Eine Nacht lang im Woodstock-Fieber

Fraglich, wie es das Publikum da noch auf den Stühlen hält: „Daisy and the Panzerknacker“ heizen den Gästen im Irish Pub ordentlich ein und tragen mit Songs von Janis Joplin bis „The Who“ zu einer stimmungsvollen Musiknacht ganz im Zeichen von Woodstock bei. Foto: sth

Von Sebastian Theuner

Bad Homburg. Drei Tage im August 1969, auf Weidefeldern irgendwo mitten im US-Bundesstaat New York – sie sollten Musikgeschichte schreiben und einen Mythos begründen. Die Herbstausgabe der Musiknacht Bad Homburg hat diesen Mythos erneut aufleben lassen. Mit den Klängen der 60er wurde dem legendären Woodstock-Festival angemessen Tribut gezollt.

Besondere Jubiläen verdienen eine besondere Würdigung. So freut sich die Großmutter an ihrem 80. Geburtstag über ein Zusammenkommen mit der gesamten Familie, Berlin veranstaltet zum 30. Jahrestag des Mauerfalls in diesen Tagen gar eine ganze Festwoche. Ein Hoch auf alte Zeiten hatte auch die Aktionsgemeinschaft Bad Homburg, Veranstalter der Bad Homburger Musiknacht, im Sinn. Im Sommer jährte sich das Woodstock-Festival, Symbol der Hippiebewegung in den USA, zum 50. Mal. Hätte es also einen besseren Grund gegeben, als die diesjährige Herbstausgabe der Musiknacht unter das Motto „Love & Peace“ zu stellen?

In 14 Locations in der Innenstadt hatten die Veranstalter insgesamt 19 Bands und DJs geladen, um die Besucher musikalisch in die Zeit von Jimi Hendrix, Janis Joplin oder „The Who“ zurückzuversetzen. Zur Orientierung war den zum Motto passenden Acts im Programmheft extra ein blumiger „Woodstock“- Schriftzug verpasst worden. Darüber hinaus traten auch Gruppen und DJs außerhalb der Flower-Power-Reihe auf, denn auch die Fans aktueller Musik sollten auf ihre Kosten kommen.

Im VW-Bus durch die Steppe

Die Töne, die am Samstagabend aus der Englischen Kirche drangen, dürften jedoch ganz nach dem Geschmack eines jeden jung gebliebenen Woodstock-Anhängers gewesen sein. Mit der sechsköpfigen Gruppe „Dylans Dream“ begaben sich die Zuhörer hier auf die Spuren des großen Bob Dylan. Ausdrucksstark und temperamentvoll nahmen die Musiker um die Leadsänger Jörg und Christine Götzfried ihr Publikum mit auf eine Reise quer durch die größten Werke Dylans – ausgeschmückt durch Erzählungen und eigene Interpretationen. So luden beispielsweise die Geschichten von stundenlangen Fahrten im alten VW-Bus durch die Steppen der USA, einsamen Tankstellen und der darauffolgende Song „One More Cup Of Coffee“ zum mittanzen ein.

Noch einen Tick lauter, schriller, bunter kamen derweil die „Cover Kidzz“ auf der Bühne im Gambrinus Cafe daher. In Schlaghosen, mit Glitzer, Blumen und Sonnenbrillen wurden die vier Jungs dem Motto des Abends vollauf gerecht. Mit ihren Interpretationen aus dem Genre des Glamrock verwandelten die „Cover Kidzz“ das Gambrinus Cafe im Nullkommanichts in eine echte Dorfdisko. Und nicht nur dort, auch im Irish Pub stand einem nach nur wenigen Augenblicken der Schweiß auf der Stirn. Mit Blumen im Haar und auf dem T-Shirt heizten hier „Daisy and the Panzerknacker“ den Gästen ein – unter anderem mit „Tainted Love“ und „Rock & Roll Queen“.

Auch wenn Bad Homburg an diesem Abend ganz im Zeichen von Woodstock stand – jüngere Generationen wurden auf der Suche nach „ihrer“ Musik ebenfalls fündig. So schallten aus der Kartoffelküche wohlbekannte Hits aus den 80ern, 90ern und den aktuellen Charts. Der Bandname spricht für sich. „Radio Attack“ sorgten für eine volle Hütte und eine Menge Arbeit für das Einlasspersonal. Wer rein kam, tanzte und feierte zu David Guetta, Avicii und J Lo.

Antanzen gegen den Regen

Gegenüber dröhnten aus Steve’s Bar zeitlose und moderne Rockklassiger, wenige Schritte die Audenstraße hinunter lockte DJ Tide, der im Americano auflegte. Wo auch immer man sich an diesem Abend in der Bad Homburger Innenstadt bewegte – alle paar Meter trieb es einen förmlich ins Innere, was ausdrücklich nicht nur an dem regnerischen Wetter lag. Doch das war bei der gebotenen musikalischen Vielfalt ohnehin im Nu vergessen. Mit Blume im Haar und Peace-Zeichen auf dem Shirt wurde eine Nacht lang einfach dagegen angetanzt.

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