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Thomas Villmer legt Mandat und Ämter im Stadtparlament nieder und tritt aus der SPD aus

Königstein (hhf) – Der Graben zwischen den beiden Vertretern verschiedener Richtungen in der SPD war schon lange zu spüren, und doch trifft es jetzt wie ein Donnerschlag: Nach 26 Jahren engagierter Mitgliedschaft hat Thomas Villmer nicht nur seine Funktionen im Stadtparlament niedergelegt – immerhin war er Fraktionsvorsitzender – sondern auch sein Parteibuch zurückgegeben. Auslöser waren Äußerungen der Ortsvereinsvorsitzenden Dr. Ilja-Kristin Seewald, die sich ihrerseits inhaltlich an einem Interview Villmers in der Taunus-Zeitung gestört hatte.

Vielleicht hat nur eine etwas unglücklich formulierte Zwischenüberschrift den Stein ins Rollen gebracht: „SPD hält sich fern“ war da zu lesen, als es um die rege Beteiligung der Kommunalpolitiker an der Gegenveranstaltung zum Vortrag der AfD im HdB ging. Im Kleingedruckten stand dann allerdings deutlich, dass die Fraktion sich zwar nicht als solche direkt beteiligen wolle, sie die geplante Aktion der Jusos aber durchaus „wohlwollend verfolge“.

Was sind politische Mitbewerber?

Allerdings störte sich Ilja-Kristin Seewald auch noch an der Einstufung der AfD als „politischen Mitbewerber“, die Villmer als Teil seiner Begründung für die Zurückhaltung der Fraktion angeführt hatte. Da sie nach eigenen Angaben den Fraktionsvorsitzenden morgens nicht erreichen konnte, sich aber die Fragen und Proteste der Mitglieder bei ihr häuften, sah sich die Ortsvereinsvorsitzende ihrerseits genötigt, eine Gegendarstellung auf Facebook zu formulieren, die wiederum ihren Weg in die Tageszeitung fand. Nun schickten andere SPD-Mitglieder Fragen und Proteste, schließlich traf auch die Mitteilung von Thomas Villmer ein, dass er nun einen Schlussstrich ziehe, da er die Distanzierung von seinen Äußerungen als ein „Nachkarten“ empfinde.

In der Tat mögen beide recht haben, inhaltlich ist eine SPD mit ihrer über 100-jährigen Geschichte gegen rechte Gesinnung auch in undemokratischen Zeiten in Deutschland wohl kaum mit den polternden Ausbrüchen einer sehr jungen AfD auf eine Stufe zu stellen – auf Stimmenfang im Wahlkampf sind es aber eben doch Wettbewerber um die Wählergunst, die den gleichen demokratischen Rechten und Pflichten unterworfen sind.

Schon lange zwei Richtungen

Aus den gleichen Grundsätzen, die Thomas Villmer vertritt, leitet Felix Lupp – Sprecher der Jusos Hochtaunus und Königsteiner Kreis – ein Handeln im Sinne Dr. Ilja-Kristin Seewalds ab: „Versammlungsfreiheit (und damit auch das Recht zu demonstrieren) ist ein demokratischer Wert und auch gegen die AfD erlaubt.“ Klingt einleuchtend und fair, schließlich nutzt die AfD dieses Recht auch ausgiebig.

Überrascht ist Lupp, der mit seiner Einstellung sowohl mit Villmer als auch mit Seewald in gutem Einvernehmen stand und steht über den plötzlichen Rücktritt schon, aber unerwartet ist es für ihn auch nicht: „Das Verhältnis war schon lange angespannt“, die zwei standen eben sehr deutlich für die zwei verschiedenen internen Richtungen, die die SPD auch überörtlich nur schwer unter einen Hut bringen kann. In einem Punkt nimmt er die Ortsvereinsvorsitzende aber in Schutz: Ihr Engagement für höhere Mandate als in der Königsteiner Kommunalpolitik sei mit der Parteibasis abgesprochen und gebilligt worden, die Vorwürfe Villmers, sie verfolge ihre Karriere auf Kosten der Kommunalpolitik, kann er nicht verstehen.

Erst mal eine Pause

„Man muss sich mal klar machen: Im Aufsichtsrat der Gesellschaft für das HdB sind alle Parteien vertreten, die haben den Vertrag mit der AfD geschlossen“, und das sei dann schon eine merkwürdige Verquickung mit den Protesten dagegen – Thomas Villmer bleibt mit Begründung bei seiner Zurückhaltung. Die Formulierung, dass nicht die Fraktion geschlossen, sehr wohl aber viele SPD-Mitglieder unter Federführung der Jusos am „Bündnis für Vielfalt und Toleranz“ teilnähmen, sei so abgesprochen gewesen und die Distanzierung davon dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe – er bleibt auch bei seinem Rück- und Austritt.

„Die zwischenmenschliche Ebene muss passen“ und genug Hilfe von den Parteigenossen braucht es für die Funktionsträger auch, benennt er zwei Aspekte, deren Schwinden ihm in den letzten zwölf Jahren das politische Engagement immer mehr zur Qual gemacht habe. Dennoch habe er nur schweren Herzens aufgehört, da macht ihm der Umstand, dass er von allen Seiten parteiübergreifend emotionales Bedauern erfährt, den Entschluss nun etwas leichter. Und die Familie freut sich, dass er nun mehr Zeit hat. Vorläufig zumindest, denn die Projektarbeit in der Kommunalpolitik reizt ihn weiterhin: „Ich mach‘ erst mal Pause“, später sei ein Neuanfang vielleicht möglich, wenn auch nicht zwingend mit der SPD...

In Ruhe die Lücke füllen

Dass die SPD mit Thomas Villmer nicht nur einen engagierten und versierten Politiker verloren hat, sondern auch einen wichtigen Fachmann vor allem für das Bauwesen, ist auch Dr. Ilja-Kristin Seewald klar. Sie bedauert zwar, dass es nicht mehr zu einem klärenden Gespräch mit Thomas Villmer gekommen ist, denn nach ihrer Auffassung waren die Formulierungen so nicht abgestimmt, will aber nun auch sicher nicht mehr „nachkarten“.

Für solche Animositäten dürfte der gesamten hiesigen SPD vorläufig allerdings auch schlichtweg die Zeit fehlen, denn hier gilt es nun – mitten in den laufenden Haushaltsberatungen und kurz vor den Landtagswahlen – ein großes Loch zu stopfen. Dazu will man sich nach Aussage der Ortsvereinsvorsitzenden einerseits die nötige Zeit nehmen, andererseits darf es auch nicht zu lange dauern. Wenn Ilja-Kristin Seewald also in der nächsten Sitzung des Stadtparlaments als Fraktionsvorsitzende auftreten sollte, dann liegt das einzig an ihrer Nominierung als Stellvertreterin und dem Urlaub anderer möglicher Kollegen, es soll sicher kein Zeichen sein.

Im Gegenteil legt sie Wert darauf, dass man sich nun in Ruhe neu sortiert, inklusive der Frage, wer ins Stadtparlament nachrückt, Gedanken macht, wie die frei gewordenen Ämter sinnvoll besetzt werden können und dies auch mit der Parteibasis diskutiert. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung ist in diesem Zusammenhang durchaus möglich.

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