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Sieben Bilder – sieben Brennpunkte?

Königstein (hhf) – Um der Themenvielfalt im Bürgermeister-Wahlkampf gerecht zu werden, ohne dabei den Zeitrahmen zu sprengen, gab es in der Podiumsdiskussion eine „Schnellrunde“ mit sieben Bildern zu Verhältnissen, die die Königsteiner Bürger derzeit besonders bewegen. Die Intention, darauf nur kurz und spontan zu antworten, wurde durch die Schlagfertigkeit aller Kandidaten leicht ausgehebelt, die in der vorgegebenen Spontaneität zu jedem Thema genug zu sagen hatten. Moderatorin Margit Lieverz lockerte dazu den Rahmen – ebenfalls spontan – im passenden Maß, so dass hier lebhafte Stellungnahmen ihren Platz fanden, die unter den anderen Fragestellungen vielleicht weniger eindrucksvoll zum Zuge gekommen wären.

Der Fairness halber muss man wohl eingestehen, dass Amtsinhaber Leonhard Helm nicht völlig zu unrecht etwas grummelte, da kein Bild eine in seinen zwölf Jahren Amtszeit erfolgreich gelöste Situation zeigte – doch schließlich ging es ja um die Pläne der Vier für die Zukunft, und da schlug er sich auch ohne Amtsbonus ebenso gut wie die drei Neubewerber, die ihrerseits – ohne Amtserfahrung – erfreulicherweise keine irrealen Luftschlösser zimmerten, sondern den Rahmen des Möglichen solide im Blick behielten. Wir behalten den Seitenumfang der KöWo im Blick und geben stark bis schmerzhaft knapp zusammengefasst wieder:

Bild 1: Bushaltestelle

Auch „Busparkplatz“, am Kapuzinerplatz, im Vordergrund ein Linienbus mit der Anzeige „Leerfahrt“. Ascan Iredi will die Busse hier zentral behalten, aber das Entree der Stadt schöner gestalten und die Parkplatzsituation ändern. Nadja Majchrzak ist für den Ausbau des ÖPNV, möchte Busse hier nur halten, aber nicht parken lassen und das mit einem Innenstadtkonzept endlich festmachen. Leonhard Helm plädiert für die Reduktion von acht auf vier Haltestellen mit dynamischen Anzeigen und - nach finanziell bedingter Pause - Verschönerung des Umfeldes um den Kapuzinerplatz – die Busse müssten aber in der Adelheidstraße parken, da der Weg zum Bahnhof zu weit ist, um die Fahrpläne einzuhalten. Winfried Gann vermisst ein gemeinsames Konzept für die Umgestaltung, seit er 2007 an den Parkplatz umgezogen ist und sieht die parkenden Busse als Blockade eines gemütlichen Flairs: „Da steht ‚Leerfahrt‘ drauf.“

Bild 2: Jugendhaus

Ein offensichtlich heruntergekommenes Gebäude in der oberen Klosterstraße, Nachbarschaft von Winfried Gann: Er weiß dort, wo Jugendarbeit nicht mehr stattfindet, einen provisorischen Hort untergebracht. Alles Flickwerk, weil nicht rechtzeitig geplant wurde. Seit 2006 wurde die Hort-Problematik ignoriert, so Nadja Majchrzak, und die Jugend braucht eine Anlaufstelle statt unbesetzter Jugendpflegerstellen. Lösung: Hort bauen, Hortgruppe umziehen, Jugendhaus als solches zurückgeben. Ähnlich, nämlich als komplexes Thema, in dem eines das andere bedingt, sieht Leonhard Helm das Problem, an dessen Lösung man freilich schon arbeite. Sein Lob an den neuen Jugendpfleger, der den Engpass mit einer Jurte erfolgreich bis in den Winter überbrückte. Für Ascan Iredi liegt die allgemeine Hort-Misere darin begründet, dass die Emanzipation seit 20 Jahren noch nicht recht angekommen sei und er schlägt für die Jugend maximal ein Cafe, dafür aber andere zeitgemäße Formen von Freizeitangeboten vor.

Bild 3: Kreisel

Reger Autoverkehr in der seltenen „Schneckenregelung“ – so selten, dass Nadja Majchrzak die Fahrspuren für Fremde beschriften und mit Tempo 30 das Einfädeln erleichtern möchte. Da die gesperrte zweite Bypass-Spur in der Le-Cannet-Rocheville-Straße noch immer den Verkehrsfluss hemmt, will sie die fehlende Lärmschutzwand notfalls aus der Stadtkasse bezahlen. „Was sie vorschlägt, haben wir alles schon versucht, aber Land und Bund ziehen nicht mit (Bundesstraßen, Anm. d. Red.) seufzt Leonhard Helm. Mit einer B8-Westumgehung wäre es nicht so weit gekommen ... Ascan Iredi will die höheren Institutionen durch gezielte Lobbyarbeit in das Königsteiner Boot holen, damit sie einen Tunnel finanzieren, denn „der Kreisel schafft es zukünftig nicht mehr.“ Damit ist für Winfried Gann alles gesagt, was man tun könnte – aber man muss es auch tun, selbst wenn es zu wenig ist. (Falls er nicht Bürgermeister wird, möchte er aber einen Amtsträger haben, der nicht so nah am Kreisel wohnt, dass er bei dieser Thematik das Stadtparlament als Betroffener verlassen muss.)

