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Tagpfauenauge, Ritterfalter oder Karstweißling auf der Spur

Königstein (pu) – Allen Unkenrufen zum Trotz üben Veranstaltungen zum hautnahen Naturerlebnis sowohl auf Kinder als auch Erwachsene eine offenbar magische Anziehungskraft aus.

Einen eindrucksvollen Beleg für diese vermeintlich gewagte Aussage lieferte die jüngste Auflage des jährlichen Schmetterlings-Aktionstages des 1897 in Frankfurt gegründeten entomologischen Vereins „Apollo“, der seit 28 Jahren die Sommermonate auf einem seinerzeit erworbenen 11.000 Quadratmeter großen Grundstück im Königsteiner Forellenweg verbringt.

Einmal im Jahr, stets im Zeitraum zwischen Ende Juni bis Mitte Juli, gewährt der Verein detaillierte Einblicke in eine Thematik, deren nachhaltige Bedeutung Außenstehende lange Zeit weder registrierten noch reflektierten, die innerhalb der letzten Monate jedoch infolge der dramatischen Zahlen des Insektensterbens zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist.

Sensibilisieren

Die spezielle Gelegenheit, nach Herzenslust in der Gegend vorkommende Tagfalter und Widderchen in Augenschein zu nehmen und sich über deren Vorkommen und mögliche Bedrohungen informieren zu lassen, nutzten erfreulicherweise zahlreiche Erwachsene und Kinder.

„Die hinter der Veranstaltung steckende Intension liegt auf der Hand, wir wollen Kinder, Jugendliche und Erwachsene für die Natur und die jeweiligen Zusammenhänge sensibilisieren“, erklärte Dr. Hans Georg Mark, einer der an diesem Tag zur Verfügung stehenden Ansprechpartner.

Der Verein hatte den dramatischen Rückgang des Insektenvorkommens durch die eigenen regelmäßigen Zählungen der Population schon seit längerem kommen sehen und seinen Möglichkeiten entsprechend Gegensteuerungsmaßnahmen ergriffen.

Zum Erzielen eines durchschlagenden nachhaltigen Effekts bedarf es allerdings logischerweise eines generellen Umdenkprozesses in der Bevölkerung, doch hehre Anliegen dieser Art dauern bekanntlich eine Weile, bis sie schwerfällig in Gang kommen. Diese Erfahrung bleibt den Entomologen ebenfalls nicht erspart, die nach wie vor nur den Kopf schütteln können ob der teils vorhandenen Beratungsresistenz.

„Wir predigen schon seit Jahren, dass das Mähen der Sommerwiesen vor Mitte Juli den Sommerfrieden der Schmetterlinge stört, die bei Verstoß gegen diese Empfehlung zum einen überlebensnotwendige Nahrung nicht mehr finden, zum anderen ihre Raupen nicht ablegen können“, gaben die Schmetterlingsexperten ein anschauliches Beispiel für die missliche Situation. Das Gebot der Stunde heißt demnach weiterhin unentwegt auf unterschiedliche Art und Weise „aufklären und Lösungen aufzeigen“.

Die Besucher des Aktionstages stellten jedenfalls ihre Wissbegierigkeit eindrucksvoll unter Beweis. Vor allem die Kinder griffen beherzt zum Schmetterlingsnetz, spazierten durch die Wiesen und kehrten mit strahlenden Augen zurück sobald ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt waren. Die gefangenen Falter wurden vorübergehend in einem mit Pflanzen und Ästen gefüllten Schaukasten gesammelt und zusammen mit den Experten den jeweiligen Arten und ihrer Hauptnahrung (Futterpflanzen) zugeordnet.

„Wir haben für diesen Tag natürlich eine Sondergenehmigung zum Fangen der Falter beantragt“, unterstrichen die Vereinsverantwortlichen. Unter anderem tummelte sich schließlich neben Exemplaren von Tagpfauenauge, Karstweißling, Ritterfalter oder Ochsenauge auch eines des Wiener Nachtpfauenauges (größter Nachtfalter Europas) im Behältnis. Weniger bekannt sind unter Umständen die ebenfalls zu den Nachtfaltern zählenden Widderchen, auch bekannt als Blutströpfchen, mit ihren auffallend roten Punkten.

Um das Ganze abzurunden und die Entwicklungsphasen besser zu dokumentieren, gab es natürlich einige Raupen zu bewundern. Anhand von Schautafeln konnte man ferner sein Wissen noch vervollständigen. Für Abwechslung sorgte des Weiteren ein Preisrätsel, für dessen richtige Lösung als erster Preis eine Führung durch die Grube Messel lockte. Als zweiten und dritten Preis gab es die zweite Auflage einer Bilddokumentation der Tagfalter und Widderchen der Stadt Frankfurt, der Kreisgebiete Hochtaunus, Main-Taunus und der näheren Umgebung, die von den Vereinsmitgliedern Dr. Hans-Georg Mack, Wolfgang Peuker und Alfred Westenberger sehr anschaulich zusammengestellt wurde.

Der Verein ist das ganze Jahr aktiv. Jedes Jahr Ende Oktober/Anfang November veranstaltet „Apollo“ beispielsweise die Internationale Frankfurter Insektentauschbörse mit entomologischem Begleitprogramm.

Wer sich für die Arbeit des Vereins interessiert, kann sich per E-Mail an Vorsitz-1[at]apollo-frankfurt[dot]de an den Vereinsvorsitzenden Dr. Wolfgang Eckweiler wenden.

Zahlreiche unterschiedliche Falter tummelten sich im Schaukasten. Mit der Pflanzung von Wildblumen kann jeder Bürger selbst Schmetterlingen eine Basis zum Überleben sichern.

Fotos: S. Puck

Alfred Westenberger mit Raupen des größten Nachtfalters Europas.

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