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Transport der Rumänienhilfe in Temeswar freudig begrüßt

Familie Handra: Die alleinstehende Mutter wohnt mit sechs Kindern in einer 1-Zimmer-Kellerwohnung. Fotos: privat

Kronberg (kb) – Die Rumänienhilfe Hochtaunus führte den zweiten diesjährigen Transport von Hilfsgütern nach Temeswar durch. Die Vorstandsmitglieder Frank Michaelis und Dr. Heinz Walden machten sich mit dem von der Autofirma Luft dankenswerterweise erneut zur Verfügung gestellten „Crafter“ auf den zirka. 1.300 Kilometer langen Weg und wurden von den Empfängern freudig und dankbar begrüßt. Der Transporter war voll gepackt mit Kleidung, Spielzeug, Bettwäsche, einem Fahrrad, drei Nähmaschinen und einem Rollstuhl. Die von Kronberger Bürgern zur Verfügung gestellten Spenden wurden dankbar entgegengenommen und werden gezielt an Bedürftige weiter gegeben. Dafür konnte der Verein in den letzten Jahren verlässliche Personen und Organisationen gewinnen, die vor Ort Menschen in Not mit großem Enthusiasmus betreuen und in teilweise unvorstellbaren ärmlichen Verhältnissen lebende rumänische Familien unterstützen.

Die Frage, ob die gespendeten Sachen wirklich noch benötigt werden, wurde deutlich bejaht. Die beiden Vereinsmitglieder konnten sich bei Besuchen von Familien auch selbst vom sinnvollen Einsatz der Spenden überzeugen.

Der wirtschaftliche Aufschwung in Temeswar und auch in den umliegenden Dörfern ist zwar deutlich zu sehen, doch sehr viele Personen und vor allem Familien mit Kindern nehmen an der positiven Entwicklung, die auch an dem zunehmenden Autoverkehr sichtbar wird, nicht teil. Zerrüttung von Familien, teilweise durch Alkoholismus und die Abwesenheit von Männern, die zur Arbeit ins Ausland gehen, aber auch politisches Versagen und die nach wie vor grassierende Korruption wurden von verschiedenen Gesprächspartnern als Ursache genannt und beklagt, informieren Michaelis und Walden.

Kindern von besonders bedürftigen Familien eine Perspektive für ihre Entwicklung zu geben, ist ein besonderes Anliegen des Vereins. Im jetzt beginnenden Halbjahr fördert die Rumänienhilfe sechs Kleinkinder durch die Übernahme der Kosten zum Besuch von Ganztagskindergärten. Diese Kosten werden dankenswerterweise von Spendern übernommen Die Förderung endet mit dem Schulbesuch der Kinder.

Die drei neu hinzugekommenen Kleinkinder konnten Michaelis und Walden persönlich kennen lernen, zwei von ihnen, Alex Codrea und Marc Popa, in einem innerstädtischen Kindergarten. In der Gruppe der beiden können in einem großen Raum bis zu 24 Kinder unterkommen. Sie werden dort verpflegt, erhalten spielerische Anleitungen und übernachten in einem Pulk von Kinderbetten. Der Kindergarten verfügt über ein großes Gartengrundstück, wo die Kinder spielen und sich gefahrlos bewegen können.

Beim Besuch der Familie des dritten Kindes Gorban Bognar, Familie Handra, wurde das Elend der Ärmsten der Armen deutlich. Die alleinstehende Mutter wohnt mit sechs Kindern in einer Sozialwohnung in einem Mehrfamilienhaus am Stadtrand. Durch einen schmalen und dunklen, verzweigten Gang gelangt man in die Kellerwohnung, davor eine winzige Küchenecke. In dem einzigen Zimmer von zirka 20 Quadratmeter wohnt und schläft die siebenköpfige Familie. Drei ältere Kinder sind bereits „außer Haus“. Die Mutter geht einer schlecht bezahlten Tätigkeit nach und berichtete stolz, dass bei ihrer Abwesenheit der älteste Sohn von 13 Jahren sich um die Geschwister kümmert. Toiletten und einn Waschraum teilt sich die Familie übrigens mit anderen Bewohnern.

Von Hilfsorganisationen immer wieder dankbar begrüßt wird die Unterstützung durch Spenden von Lebensmitteln, die in einem Großmarkt in Temeswar mithilfe der örtlichen „Gewährsfrau“ Mechtild Gollnick eingekauft werden. Mit einem von ihr erstellten Einkaufszettel wurden wieder Grundnahrungsmittel wie Mehl, Öl, Zucker, Konserven und vieles mehr gezielt eingekauft und an verschiedene Hilfsorganisationen verteilt. Diese verbrauchen einen Teil der Lebensmittel für selbst betreute Kinder und Hilfsbedürftige und geben einen Teil an besonders bedürftige Familien weiter. Von einem Heim erfuhren Michaelis und Walden, dass damit die betreuten Kinder einen Monat lang mit Grundnahrungsmitteln versorgt werden können.

