Bad Soden (nd) – Viele kennen sicher eines ihrer Bücher – die Rede ist von Bestsellerautorin Katharina Fuchs. Am Dienstag, dem 25. Februar, konnte man im Kino CasaBlanca Art House der Lesung zu ihrem neuesten Buch beiwohnen. Das Interesse war groß und so war das Kino bis auf den letzten Platz besetzt. „Vor hundert Sommern“ ist teilweise autobiografisch und hat großes Potenzial, erneut ein Bestseller zu werden. Die Begrüßung erfolgte durch Katharina Fuchs und Gundi Gaab von der Bücherstube.
Kindheit zwischen Schweiz und Hessen
Katharina Fuchs wuchs sowohl in Hessen als auch am Genfer See in der französischen Schweiz auf. Nach dem Abitur in Hofheim studierte sie Rechtswissenschaften in Frankfurt und Paris. Sie arbeitete als Rechtsanwältin und Justiziarin; seit dem Jahr 2019 ist Fuchs ausschließlich als Schriftstellerin tätig. Ihr erster Roman erschien 2011 unter dem Titel „Westendladies“. Fuchs‘ vierter Roman „Zwei Handvoll Leben“ erschien im Jahr 2020 und hielt sich siebzehn Monate in der Spiegelbestsellerliste. Die Autorin nutzt ihren Mädchennamen – Katharina Fuchs – als Pseudonym.
Vor hundert Sommern
„Vor hundert Sommern“ erzählt die Geschichte dreier mutiger Frauen, deren Schicksale generationsübergreifend miteinander verbunden sind. „Machen Sie mit mir eine Zeitreise“, lud Katharina Fuchs die Zuhörer ein. Zurück in das Berlin des Jahres 1924. Dort trifft man auf Clara Brand, die schon im jungen Alter von 14 Jahren als Flaschenspülerin in einer Brauerei arbeitet.
Ihr Lebensweg führt sie nach Charlottenburg, in die Welt der Bessergestellten. Schon bald eröffnet sie einen Hundesalon. Dann ergreifen die Nationalsozialisten die Macht – Bücher werden verbrannt und Menschen deportiert. Clara lernt den jungen Kommunisten Alexei kennen, nicht ahnend, dass dies ihr Leben und das ihrer Familie für immer verändern wird. Hundert Jahre später lernt man Anja, die sich zwischen Beruf und Familie zerreibt und ihre Tochter Lena, die noch nie in gesellschaftliche Formen passte, kennen. Gemeinsam räumen sie den Keller der Mutter beziehungsweise Großmutter Elisabeth aus, da diese in ein Altenheim umziehen musste. In einem Koffer finden sie Utensilien des Hundesalons und Fotos von Großtante Clara. Nur Stück für Stück fängt Elisabeth an zu erzählen, was damals, als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen hatten, im Hundesalon passiert ist und warum das Leben der Familie für immer verändert wurde. Es zeigt sich, dass Entscheidungen dieser Zeit bis heute Folgen für die Familie haben.
Einfühlsam und eindringlich zugleich
Einfühlsam erzählt Katharina Fuchs, was die drei Hauptprotagonistinnen erleben und mit welchen Widrigkeiten sie konfrontiert sind. Die spannenden und detaillierten Beschreibungen geben dem Leser das Gefühl, selbst im Geschehen zu sein. Man sieht förmlich die junge Clara, wie sie Flaschen spült oder auch nur für einen kurzen Moment die Sonnenseite des Lebens genießt, bevor sie wieder von den Wirrungen ihrer Zeit eingeholt wird. „Clara war meine Zeitzeugin, neben meinen Eltern und Großeltern – zuletzt habe ich sie auf meiner Konfirmation gesehen“, erklärte Fuchs. Mit ihrer Großtante Clara teilte die Autorin die Liebe zu Hunden.
Clara habe immer viel von ihrem Hundesalon erzählt – allerdings klangen diese Geschichten immer lustig. Angesichts der damaligen Zeit konnten die Erlebnisse jedoch nicht alle lustig gewesen sein.
Mehrmals musste die Großtante mit ihrem Hund und ihrem Papagei Schutz in Luftschutzbunkern suchen. Autobiografisch sind die Geschehnisse aus Kriegszeiten rund um Clara, während es sich bei Anja und Lena nicht um reale Personen handelt. „Claras Geschichte hat Nachwirkungen bis heute und diese werden für immer Einfluss auf die Familie haben“, so Fuchs.
Fragen an die Autorin
Nach der Lesung gab es für die Besucher die Möglichkeit, Fragen an die Autorin zu stellen und sich Bücher signieren zu lassen.
Wie die Familie von Fuchs das Buch aufgenommen habe, wollte eine Besucherin wissen. Katharina Fuchs erklärte, dass fast niemand mehr von ihrer Familie da sei. Ihre Eltern hätten seinerzeit allerdings „Zwei Handvoll Leben“ gelesen und hätten sich sehr gefreut.
„Was tun Sie gegen den heutigen Antisemitismus?“, fragte ein weiterer Gast. Man dürfe vor allem nicht wegschauen, erklärte Fuchs. Sie thematisiere den Antisemitismus in ihrem Buch, hätte aber nie erwartet, dass dieser nicht nur von rechts, sondern auch von links komme. Wenn man das Thema auf Instagram oder TikTok anspreche, so Fuchs, bekomme man Hassnachrichten. „Ich widme die Lesung Shiri Bibas und ihren Söhnen“ – mit diesen Worten schloss Katharina Fuchs die Veranstaltung.