu beenden, und bei zunehmenden Windböen sollten die Standbetreiber sogleich mit dem Abbau beginnen, was sie dann schließlich nach dem Starkregen am Nachmittag spätestens taten. Bis dahin bewiesen sie jedoch Durchhaltevermögen und gaben den Besuchern, die passend mit Schirm, warmer Jacke und Stiefel doch den Weg zu ihrem Lieblingsmarkt gefunden hatten, gerne in Sachen Umweltschutz, Naturschutz oder Pflanzenkunde Auskunft.

Wildkräuterkunde

So auch Monika Wiegand, die mit ihrem Wildkräuterstand auf dem Apfelmarkt schon lange keine Unbekannte mehr ist. Ihren Pflanzen gefiel das stetige, zunächst leise Plätschern von oben ausgesprochen gut. „Gestern habe ich ein Mal ganz kurz gedacht, mein weißer Schirm ist aber dreckig geworden“, gesteht sie. Den Regen habe sie sich aber damit ganz sicher nicht für diesen Tag herbeigewünscht. Wie sie die Liebe zu ihren Kräutern entwickelt hat? Als Stadtkind habe sie die Pflanzen und Wildkräuter erst spät, auf einem Biobauernhof kennengelernt und war von der ersten Minute fasziniert, von ihrer Urkraft, viele mit heilender Wirkung. Und so wurde sie zur Wildkräuterexpertin. Das war vor 15 Jahren. Wildkräuter und Wildblumen sind heute wieder gefragter denn je, verrät sie. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass viele Gartenpflanzen, die auf große Blüten gezüchtet wurden, oftmals in den Teilen, die Nektar und Pollen führen, verkümmert sind. Sie sehen vielleicht schön aus, bereichern die Umwelt jedoch nicht, sie können sich gar nicht mehr vermehren und bieten den Insekten kaum noch Nahrungsgrundlage. Wer liebt sie nicht, die blaue Wegwarte, oftmals in überdüngten Wiesen längst verschwunden oder den Feldern gewichen, wenn keine Blühränder stehen gelassen werden. Die Wenigsten wissen jedoch über die Feld- und Wiesenblume, dass ihre Blüten jeweils nur für einen Tag geöffnet sind, in dieser Zeit jedoch von 37 Wildbienenarten, Schmetterlingen, Faltern und Schwebfliegen bestäubt werden und ihre Blätter, Blüten und Wurzeln verdauungsfördernd, appetitanregend, harntreibend, abführend und blutstillend wirken. Bei Monika Weigand kann man viel Wildkräuterwissen erwerben und neben einem leckeren warmen Kräutertee sogar echte Raumduftkräuter für das Wohnzimmer kaufen. Für die Wildkräuterexpertin gibt es nichts Schöneres, als die Kräuter vor der eigenen Haustüre oder dem eigenen Balkon zu haben. „Was man vor seinen Augen hat, findet dann auch in der Küche Verwendung“, sagt sie.

Während im Recepturhof trotz gutem Regenschutz von oben die Kronberger Elterninitiative Kinderhaus (KEK) und der Waldkindergarten erst gar nicht seine Stände aufgebaut hatten, hatten die Pfadfinder kurzerhand umgeplant. Gekeltert wurde in ihrem Pfadfinderheim, verkauft wurde der frisch gepresste Süße zwischen den anderen Ständen in der Zehntscheune. Wer hier seinen Platz gefunden hatte, oder ihn ohnehin dort hatte, den beschlich nicht das Gefühl, der Markt sei ins Wasser gefallen. Die Zehntscheune war den gesamten Tag über gut gefüllt mit Besuchern, die dort im Trockenen bei Kaffee und Kuchen der Montessori-Schule und vielen verschiedenen Informationsangeboten gerne länger verweilten. Die Kinder konnten mit ihren Eltern selbst Nistkästen bauen oder kleine Kiefernzapfenwichtel anfertigen, Bienenwachskerzen drehen und alte Apfelsorten naschen.

