Ein Ausflug in die fantastische Welt der Düfte

Mit Düften und Aromen kennt Manuella Jourdain sich bestens aus.

Parfümeurin Manuella Jourdain zu Gast im Augustinum

Neuenhain (es) – Mit einer ersten Frage – „Was ist ein Geruch?“ – weckte Manuella Jourdain umgehend das Interesse der zahlreichen Bewohnerinnen und Bewohner, die sich am vergangenen Mittwoch im lichtdurchfluteten Theaterfoyer eingefunden hatten. Eine nicht ganz einfache Frage, wie sich herausstellte. Nach und nach ergab sich im Austausch eine Vorstellung davon, wie sehr der Geruchssinn die Welt der Düfte für die Menschen eröffnet. Manuella Jourdain wollte den Zuhörern des Vortrags an diesem Nachmittag nicht nur ein Dufterlebnis schenken, sondern sie auch auf eine Erlebnisreise in die Welt der persönlichen Erfahrungen mitnehmen.

Vielschichtige Ausbildung

Jourdains profundes Fachwissen ist das Ergebnis verschiedener Ausbildungsgänge, die sie absolviert hat. Der Beruf als Lebensmittelingenieurin in verschiedenen Firmen bildete den Grundstock – es folgten weitere Ausbildungsstationen zur Olfaktologin. Die „Wissenschaft des Geruchssinns“ faszinierte sie fortan und führte letztlich zu einer eigenen Aromatherapie-Praxis in Darmstadt. Hier bietet sie an, sich mit Hilfe der Aromatherapie durch Stationen des Lebens begleiten zu lassen, um zu einer größeren Wahrnehmung und Achtsamkeit von Körper und Seele zu finden.

Der „erste“ Sinn

An diesem Nachmittag nun vermittelte sie anhand einer anschaulichen PowerPoint-Präsentation, was der Geruchssinn im Gehirn bewirkt. Neben allen anderen Sinnen, wie Hören, Fühlen, Schmecken und Sehen, ist der Geruchssinn derjenige, der einem Säugling die ersten Eindrücke von der Außenwelt verschafft. Und es sind nicht nur Gerüche, die bei dem Kind ankommen, sondern der Geruchssinn ist ebenso an Empfindungen, Gefühle und Emotionen gekoppelt. So war es nicht verwunderlich, dass plötzlich bei allen Anwesenden eine Erinnerung an „früher“ aufkam. Gute oder unangenehme Gerüche waren verbunden mit positiven und negativen Empfindungen. „Die Erinnerungen sind tief verankert und werden bei einem Déjà Vu abgerufen.“

Dufttest

Die erste Duftnote wanderte unbenannt anhand von getränkten Papierstreifen in jede Hand, fand den Weg zur Nase und das Rätselraten begann erneut. Begriffe wie „erdig“, „bitter“, „unangenehm“, „medizinisch“ bis hin zu „Weihnachten“ wurden genannt – die Duftprobe war die einer „Gewürznelke“. Laut Jourdain werden im Moment des Wahrnehmens eines Duftes alle Sinne im limbischen System des Gehirns aufgerufen. Zuerst unbewusst – dann kommen Emotionen auf, die sich mit dem Geruch verbinden.

Riechen ist wie atmen – es geschieht einfach und ist bei einem gesunden Menschen immer eine selbstverständliche Aktion des Körpers. Es ist die Idee der Natur, dass uns ca. 400 Riechrezeptoren zur Verfügung stehen. Der „normale“ Mensch verfügt in der Regel über 100 Rezeptoren, über die er Düfte wahrnehmen kann. Diese zu aktivieren und die Wahrnehmung zu erweitern, ist Trainingssache und gehört zu der hohen Kunst eines Parfümeurs. Da die Komposition eines Parfüms eine besondere Kreativität fordert, verfügen Parfümeure auch häufig über weitergehende künstlerische Fähigkeiten.

Der „höchste“ Sinn

Der Geruchssinn ist viel höher angelegt als der Geschmackssinn, beide gehen aber eine Verbindung ein. Riechen und schmecken bestimmen das menschliche Leben in fast allen Bereichen und sind unter anderem der Ursprung der Partnersuche. Der wahrgenommene Geruch geht sofort eine Verbindung zum Gehirn ein, weckt Erinnerungen oder Befürchtungen, Ablehnung, Freude, Erregung und warnt oder befreit und steuert die mögliche Kommunikation. Nicht zuletzt kennt jeder den Satz: „Man muss sich gegenseitig riechen können“.

Entdeckung des Geruchssinns

Das gerade erworbene Grundlagenwissen machte den „Schnuppernden“ den Weg frei, die von Manuella Jourdain angebotenen Aromen einmal auf sich wirken zu lassen. Sieben verschiedene Aromaöle galt es zu entdecken und zuzuordnen, was eine Herausforderung für die Nase war. Nelke war noch leicht auszumachen, Orangenöl auch, aber schon bei Muskatellersalbei und Weihrauch (diesen gibt es in unzähligen Varianten und er erinnerte hier nicht an kirchliche Rituale) schieden sich die Geister.

Duftessenzen

Im Anschluss gab es Informationen, wie die jeweiligen Düfte gewonnen werden. Für einen Liter Rosenwasser bedarf es der Ernte von vier (!) Tonnen Rosenblüten, deren Essenz durch Destillation gewonnen wird. Anders als bei den Zitrusfrüchten, bei denen die Schale ausgepresst wird, aber die Blüten und Blätter ebenso destilliert werden. Auch aus verschiedenen Harzen wird durch Destillation Öl gewonnen.

Die Gewinnung ist noch immer sehr traditionell und basiert auf dem uraltem Wissen der Alchemie. Rituale bestimmten das Leben früherer Völker und bis heute sind sie ein wichtiges Element der Kommunikation von Mensch zu Mensch und auch von Menschen zu Gott. Auch die medizinische Wirkung der Aromen auf Körper und Geist basiert auf uraltem Wissen und findet in verstärktem Maße erneut Eingang in medizinische Behandlungen.

Nach so umfangreicher Wissensvermittlung und sinnlichem Riechvergnügen bot Jourdain eine letzte Duftprobe an, die bei allen Teilnehmenden ein Wohlfühlen auslöste und Erinnerungen an früher weckte.

Das Zusammenfügen der Aromen aus Grapefruit, Orange, Zitrone, Orangenblüten, Rosmarin und Lavendel hat zu einem weltumspannenden Duft geführt und seinen Siegeszug über Italien einst nach Köln gefunden: der Duft in „4711 – Echt köllnisch Wasser“.

Ein großer Applaus für die umfassende Erlebnisreise in die Welt der Düfte galt der Vortragenden Manuella Jourdain. Nicht unerwähnt soll aber auch die Kulturreferentin Sandra Zechiel sein, denn ihr ist es zu verdanken, dass das Kulturprogramm im Augustinum immer auch etwas Besonderes bereithält.

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