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Streit zwischen den beiden Bewerbern um das Bahnhofsgebäude

Kronberg (pu) – Der Kampf der beiden Kandidaten, die sich mit ihren jeweiligen Konzeptentwürfen um den Kauf des maroden, historischen, denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude bemühen, hat in den letzten Tagen deutlich an Schärfe zugenommen.

Inzwischen beschuldigen sich die beiden Beteiligten nicht nur gegenseitig des Verstoßes gegen einen fairen Wettbewerb, vielmehr ist der Stadt an die Adresse von Bürgermeister Klaus Temmen und Erstem Stadtrat Robert Siedler (beide parteilos) ein Schreiben der die rechtlichen Interessen von Konstantin Kovarbasic und der „Unser Bahnhof GmbH und Co KG“ vertretenden Haack Partnergesellschaft mbH, zugegangen, die zur Überprüfung der Frage, ob ein ordnungsgemäß durchgeführtes Verfahren gewährleistet ist, die Vorlage der Bewerbungsunterlagen zur Einsicht fordert.

Vorwurf Abweichungen

Rechtsanwalt und Notar Stephan Haack begründet sein Anliegen mit dem Verdacht, es habe sich „bedauerlicherweise und unverständlicherweise herausgestellt“, dass sich der weitere Bewerber Frederik Roth, der unter einer Real KG auftrete, „nicht an diese Vorgaben gehalten hat.“ Es ergäben sich vielmehr „ganz erhebliche Abweichungen zwischen dem, was stichtagsbezogen eingereicht und dem, was am 28. August präsentiert wurde.“ Stichtag war, wie mehrfach berichtet, der 6. August, bis zu dem insgesamt vier Bieter ihre Kaufgebote samt Nutzungs- und Finanzierungskonzepten abgegeben hatten.Der 28. August war der Tag der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt, in deren Verlauf die nach Vorprüfung durch die Stadtverwaltung übrig gebliebenen beiden Kandidaten ihre auf den klaren Abgabevorgaben basierenden, lediglich der vertiefenden Veranschaulichung dienenden, Präsentationen dem Magistrat, den Mitgliedern des Ausschusses und der interessierten Öffentlichkeit vorführen durften.

Der schwerwiegende Vorwurf, der nun durch Kovarbasics Rechtsbeistand an die Stadt herangetragen wurde, ist, „dass wesentliche Teile aus der Präsentation von Herrn Kovarbasic zum Teil fast wortidentisch übernommen worden sind. Darüber hinaus wurde die lnvestitionssumme, welche gemäß der uns vorliegenden Informationen bei zunächst circa 3.000.000 Euro gelegen hat, auf 4.500.000 Euro, also fast auf denjenigen Betrag, den Herrn Kovarbasic ermittelt hatte, angepasst.“ Es ergebe sich daher ein Bild dahingehend, dass das „zum Stichtag eingereichte Angebot mit der Präsentation in ganz wesentlichen Punkten nichts mehr zu tun hat.“ Dies lasse nur den Schluss zu, dass die „vertraulich zum Stichtag eingereichten Bewerbungsunterlagen unserer Mandantin bekannt gegeben worden sein müssen.“ So fänden sich dort Passagen, wie beispielsweise der „Hinweis auf den Eintritt in einen zwischen unserer Mandantin und der Kronberg Academy sowie der Contraco nur einen Tag vor Abgabe der Bewerbungsunterlagen abgeschlossenen Kooperationsvertrag, bis hin zur Feststellung, dass es zwei Bewerber gebe. Auch an vielen weiteren Stellen finden sich sehr auffällige Parallelen zu den durch uns eingereichten Bewerbungsunterlagen.“

Technischer Fehler

Zu den Vorwürfen selbst will sich die Stadtverwaltung zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus nachvollziehbaren Gründen nicht äußern, allerdings bestätigte Erster Stadtrat Robert Siedler auf entsprechende Nachfrage des Kronberger Bote das kursierende Gerücht, dass durch einen „ärgerlichen technischen Fehler ursprünglich lediglich für Ausschussmitglieder gedachte und einzig für diese einsehbare Berichtsunterlagen bedauerlicherweise einige Tage über das Internet von der Öffentlichkeit unter bestimmten Umständen eingesehen werden konnten.“