Der Verein Rumänienhilfe hat auch die soziale Einrichtung „Timisoara 89“ erneut unterstützt. Für den Ausbau eines neuen Hauses für zehn bis zwölf ältere, in Not geratene Personen, hat der Verein finanziell zum Innenausbau beigetragen. Schriftsteller Petru Iliesu, Gründer und Leiter der Stiftung, bedankte sich beim Besuch sehr für die Mithilfe. Eine Plakette am Haus weist auf die Unterstützung durch den Kronberger Verein hin.

Ein aktuelles Ereignis hat den Verein zu einer besonderen Hilfsaktion veranlasst.

Das auch in der deutschen Presse erwähnte Unwetter am 18. September 2017 hat die Stadt Temeswar und die Umgebung stark getroffen. Der Sturm sauste mit 100 Stundenkilometer auf einem schmalen Streifen durch den flachen Landesteil und hinterließ große Schäden. Bäume wurden entwurzelt, Gebäude beschädigt, Autos zerstört, die Stromversorgung und Bahnverbindungen unterbrochen, und Schulen mussten teilweise geschlossen werden. Gesprächspartner berichteten davon, dass in einer Reihe geparkte Lastwagen übereinander gedrückt und stark beschädigt wurden. Die Presse berichtete von acht Todesopfern, die Zahl der Verletzten soll bis zu 145 betragen haben. Der Verein Rumänienhilfe hat spontan Hilfe angeboten und unterstützt finanziell fünf besonders betroffene Familien bei Hausreparaturen. Zwei davon besuchten Michaelis und Walden. Am Haus der Familie Salagean im Dorf Salalaz, früher „Seckelhausen“, wurden u.a. die Firstziegeln vom Dach gerissen und zerstört. Der Schaden ist inzwischen behoben, auch dank der Unterstützung von Gemeindemitgliedern der Kirchen. Die Familie mit drei Kindern lebt in geordneten Verhältnissen, beide Eltern sind beschäftigt. Für die finanzielle Unterstützung dankte der beim Besuch anwesende Vater.

Ganz anders stellt sich die Situation der Familie Mihaiuc am Stadtrand von Temeswar dar. Die Mutter von zwei Söhnen ist inzwischen alleinerziehend, der Vater dem Alkohol verfallen und obdachlos. Das Haus ist mit einfachsten Mitteln erstellt und die Außenisolation nicht fachmännisch aufgebracht worden. Große Teile sind beim Sturm abgefallen, eine grundlegende Reparatur und fachmännischer Rat sind erforderlich. „Den Fortgang der Arbeiten wird unsere Vertrauensperson vor Ort verfolgen“, erklären die beiden Vorstandsmitglieder. Die Vereinsmitglieder sind sich darüber im Klaren, dass sie nur einigen wenigen der großen Zahl von Bedürftigen helfen können. Durch die häufigen Reisen, bisher zweimal im Jahr, und die verlässlichen Partner vor Ort, kann zumindest sichergestellt werden, dass die Unterstützung wirklich Bedürftigen zukommt. Die Dankbarkeit der unterstützten Personen und Familien sei jedes Mal wieder ein Antrieb zum Weitermachen und eine Entschädigung für die strapaziösen Reisen. „Die Transporte nach Temeswar können allerdings zukünftig nur durchgeführt werden, wenn sich jüngere Personen zur Mithilfe bereitfinden“, rufen sie zur Mithilfe auf.

Der Verein Rumänienhilfe Hochtaunus hat nur wenige Mitglieder. Wesentliche Mittel werden durch die Teilnahme an Märkten in Kronberg erwirtschaftet. Große Unterstützung erhält der Verein durch Dritte, Freunde, Bekannte und Gönner. So möchte der Verein an dieser Stelle für die großzügigen Sach- und Geldspenden, den Unterstützern der Kindergarten Patenschaften, dem Autohaus Luft für die Bereitstellung des Transporters und den Firmen Autowelt Rhein-Main und Gebr. Hofmann für die Beteiligung an den Tankkosten danken. Für Auskünfte über die Hilfsprojekte können Interessierte gern die Vorstandsmitglieder Frank Michaelis (Telefon 5593) und Dr. Heinz Walden (Telefon 67734) ansprechen.

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