Große Stimmen erfreuten Besucher im Augustinum

Fotos: Diehl

Neuenhain (nd) - Am vergangenen Dienstag kamen Liebhaber der klassischen Musik und Oper im Augustinum voll auf ihre Kosten. Das „Kleine Opern-Ensemble Hessen“ begeisterte mit „Lug und Trug und Blaue Masken“ das Publikum. Durch den musikalischen Nachmittag führte HR2-Moderator Niels Kaiser. Souverän und amüsant bezog Kaiser, der auch als Klavierkabarettist tätig ist, die Zuschauer mit ein.

Das Ensemble

Vier außergewöhnliche große Stimmen bilden das Ensemble – Sopranistin Anja Stader, Mezzosopranistin Simone Garnier, Tenor Martin Kellenbenz und Bassbariton Timon Führ. Begleitet werden die vier Musiker von Pianistin Seung-Jo Cha am Flügel. Die fünf Künstler entdeckten schon in der Kindheit ihre Liebe zu klassischer Musik und entschieden sich früh für eine musische Laufbahn. Auf die Ausbildung beziehungsweise das Studium folgten alsbald renommierte Auszeichnungen und Auftritte mit namhaften Orchestern.

Italienische Opernklänge verzauberten Besucher

Die erste Hälfte des abwechslungsreichen Programms war der italienischen Oper gewidmet. Den Anfang machte das gesamte Ensemble mit einem Quartett aus der Oper „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi (1813 bis 1901).

Niels Kaiser fragte das Publikum, worum es denn in der Oper meist gehe. „Liebe!“, rief einer der Zuschauer – „Intrige“, rief ein weiterer. „Die Liebe, aber nicht um die wahre Liebe, sondern um die falsche, vorgetäuscht, hinterhältige Liebe“, bestätigte Kaiser. Dafür brauche es richtige Herzensbrecher. Die perfekte Überleitung zu Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 bis 1791) „Don Giovanni“. Dieser würde tun, was man in Spanien unter dem Balkon der Angebeteten mache – er singt eine Serenade. Vorgetragen wurde „Deh, vieni alla finestra“ (dt. Ach, komm ans Fenster) in Perfektion von Timon Führ.

Auch im nächsten Stück ging es um die Liebe und die verwickelten Beziehungen in der Oper „Carmen“ von Georges Bizet (1838 bis 1875). Mit der wohl bekanntesten Arie aus Bizets Oper - „Habanera“ - begeisterte Simone Garnier die Besucher.

„Nun kommen wir zu den Verführerinnen – die Dame, die nun für sie singen wird, versucht einen Herren um den Finger zu wickeln“, kündigte Niels Kaiser Sopranistin Anja Stader an. Bei besagter Verführerin handelt es sich um die Rolle der Musetta aus der Oper „La Bohème“ von Giacomo Puccini (1858 bis 1924). Die Arie „Quando men vo“ (dt. wann ich will) wurde von Stader mit glockenklarer Stimme vorgetragen.

Martin Kellenbenz entführte die Zuschauer als Prinz Kalaf nach China, zu Schlössern und einer sagenumwobenen Rätsel-Prinzessin. „Nessun dorma“ (dt. Keiner schlafe) aus der Oper Turandot von Puccini ist wohl eine der bekanntesten Arien weltweit, gilt allerdings gleichzeitig auch als eine der schwierigsten. Sie erfordert ein tiefes Verständnis für musikalische Interpretation, denn sie muss kraftvoll, aber kontrolliert vorgetragen werden, was Kellenbenz bestens gelang.

Diese und weitere Stücke auf Italienisch waren in der ersten Hälfte von „Lug und Trug und Blaue Masken“ zu genießen

Auch deutsche Operette entzückte

Nach einer kurzen Pause ging es mit deutschsprachigen Kompositionen von österreichischen und deutschen Komponisten weiter. „Jetzt kommen wir zum Operettenteil – es wird lustiger, denn es wird weniger oder nicht mehr gestorben“, erklärte Niels Kaiser. Los ging es mit einem kleinen Medley aus dem „Zigeunerbaron“ von Franz Lehár (1870 bis 1948), vorgetragen vom kompletten Ensemble. Auch das Publikum durfte mitsingen. Beim „Vilja-Lied“ aus der Operette „Die lustige Witwe“, ebenfalls von Lehár, übernahmen die Zuschauer die Rolle des Chors. Bei der Operette handelt es sich um die Bekannteste und Erfolgreichste des Österreichers. Es folgten weitere Stücke von Franz Lehár, Paul Lincke und Carl Millöcker. Zum Abschluss trug das Ensemble ein Medley der Operette „Maske in Blau“ von Fred Raymond (1900 bis 1954) vor. Diese war namensgebend für das Programm. Natürlich durfte auch die Zugabe nicht fehlen. „O Sole mio“ (dt. Oh meine Sonne) von Eduardo Di Capua (1875 bis 1917) bildete den krönenden Abschluss eines gelungenen Opernnachmittags.

Begnadete Sängerinnen und Sänger, brillantes Klavierspiel, aparte Kostüme und die humorvolle Moderation machten den Auftritt des „Kleinen Opern-Ensembles Hessen“ im Augustinum zu einem wahrhaft unvergesslichen Erlebnis.

Weitere Artikelbilder



X