Von mystischen Klängen bis zum kleinen, grünen Kaktus

„La Cappella Nuova“, der Chor junger Frauen, wird am Schluss des Konzerts von zwei Hornisten begleitet. Foto: Staffel

Hochtaunus (ks). Die „Nacht der Chöre“, zu der der Lions Club Bad Homburg-Weißer Turm geladen hatte, war die 16. Auflage einer Benefizveranstaltung, deren Erlös nach guter Tradition wieder sozialen Einrichtungen zugute kommt. Im ersten Teil gehörte die Pfarrkirche St. Marien den jungen Frauen und Männern der drei Ensembles von „La Cappella“ aus Burgholzhausen, engagiert und sicher „an die Hand genommen“ von Chorleiterin und Gründerin Veronika Bauer.

Der Frauenchor „La Cappella 2.0“, das Mädchenensemble „La Cappella Nuova“ und der Männerchor widmeten sich mit Liedern und Hymnen einem Programm, das mit Texten zu „Rig Veda“ von Gustav Holst (1874-1934) zurück in die Mythologie hinduistischer Prägung führte. Dem englischen Lehrer und Komponisten mit deutsch-baltischen Wurzeln wird eine besondere Liebe zum Sanskrit nachgesagt. Diese alt-indische Sprache haben vor allem die „Veden“ gesprochen, die ihre Mythen in einer Mischung aus religiösen und weltlichen Inhalten mündlich überliefert haben. In den Zyklen, auf die Gustav Holst Bezug nimmt, geht es um die Elemente Luft, Wasser, Feuer und Erde, um das Preisen der Morgendämmerung als „Willkommensgruß“ an den Tag“, um Nächte, in denen der Wind die Musik macht, um Naturerscheinungen wie das Morgenrot oder die Lichter des Nordens. Es sind Themen, die „modern“ sind und dem „Zeitgeist“ entgegenkommen, der sich verstärkt wieder der Natur zuwendet.

Der Männerchor brillierte mit der Hymne an Vena, einem mythologischen indischen Gott, in der besungen wird, wie die Sonne durch den Morgennebel hervorbricht. Die Männerstimmen brachten einen „frischen“ und zugleich innigen Klang in ein Chorkonzert mit ein, das eher ruhig und meist undramatisch dahinfloss: Musikalisch brillant, die Stimmen diszipliniert, harmonisch und homogen.

Die englischen Texte wurden gut artikuliert, aber doch wohl nicht von jedem verstanden. Besondere musikalische Akzente setzten die Harfenspielerin und später auch zwei Hornisten, die die Sängerinnen ganz am Schluss bei den Gesängen von Johannes Brahms begleitet und markant rhythmisch unterstützt haben. Das Eintauchen in die mystisch-fremde Welt von Gustav Holst hatte seinen besonderen Reiz, und das eindrucksvolle Chorkonzert wurde in der voll besetzten Marienkirche mit großem Beifall für die Sängerinnen und Sänger, die Instrumentalsolisten und die eindrucksvolle Chorleitung von Veronika Bauer gewürdigt. Wieder im Heute angekommen, konnten sich die Gäste mit Brezeln und Getränken stärken, eher es in der Schlosskirche „weltlich“ und humorvoll weiterging.

Dort präsentierten sich die sechs „Comedian Sixpacks“ aus dem Odenwald in einer erfrischenden Mischung aus Songs à la Comedian Harmonists und Volksliedern nicht nur stimmlich „topp“; sie sorgten auch mit kleinen Showeinlagen und Kostümierungen passend zum Text für gute Laune. Es wurde viel gelacht an diesem Abend, und das kommt in diesem ehrwürdigen Gemäuer eher selten vor. Die Liebe, so erklärte der erste Tenor und Moderator, Volker Hartmann, ziehe sich als roter Faden durch das Programm der fünf Sänger, die von Matthias Mader am Flügel begleitet wurden.

Und dieser „Himmelsmacht“ wurde mit Songs wie „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“, „Wochenend’ und Sonnenschein“ sowie Ständchen für eine „Katrin“ und für „Isabella von Kastilien“ ausgiebig gehuldigt.

In der Bar zum Krokodil

„Die Liebe der Matrosen“ wurde zünftig in Matrosenkleidung besungen, und als „die Sonja russisch tanzte“, torkelten die Männer im Kosakenlook vom Wodka berauscht zwar ein wenig, brachten, aber doch noch einen zünftigen „Tanz“ zustande. Es wurde gesungen, agiert und gemimt, dass es eine Freude war, und in der „Bar zum Krokodil“ erschien ein solches sogar, gespenstisch mit weißen Tüchern vermummt. Die Verwandlungen geschahen so schnell, dass die Herren, wieder ganz seriös und elegant im Frack, weitersingen konnten.

Wenn man beim Blick in das Programm etwas skeptisch war, so haben die „Comedian Sixpacks“ überzeugend bewiesen, dass auch die Volkslieder „In einem kühlen Grunde“ und „Guter Mond, Du gehst so stille“ gut in ein Programm passten, in das sich auch der Grönemeyer-Hit „Männer“ nahtlos einfügte. Hier konnte Steffen Bodensohn besonders glänzen und wurde dafür mit viel Beifall belohnt. Außerdem gehören noch Christoph Fuchs, Christopher Hans und Christoph Kabrhel zum Ensemble, das restlos begeistert hat und mit anhaltendem Applaus bedacht wurde.

Der „kleine grüne Kaktus“, der symbolisch in der ersten Reihe weitergereicht wurde, war allerdings noch nicht der letzte Song. Der folgte passend mit einem „Auf Wiedersehn“ als Zugabe.



X