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„Gelungene Unterkunft“ im Forellenweg: Vorbeikommen und Fragen stellen

Die Belegungsgrenze ist gleich erreicht... Viel Interesse bei der Besichtigung der neuen Flüchtlingsunterkunft im Forellenweg: „Hoffentlich nicht nur am leeren Haus, sondern auch an den Menschen“, wünscht sich Bürgermeister Leonhard Helm. Foto: Friedel

Königstein (hhf) – Da wäre die neue Flüchtlingsunterkunft am Forellenweg beinahe schon vor ihrer Indienststellung an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gestoßen: Nicht ganz 100 Personen hatten sich am vergangenen Freitag zum Besichtigungstermin eingefunden, die Maximalbelegung ist auf 99 Bewohner festgelegt. Nachbarn, Politiker, städtische Mitarbeiter, thematisch interessierte Königsteiner und sogar einige Bewohner anderer Flüchtlingswohnungen drängten sich pünktlich um 12.30 Uhr auf dem Hof, zu diesem Zeitpunkt knapp 70 Personen.

Etwas abgelegen liefen noch die Mobiltelefone heiß, denn die offiziellen Vertreter des Hochtaunuskreises, der immerhin als Betreiber der Einrichtung fungiert, fehlten noch. Auf dem Weg vom Landratsamt in Bad Homburg waren sie in den Stau der Opel-Zoo-Baustelle geraten und hatten über Falkenstein bis zu einer Stunde gebraucht – da hätte man auch die Umleitung über den Feldberg nehmen können... Mit der Kleinbahn wäre das jedenfalls nicht passiert, die rollte fröhlich pfeifend mehrfach an der wartenden Menge vorbei. Vielleicht auch, weil sie nun, wie Bürgermeister Leonhard Helm später bemerkte, an einem wesentlich ansprechenderen „Entree“ der Stadt vorbeifährt, statt den früheren Gewerberuinen.

Hundert Klingeln und ein Briefkasten

Um die Zeit zu überbrücken, entschied man sich kurzerhand, das Gebäude vorab zur Besichtigung freizugeben, ein Umstand, der eine genaue Zählung der Anwesenden schließlich unmöglich machte, zumal nicht jeder zum offiziellen Teil wieder vor die Tür kam (obwohl die Pläne mit den „Fluchtwegen“ schon hingen). Beim Erkunden der neuen Räumlichkeiten – 26 kleine Wohneinheiten auf zwei Etagen – mischte sich Anerkennung für die qualitative Ausstattung mit Beklemmung ob der Enge, mehrfach waren Vergleiche mit „Knast, in dem es mehr Platz gibt“ zu hören. Ob diejenigen, die solche Vermutungen äußerten, da schon einschlägige Erfahrungen gemacht hatten, sei dahingestellt, Tatsache ist, dass in den überwiegend vorhandenen Viererzimmern kaum acht Besucher zusammenkommen konnten.

Nach Schritt-Maß stehen auf einer Grundfläche von fünf auf sechs Metern je zwei Etagenbetten (die von den 30 Quadratmetern schon etwa vier aufbrauchen), dazu acht schmale Spinde, je vier im Schlafraum und vier im Vorraum. Dort befindet sich noch ein Tisch mit vier Stühlen, gegenüber dann eine kurze Küchenzeile und dahinter eine schmale „Nasszelle“ mit Dusche und Toilette (kostet wiederum zirka vier Quadratmeter Wohnfläche). Da wird es schon für Familien recht eng, zum Glück kann man in drei Gemeinschaftsräume ausweichen, daneben liegen einige Büros für Sozialarbeit.

Möglichst nicht voll belegen

Die „Appartements“ seien zum dauerhaften Wohnen in Familienverbänden weder gedacht noch geeignet, klärte dann auch die Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Katrin Hechler auf, sie war inzwischen mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Uwe Kraft und Jürgen Banzer als Vorsitzendem des Kreistags eingetroffen. Dennoch sah sie ein „schönes Gebäude“ und damit eine „gelungene Unterkunft“, die alle Anforderungen für die Unterbringung von Flüchtlingen erfüllt. Auf einen langen politischen Weg sei ein schneller Bauprozess gefolgt und nun sei es an der Zeit, Versprechungen einzuhalten. Das bezog sich zunächst auf die vorherige Besichtigung, aber auch auf die Maximalgrenze von 99 Bewohnern. Weiterhin erinnerte sie daran, dass auf diesem Grundstück keine Wohnbebauung zulässig sei, nur eine Gemeinschaftsunterkunft, also kein Rauswurf der Asylanten zugunsten lukrativerer Umbauten in Zukunft zu fürchten sei.

