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Bürgerselbsthilfe feierte Sommerfest und ihr Netzwerk gegenseitiger Hilfe

Hatten Glück mit dem Wetter und ließen es sich munden: Die Mitglieder der Bürgerselbsthilfe Silberdisteln beim Sommerfest auf der Wiese der evangelischen Kirche Oberhöchstadt.

Fotos: Westenberger

Oberhöchstadt (mw) – Der Verein Bürgerselbsthilfe Silberdisteln kann sich über mangelndes Interesse an seiner Arbeit in seinem elften Jahr nach Gründung nicht beklagen. „Trotzdem müssen wir wie alle anderen Vereine auch immer wieder Mitgliederakquise betreiben, um unsere Mitgliederzahl von etwa 200 konstant zu halten“, erklärt der erste Vorsitzende der Bürgerselbsthilfe Silberdisteln, Ad Friedrichs. Allerdings braucht es dazu keine aufwendige Kinder- und Jugendförderung. Die meisten Köpfe der Silberdisteln leuchten silbrig-weiß. So war es auch am Sonntag auf der Wiese der evangelischen Kirche in Schönberg, auf der der Verein sein Sommerfest feierte. Nur wundert das bei den Silberdisteln keinen, auch wenn jüngere Semester im Verein gerne gesehen sind: Denn das Konzept des Vereins basiert auf dem Motto: Hilfst Du mir, helfe ich Dir! Und der Gedanke, daran, Hilfe brauchen zu können, kommt den meisten Menschen erfahrungsgemäß nun einmal erst mit zunehmendem Alter, wie der erste Vorsitzende der Bürgerselbsthilfe, Ad Friedrichs aus Erfahrung weiß. Den Verein sieht er mit 60 aktiven Helfern gut aufgestellt, neben den passiven Vereinsmitgliedern, davon viele Hilfe empfangend, aber auch Spender und Sponsoren. Der Gedanke, Hilfe zu geben, darüber Punkte zu erlangen und mit denen, wenn nötig, selbst Hilfe zu erhalten, findet viele Freunde in der Stadt. Dabei ist Friedrichs besonders dankbar, dass das Konzept auch bei der Stadt Kronberg und ihrem Bürgermeister, Klaus Temmen, auf Anerkennung stößt. Das verwundert auch nicht. Die alternde Gesellschaft ist längst ein gängiger Begriff, und dass in Kronberg viele Senioren leben, und auch die Zahl der Alleinlebenden ständig zunimmt, ist auch nichts Neues. Da kommt die Hilfe der Silberdisteln zur rechten Zeit.

Frierichs appelliert an die Bürger, nicht zu scheu zu sein, sich zu melden, wenn sie Hilfe brauchen. Niemand sei zu jung oder alt, um zu helfen oder Hilfe zu bekommen. Jeder kann sich nach seinen Möglichkeiten und Wünschen einbringen. Oftmals handele es sich um Hilfe bei Einkäufen, Fahrten zu Arztterminen oder auch Unterstützung beim Ausfüllen von amtlichen Formularen. Wer keine Zeit hat, sein Punktekonto zu füllen, indem er Hilfsdienste übernimmt, oder erst dann mit dem Verein Kontakt aufnimmt, wenn er dringend Hilfe braucht, kann sie sich für ein sehr kleines Geld kaufen. Jede angefangene halbe Stunde kostet bei den Silberdisteln 1,50 Euro und für Notfälle gibt es einen Sozialfonds.

Wie das System genau funktioniert, können Interessierte unter den Bürozeiten der Zentrale, die auch die Hilfsdienste koordiniert, unter der Telefonnummer 06173-9952006 erfragen oder sich auf der Internetseite unter www.silberdisteln-bsk.de weiter informieren.

Zum Sommerfest ließen nun alle Helferinnen und Helfer die Seele baumeln, während Mitglied Hilde Reinhold die versammelten Silberdisteln mit Akkordeonklängen verwöhnte. Aktiv waren sie natürlich auch hier gewesen, denn Grillgut, Festzelte, Essen und Trinken und ein großes Buffet, organisiert sich schließlich nicht von selbst. Und Kaffee und Kuchen fehlten an den liebevoll dekorierten Tischen auch nicht. Aber das ist für die Silberdisteln fast schon Routine, gehören zu ihren regelmäßigen Vereinsaktivitäten doch auch das wöchentliche Dienstags-Frühstück in der Stadthalle, über deren Größe – hier frühstücken wöchentlich über 30 Silberdisteln – sich Nachbargemeinden mit ähnlichen Konzepten verwundert die Augen reiben. „Das braucht natürlich die entsprechenden Leute, die das organisieren“, so Friedrichs. Woche für Woche braucht es die Einkäufer, Tischdecker und Tischabräumer. Das Frühstück gegen eine Vereinsspende von 2,50 Euro erfreut sich großer Beliebtheit und bietet den nötigen Raum, um sich zu begegnen. Und damit ist es sicherlich eine ganz wichtige Komponente im Vereinskonzept. Hier kann man die Mitglieder kennenlernen, Vertrauen aufbauen und auf diese Weise vielleicht eines Tages auch zu einem Vereinsaktiven werden. Ad Friedrichs ganz persönliche Erfahrung als Niederländer ist, dass die Mentalität der Deutschen, jedenfalls der Hessen, die er kennengelernt hat, doch um einiges zurückhaltender ist als die seiner Landsleute. „Bei uns trifft man sich schnell mal unter Nachbarn auf einen Kaffee“, erzählt er. „Hier ist das nicht gang und gäbe, ohne einen festen Termin geht hier gar nichts.“ Wohl wisse man, wer die Nachbarn seien und grüße sich. Oftmals bleibe es aber auch dabei. Vielfach habe er festgestellt, dass die Menschen sich sehr scheuen, Hilfe anzunehmen und schon gar nicht selbst darum bitten. Das sei natürlich schade und deshalb appelliert er an alle Bürger, sich nicht zu scheuen, im Bedarfsfall Kontakt mit der Bürgerselbsthilfe aufzunehmen oder sich am Netzwerk gegenseitiger Hilfe am besten gleich aktiv zu beteiligen. Es gäbe viel zu viele Menschen, die zu Hause mit zunehmenden Alter sozial vereinsamen würden, jedoch keine Unterstützung von außen zulassen.

Die zum Sommerfest zahlreich erschienenen Mitglieder der Bürgerselbsthilfe Silberdisteln jedenfalls waren sich einig: In geselliger Runde mit Freunden schmeckt das Grillsteak zehnmal besser als alleine zu Hause.

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