Bild 4: Kindergarten/Hort

In der Eppsteiner Straße, Teilansicht des eigentlich blau-weißen Gebäudes mit grünen Spuren auf dem Verputz. Zum Glück ist jetzt endlich der Bauplan anderenorts beschlossen, auch ohne die Stimmen der ALK (Helm). Auch die FDP hätte dabei „mehr Gas geben können“, doch gehört in seinen Bürgermeister-Schreibtisch immer eine Schublade mit „Plan B“, um nach Ablehnungen nicht immer neu anfangen zu müssen (Iredi). Als Vater kannte er schon vor 17 Jahren die Eimer unter der tröpfelnden Decke, mit einer Ausweichlösung in Containern oder einem anderen klaren Konzept könnte der Neubau längst realisiert sein (Gann). Schon 2003, also vor Helm, sollte zum ersten Mal ein neuer Kindergarten gebaut werden, der letzte Beschluss zur Sanierung von 2013 fiel dann der Idee Neubau am Hardtberg zum Opfer. Sanierung sollte aber „Plan B“ zum schulfernen Neubau bleiben (Majchrzak).

Bild 5: Betriebshof

Hinweisschild zur Einfahrt im Forellenweg, daneben Bushaltestelle Haus Raphael. Auch wenn jetzt vielleicht endlich Geld für den Umzug auf das Gasselink-Gelände am Kaltenborn da wäre, sagt Ascan Iredi: „So nicht mit mir.“ Eine Erweiterung sei schon nötig, aber nicht auf einem „Filetgrundstück“, das wichtige Gewerbesteuer einbringen könnte. Winfried Gann pflichtet bei und ergänzt, dass das Haus Raphael auch in ein früheres Gewerbegebiet verlegt worden ist: Oberursel und Kronberg freuen sich über die Firmen.“ Nadja Majchrzak ist seit zwölf Jahren zwar in der Grundstücks-GmbH, bemängelt dort aber Informationslücken. Allerdings gebe es wohl immer noch ungelöste Probleme bis hin zur Baugenehmigung. Wenn die nicht beikommt, kann sie sich aber auch Privatleben im Gewerbegebiet vorstellen: „Günstiger Wohnraum ist eine wichtige Aufgabe der Stadt.“ Das findet Leonhard Helm zwar „etwas oberflächlich“, hat aber bisher ähnlich zweigleisig gehandelt: Wichtig war vor allem der Erwerb des Gasselink-Grundstücks, um sich alle Optionen offen zu halten. Immerhin liegt der jetzige Betriebshof auf gemietetem Gelände, für eine benachbarte freie Gewerbefläche interessiert sich keine Firma und für rund 80 Flüchtlinge hatte man am Kaltenborn eine menschenwürdige Unterkunft aus dem Hut zaubern können, als es plötzlich nötig war – künftige Veränderungen nicht ausgeschlossen.

Bild 6: Kurbad

Ein Bild aus der Werbung, fröhliche Badegäste im Außenbecken. Thema gut bekannt, bitte ganz kurze Antworten: Erhalten, aber mit wirtschaftlichem Betrieb (Winfried Gann). Herz gegen (pekuniären) Verstand: Bürgerbefragung, aber mit Konsequenzen wie Erhöhung Grundsteuer B (Nadja Majchrzak). Die wunderbare Einrichtung erhalten, Defizit ist schon halbiert worden, jeder Kindergarten hat ein ähnliches Defizit (Leonhard Helm). Könnte –energiesaniert – als neuer Leuchtturm unsere Stadt der Gesundheit mit den vielen Kliniken schmücken. Als denkmalgeschützte Ruine würde es auch noch Geld kosten. (Ascan Iredi)

Bild 7: Burg

Oder auch Festung, Wahrzeichen der Stadt über der Stadt, von der Herzog-Adolph-Straße her aufgenommen. Helm: Erhalten wie sie ist, das Denkmalpflegewerk ist da, ein Vorzeigeprojekt für Denkmal- und Naturschutz. Majchrzak: Wahrzeichen touristisch mehr nutzen, Bereich Demokratiegeschichte fördern. Gann: Auch das einheimische Leben auf dem Wahrzeichen fördern, Zukunft für Vereine, die dort auf eigenes Risiko zunehmend teurere Feste veranstalten, sicherstellen. Iredi: Relevanz ist unstrittig, Burgpflegeprojekt gut. Hat Antrag gestellt, zwecks besserer Fernwirkung einige Bäume zu stutzen, aber es ist noch nichts passiert – Möglichkeit nutzen, dort ein vielfältiges Angebot für alle zu erhalten.

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