Zunächst für zehn Jahre besteht eine „Nutzungsvereinbarung“ mit den Eigentümern, ab Oktober sollen – nach und nach – die ersten Bewohner einziehen. „Der Bedarf ist da“, unterstrich die Kreisbeigeordnete, immerhin kämen noch zehn bis 15 Menschen pro Woche im Hochtaunuskreis an (2013 waren es über 100). Wegen der Wohnsitzauflage in laufenden Verfahren müssen derzeit 3.600 Flüchtlinge im Kreisgebiet bleiben, und schließlich könne man hoffentlich auch die Belegung am „Kaltenborn“ etwas reduzieren – obwohl Königstein seine Flüchtlingsquote noch nicht erfüllt hat, man liegt unter dem Kreis-Durchschnitt.

Tag der offenen Tür fortsetzen

Nachdem er schon zuvor ab und zu auf der Baustelle war, ist die Eröffnung in den Augen von Bürgermeister Leonhard Helm „schon ein wichtiger Augenblick“ für die Stadt, das Gebäude eine „sehr vernünftige Form der Unterbringung“ in einer Stadt, die „bis auf den letzten Quadratmeter bebaut“ sei. Dazu gehört aber auch, dass sich die ursprüngliche Idee, nämlich die doppelte Zahl von Asylbewerbern in zwei Häusern unterzubringen, nicht umgesetzt worden ist, es wäre vielleicht doch zu viel des guten Willens gewesen – mit der aktuell dort angesiedelten Werkstatt sei es „besser so“.

Wie viele Bewohner letztendlich kommen werden, wollte auch der Verwaltungschef nicht einschätzen, er „kann sich aber vorstellen, dass die Zahl geringer ist“, hoffentlich nur zwei Personen pro Viererzimmer. Die Maximalbelegung ist für ihn eine theoretische Zahl, gedacht als Reserve für erneut große Zuwanderungszahlen. „Die Menschen, die hier einziehen, können gut leben“, stellte er fest, zumal die Integration in Königstein auf gutem Weg sei. Wesentlich trage dazu die enge Vernetzung von Kreis, Stadt, Internationalem Bund und vor allem der vielen freiwilligen Helfer bei. Die intensive Arbeit mit den Neuankömmlingen – auch wenn es einzelne Problemfälle gibt – ist kaum hoch genug einzuschätzen, daher warb er um noch mehr ehrenamtliche Helfer, denn gerade die Gespräche bringen Integration, und es gibt darunter „sehr viele Menschen, um die zu kümmern sich lohnt“.

Damit das „Interesse heute hoffentlich nicht nur am leeren Haus, sondern auch an den Menschen“ bestehen bleibt (Helm), wollen sich auch die Mitarbeiterinnen des Internationalen Bundes (IB) kräftig ins Zeug legen, der in der neuen Unterkunft Träger der Sozialbetreuung sein wird. Stefanie Weber von der Geschäftsführung des IB bedankte sich daher für das Vertrauen, dass die Vereinigung die Betreuung übernehmen darf. Bereits 1949 gegründet, hat dieser Bund für Sozialarbeit inzwischen bundesweit 14.000 Mitglieder, die sich zum Beispiel in der Behindertenhilfe engagieren.

Seit 2015 ist der IB Partner des Hochtaunuskreises in der Flüchtlingshilfe und betreut fünf Häuser, auch schon in Königstein. Entsprechend freuen sich die Mitarbeiterinnen „auf das Zusammensein hier“ und sprechen eine großartige Einladung aus: „Vorbeikommen und Fragen stellen“, wann immer Bedarf ist. Genau das haben die Mitglieder des Freundeskreises Asyl längst getan, was ihnen nun ein Lob vom IB für die gute Zusammenarbeit einbrachte. „Selbst guter Nachbar sein“, denn die Menschlichkeit verdrängt schließlich das immer noch hörbare „Grummeln in der Öffentlichkeit“, so der Ansatz von Pfarrerin Katharina Stoodt-Neuschäfer. Als Mitglied des Freundeskreises Asyl, der sehr erfolgreich Informationsbroschüren verteilte, warb sie noch einmal um neue Mitglieder: „Wir brauchen Patinnen und Paten“, damit Flüchtlinge zu Nachbarn werden. Auch, wenn sie nur „Neubürger auf Zeit“ sind, brauchen sie Integration, zum Beispiel in der Schule, oder in den vielen anderen Belangen, für die es im „i-Punkt“ Ansprechpartner gibt.

Wer sich hier einbringen will, kann Kontakt über paten[at]fa-koenigstein[dot]de oder freundeskreisasyl[at]gmx[dot]de aufnehmen.

Wenn nur vier Stühle da sind, heißt es zusammenrücken: Kreisbeigeordnete Katrin Hechler, Erster Kreisbeigeordneter Uwe Kraft, Kreistagsabgeordneter Alexander Hees, Kreistagsvorsitzender Jürgen Banzer und Bürgermeister Leonhard Helm bei der Besichtigung eines Appartements in der Unterkunft (von links).
Foto: Hochtaunuskreis.

Mit dem Rücken zur Wand lässt sich die Größe des Viererzimmers auch mit einfacher Linse erfassen: Links die Eingangstür vor dem Zugang zur Nasszelle, rechts ist das halbe Schlafzimmer zu erkennen.
Foto: Friedel

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