Nichts abgekupfert

Frederik Roth, der von den Anschuldigungen Wind bekommnen hatte, weist jegliche Vorwürfe zurück. „Ich habe nichts abgekupfert!“ Gegenteilige Behauptungen entbehrten nicht nur jeder Grundlage, er habe vielmehr seinerseits seiner Irritation über die Veröffentlichung des Magistratsberichts zum Ergebnis des Bieterverfahrens mit Bewertungstabelle in einer Mail an den Ersten Stadtrat Robert Siedler und an die Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung und Umwelt, Ausdruck verliehen und angeprangert, dass „unser Angebot im Vergleich zu den anderen nur verkürzt dargestellt wurde und wesentliche Teile unseres Angebots unerwähnt blieben.“ Der Erste Stadtrat habe darauf drei Tage später geantwortet, die Tabelle mit ihren Tendenzen zu den einzelnen Kriterien sei lediglich ein Arbeitspapier und Grundlage für die weitere Diskussion und noch keine abschließende Beurteilung zulasse. Zum Thema „Abkupferung“ liegt für Roth außerdem der Verdacht nahe, da er bereits im Juli der Kronberg Academy sein Konzept vorgestellt habe und Stephan Haack dort stellvertretender Vorsitzender sei, könnten seine Pläne wiederum auf diese Weise Konstantin Kovarbasic bekannt geworden sein.

Vorwurf bewertend

Darüber hinaus macht Roth im Gespräch mit dem Kronberger Bote seiner Kritik und Sorge Luft, dass die Stadt einerseits vorgegeben habe, bis zum Stichtag am 6. August keine endabgestimmten Pläne abgeben zu müssen und den Bietern verboten habe, zum Abklopfen des einen oder anderen Punktes Kontakt zum Denkmalschutz oder zum Eisenbahn-Bundesamt aufzunehmen, andererseits seien nach seinem Empfinden von Seiten des Bürgermeisters, des Ersten Stadtrats, des Magistrats und der Ausschussmitglieder durchaus bewertende Fragen gestellt worden statt lediglich Verständnisfragen. Ähnlich hatte sich Roth bereits in und nach der ASU-Sitzung geäußert. Dazu befragt erklärt der Baudezernent mit Nachdruck, es sei an die Bieter lediglich die Bitte herangetragen worden, keine Gespräche mit Bahn oder Denkmalschutz zu führen, weil es sich lediglich um Entwürfe handele, man von erfahrenen Architekten, die sich mit solchen denkmalgeschützten Gebäuden regelmäßig befassen, erwarten könne, dass sie wissen, wie man damit umzugehen habe. Von den vorprogrammierten Schwierigkeiten bei den Behörden, wenn vier Bieter mehr oder weniger gleichzeitig innerhalb kürzester Zeit um Termine gebeten hätten, ganz zu schweigen.

Spekulation

Keinen Hehl macht Roth aus seiner festen Überzeugung, sein Kontrahent sehe das Bahnhofsgebäude lediglich als Spekulationsobjekt. Ein Verkauf nach sieben Jahren sei vorprogrammiert, weil seiner Ansicht nach die Haack Unternehmensgruppe der eigentliche Mehrheits-Investor sein werde, „da der Schwerpunkt der HK Immobilieninvest die Entwicklung von Quartierlösungen ist mit anschließendem Weiterverkauf über Investorenakquise vermögender Investorenfamilien und Ähnliches.“ Die treibende Kraft sei seiner Überzeugung nach nicht Kovarbasic als „langjähriger Kronberger“, sondern „ein ganz gewöhnlicher Projektentwickler“.

Dies weist wiederum Konstantin Kovarbasic mit allem Nachdruck zurück mit dem Verweis darauf, es werde seitens Roth „gezielt eine Unterlage des Architekten, in welche sich eine Ungenauigkeit eingeschlichen hatte, zur Stimmungsmache platziert.“ Seine Pläne seien durchaus auf Nachhaltigkeit ausgelegt. „Ich bin Alleingesellschaft der ‚Unser Bahnhof GmbH und Co KG‘ und will das Bahnhofsgebäude längerfristig behalten!“

Überprüfung

Zu den Streitigkeiten ist zu allem Überfluss in den letzten Tagen noch eine weitere Problematik dazugekommen. Einer Pressemitteilung zufolge hat die Verwaltung am 4. September ein Schreiben der Oberen Denkmalschutzbehörde erhalten. Aus diesem Schreiben ergeben sich Diskrepanzen zum bisherigen Informationsstand des Magistrats bezüglich der Unterschutzstellung von Teilen des Bahnhofareals, welche einer Überprüfung durch die Obere Denkmalschutzbehörde bedürfen. Diese ist im Laufe der Woche angekündigt. Erst nach der Prüfung kann entschieden werden, ob der Stadtverordnetenversammlung die Beschlussempfehlung des Magistrats vom 3. September vorgelegt wird, oder sich der Magistrat gegebenenfalls vorher nochmals mit der Vorlage befassen muss.

Nach Aussage Robert Siedlers geht es um das Basa-Gebäude, das in einer neuen Denkmalschutz-Topografie anders bewertet wird als 2013. Diesen für die Stadt neue Sachstand gelte es nun zu prüfen.

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