Äpfel naschen

Letzteres Angebot beim städtischen Umweltreferat übrigens war neu und erfreute sich größter Beliebtheit, die 17 kredenzten Apfelsorten mussten immer wieder nachgeliefert werden. Spätestens danach wusste man im Recepturhof beim Verlassen des Festes, welche Äpfel einem besonders gut geschmeckt hatten und konnte sie direkt bei den Obstbauern mit nach Hause nehmen. Die Zehntscheune war an diesem verregneten Sonntag ein richtiges Expertenhaus: Erich Kaiser wusste Spannendes über „seine“ Mauersegler zu berichten – „Manche glauben es mir einfach gar nicht, dass junge Mauersegler zwei Jahre in der Luft bleiben, bis sie sich zum Nisten niederlassen.“ Es ist ja auch unglaublich! Genauso wie die Wespen- und Hornissennester, die der Biologe, Björn Kleinlogel, vor sich auf dem Tisch ausgebreitet hat. Viele Besucher standen rätselnd davor. Sie waren unsicher ,mit was sie es zu tun haben: Die Nester sind filigran und sehen aus wie echte Kunstwerke. Und das sind sie auch, Naturkunstwerke, für die Wespen & Co. geschuftet haben, die aber ein Wespenallergiker nicht bei sich zuhause im Rolladenschacht hängen haben mag.

115 verschiedene Apfelsorten

„Unglaublich, wie viele Apfelsorten Heiko Fischer vom Obst- und Gartenbauverein hier zusammengetragen hat“, verkündete Bürgermeister Klaus Temmen zur Begrüßung der Gästeschar, die sich die Verkündung des Äppelwoimasters nicht entgehen lassen wollte und zu der es schließlich noch richtig urig eng in der Zehntscheune werden sollte. „115 verschiedene Apfelsorten sind hier zu sehen“,verriet er. Von Fischer erfuhren die Besucher, dass die Ernte dieses Jahr „richtig mies“ war, die Steinobstbestände seien größtenteils vernichtet worden, sie hätten „Sonnenbrand“ bekommen oder seien schlichtweg verfault.

Schließlich wurde das Geheimnis um den besten Schoppen aus der letztjährigen Apfelernte (bei 17 Teilnehmern) gelüftet: Und der Jubel war bereits über den dritten Platz groß, denn die Kellerkinder Kronberg, Tatjana Knecht und Simone Hotter, hatten erst zum zweiten Mal an dem Wettbewerb um den besten „Schoppen“ teilgenommen und hatten gar nicht mit einem Preis gerechnet. Den zweiten Platz sicherte sich Helmut Krieger ohne ihn geht es eben nicht!) und den ersten Platz holten die ebenfalls überraschte Keltergemeinschaft „Die Boskopper“, Thorsten Buss, Lars Pollmüller, Frank Thom und Christian Buss. „Wir haben 270 Liter Äppler gekeltert“, verriet Thorsten Buss, „und 30 Liter sortenreinen Apfelwein aus Boskop.“ Das sei wohl die richtige Entscheidung gewesen, denn genau dieser sortenreine Schoppen machte das Rennen. Viel übrig von dem guten Schoppen sei allerdings nicht mehr.

Wer nach diesem rundum informativen und bunten Regentag im Zeichen des Apfels als Symbol für die Kronberger Umwelt und seine Streuobstwiesen Lust auf die Geschichte des Obstbaus bekommen hat, der kann kommenden Samstag, 29. September um 16 Uhr zu einer Führung durch das Rentbachtal, Treffpunkt Pfarrer-Christ-Denkmal in der Katharinenstraße, mit Hanspeter Borsch starten. Hier wird einer der drei beschilderten neuen Spazierwege vorgestellt, zu denen es auch ganz neu den Flyer „Kronbergs Obstgärten zu Fuß“ gibt. Der Flyer mit den drei Spazierwegen wurde vom Obst- und Gartenbauverein in Zusammenarbeit mit dem Verein für Tourismusförderung entwickelt.

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