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Rathaus-Ausstellung: Als die Französische Revolution in den Taunus kam

Wie die Französische Revolution ins Rhein-Main-Gebiet kam und zum Teil in Königstein endete, zeigt im Juli eine spannende Ausstellung im Königsteiner Rathaus, die von Dr. Dr. Mark Scheibe zusammengestellt wurde.

Im Herbst 1792, drei Jahre nach Ausbruch der Französischen Revolution, wurde Frankreich zur Republik. Umgeben von monarchischen Staaten und soeben noch in der Champagne bedroht von einem preußisch-hessischen Heer, gelangte nun überraschend vom Elsass aus französisches Militär unter General Custine nahezu ohne Gegenwehr bis in das Rhein-Main-Gebiet.

Im kurfürstlichen Mainz propagierte Custine zunächst freie Wahlen zu einer neuen, selbstbestimmten Gesellschaftsordnung, konterkarierte jedoch sein Verhalten auf der rechten Rheinseite durch Plünderungen, was ihm und seinen Leuten schnell den Beinamen „Freiheitsschwindler“ einbrachte.

Kaum angekommen, begann auch sein militärisches und politisches Scheitern – schon Anfang Dezember musste er sich von Lahn und Wetterau auf Kastel, Kostheim und Königstein zurückziehen. Bislang ohne Befehl von oben agierend, erreichten ihn jetzt aus Paris die Vorgaben, dem Leitsatz „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ zu folgen und die gewonnenen Gebiete Frankreich anzuschließen. Seine militärischen Verluste versuchte er nun wettzumachen, indem er die Einwohner der ihm verbliebenen Regionen Rheinpfalz und Rheinhessen für die neue republikanische Verfassung Frankreichs zu gewinnen bemühte. Doch seine zivilen Mitstreiter und die inzwischen eingetroffenen Pariser Politkommissare gingen in fast allen Orten mit Gewalt, Erpressungen und Geiselnahmen gegen die zögernden Wahlberechtigten vor, um den gewünschten Ausgang der Wahlen zu erreichen. Die Bevölkerung aber ließ sich nicht zu einer neuen, angeblich „freien“ Gesellschaft bekehren – die von ihm initiierte Mainzer Republik fand deshalb kaum Zustimmung. Um eine politische Stabilisierung zu erreichen, verfügten die Deputierten nach der Wahl, die Nichtwähler zu deportieren und ihr Vermögen zu konfiszieren, unter anderem mussten alle Mainzer Juden die Stadt verlassen.

„Arbeitsfähige“ Nichtwähler sollten ins Innere von Frankreich abtransportiert werden. Aus heutiger Sicht war Custines Verdienst allerdings, die Bevölkerung in Rheinpfalz und Rheinhessen erstmals mit einem politischen Gegenmodell zu den monarchisch-absolutistischen Systemen der Region auseinandergesetzt zu haben, in der Praxis jedoch scheiterte die Idee an der ausufernden Gewalt ihrer Protagonisten.

Mit dem Fall von Mainz endete die Expedition Custine am 23. Juli 1793. Viele ihrer zivilen Akteure wurden inhaftiert, so auch in Königstein.

Die Vernissage ist am Dienstag, 3. Juli, um 18.30 Uhr, im 1. Stock des Königsteiner Rathauses. Die Eröffnung erfolgt durch Stadträtin Sabine Mauerwerk, die französische Generalkonsulin Mme. Pascale Trimbach und den Leiter des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß. Die Ausstellung ist bis zum 31. Juli zu sehen.

General Custine, berühmt für seinen stattlichen Schnurrbart (Moustache), endete nach dem Rückzug aus dem Taunus unter der Guillotine.

Foto: Stadtarchiv

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