Schloßborn (as) – Eine Insel ist Schloßborn in dieser Fastnachtskampagne. Eine Insel der Feierlaune, aber im weiteren Sinne auch eine Insel des Gemeinsinns und des Zusammenhalts, getragen von vielen Vereinen und Aktiven. Besser erleben als beim Festzug kann man das nicht, der am Fastnachtssamstag unter dem Motto „Inselfeeling in Krautkoppshause, zu rhythmischen Klängen feiern wir ne Sause“ Menschen mobilisiert und ansteckende Fröhlichkeit in mitunter trüben Zeiten verbreitet hat. 37 Zugnummern, kreative Motiv- und riesige Komiteewagen, mit denen die befreundeten Nachbarvereine aufgekreuzt sind, rund 800 Teilnehmer und mindestens noch mal so viele Menschen an der Strecke sorgen für einen absoluten Ausnahmezustand im 2.500-Einwohner-Ort. Kamelle- und Konfettiregen unentwegt. „Wer das nicht erlebt hat, der glaubt es nicht, was in diesem kleinen Ort los ist“, lautete eine Besuchermeinung, die am Samstag zu hören war.
Fünf Jahre lang mussten die Schloßborrner, die sich selbst Krautköpp nennen, auf dieses Ereignis warten. Nicht wegen Corona – der Karnevalverein Schlossborn 1910 e.V. veranstaltet aus voller Absicht nur alle fünf Jahre einen Festzug. Damit sich auch wirklich alle richtig darauf freuen können und bloß niemand dieses Ereignis auf dieser liebenswerten kleinen Insel versäumt.
Um 14.11 Uhr setzt sich der närrische Lindwurm an der Ecke Grabenstraße/Königsteiner Straße in Bewegung, vorneweg der Komiteewagen des KV Schlossborn mit seiner Vorsitzenden Elke Pfabe. „Das Wetter ist wie bestellt, alles läuft rund“, freut sich die Chefin. Denn nur eines fürchten die Schloßborner, besonders die Pappmaché-Baumeister an diesem Tag: Regen. Die kühlen vier Grad lassen sich bei den rhythmischen Klängen einfacher wegtanzen. Mit auf dem Komiteewagen sind unter anderen auch Bürgermeister Thomas Ciesielski, der an diesem Tag mit blauem Bärtchen voll im Motto liegt, und KV-Vorstandsmitglied Thomas Vogel, dem die verantwortungsvolle Aufgabe zukommt, gleich an drei Stellen die Technik im Griff haben zu müssen: auf dem Wagen, am Moderatorenplatz und in der Mehrzweckhalle, wo später die After-Umzugs-Party steigen wird. Gut, dass der Strom an diesem Tag in Schloßborn um kurz vor 7 Uhr am Morgen ausgefallen ist – und das auch nur für wenige Minuten – und nicht sieben Stunden später!
Mit der Nummer zwei schließt sich die größte Fußgruppe des Tages an: die Garden des KV Schlossborn – „unser ganzer Stolz“, wie Sitzungspräsident Elmar Gräber sagt. Es sind über 120 Mädchen, die in sechs Gruppen von den Konfettis bis zur Maxigarde tanzen und jetzt auf der Straße ihr Können präsentieren.
Erster Zwischenstopp für alle ist die ehemalige Gastwirtschaft Frankenbach, das ist der Hotspot mit dem größten Zuschauerandrang. Hier stehen die Menschen teilweise in Fünferreihen und hier moderiert Sven Gossenauer vom Kerbeverein stimmgewaltig mit „Schloßborn Helau! Karnelvalvereine Helau! Garden Helau!“ Gleich als nächste tauchen die Schlippcher, die tanzenden Damen des KV, als Fische auf. Alle greifen das Inselmotto auf: Der Kinderelferrat macht mit einem toll verzierten Wagen auf die Verschmutzung der Meere aufmerksam und die tanzenden Männer, die „Rothläufer“, stechen mit einem Floß und einigen Fässern Rum in See.
Bürger bauen Stände auf
Gut, dass sie sich unterwegs auch mit fester Nahrung stärken können. Viele Bürger haben mächtig aufgedeckt, auch das ist eine Besonderheit dieser Schloßborner Dorfgemeinschaft: Ob Schmalzbrot, Fleischwurst im Brötchen, fertige Häppchen, natürlich die obligaten Kreppel und weitere Getränke für Erwachsene, aber auch für Kinder – nicht nur die Fußgruppen, nein wirklich jeder ist eingeladen, zuzugreifen. An der Ecke des Caromber Platzes steht Familie Hiepler, die mit rund 30 Mitgliedern und einem riesigen Verpflegungsstand die Karnevalisten unterstützt, die hier zweimal vorbeiziehen. „Wir feiern gerne und wollen es genießen“, erzählt Gabriele Hiepler begeistert. Und schon jubelt sie wieder mit einem „Helau!“ den Zugteilnehmern zu ...
Für Begeisterung sorgen rund um die Strecke die Ideen der Vereine. Die Faschingsfreunde Schloßborn sind mit einem kreativen Schirmkostüm als Quallen unterwegs, der Kerbeverein kommt mit laufenden Autoscootern daher, zum Protest, dass es auf der Kerb kein solches Fahrgeschäft mehr geben wird. Die Fußballer sind als Schlümpfe unterwegs, und die Katholische Kirchengemeinde propagiert angesichts der Immobilienstrategie des Bistums „Bei uns bleibt die Kirche im Dorf“. Die Turner sind im Reich der Insekten und dabei durchaus politisch unterwegs: „Die Raupe turnt, der Schmetterling fliegt, doch nur wenn’s eine Halle gibt.“
Auch die „Auswärtigen“, die normal nicht auf einer Insel leben, tragen zum Lebensgefühl an diesem Tag entscheidend bei: Da sind die Damen reiferen Alters von Folkorica Heftrich, die an Rollatoren tanzen, auch die „Alten Schachteln“ des KV Glashütten sind mit den rollenden Gehhilfen unterwegs, der Fischbacher Carneval-Verein ist mit gleich zwei Wagen und Garden vertreten, und die „Eppenhainer Schwarzbrennerei“ ist mit einem sehr illegal aussehenden Fahrzeug am Start – zu trinken gibt es dann aber sicher genehmigungsfähige kleine Klopfer-Schnäpse. Der Kerbeverein Ehlhalten Vockenhausen stimmt mit wummernden Bässe bereits auf seine Jubiläumskerb ein, und ganz zum Schluss tuckert noch die Schlussente um die Ecke – ehe die Inselsause in der Mehrzweckhalle noch lange weitergeht. Und wer am Sonntag wieder wach geworden ist, hat noch viel Spaß mit „Der Kreppel“, sofern er das neueste Krautkopp-Magazin des KV ergattern konnte. 68 Seiten stark und mit vielen Geschichten über die Schloßborner Fassenacht, der in diesem Jahr wieder neue hinzugefügt worden sind.