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Kronberger Flohmarkt: Ein Mekka für Sammlerherzen

Schnäppchenfieber vom Berliner Platz bis hinauf zur Eichenstraße bis zum Zehntscheunenplatz, Recepturhof und zurück

Foto: Westenberger

Kronberg (mw) – Wer denkt, in der Zeit der großen Sommerferien seien die Straßen in der Burgstadt – noch dazu an einem Sonntag – leer gefegt, der irrt gewaltig: Zumindest, was den Juli-Sonntag vor der Thäler Kerb betrifft. Denn an dem scheint das Gros der Kronberger (Schönberger und Oberhöchstädter eingeschlossen) nicht etwa in den Urlaub abgerückt zu sein, sondern sie stehen hinter ihren Ständen auf dem Flohmarkt, der sich vom Berliner Platz über die Katharinenstraße, die Friedrich-Ebert-Straße hinauf durch die Altstadtgässchen und Plätze bis hinter die Stadtbücherei erstreckt. Traditionell werden die Flohmarktstände – neben privaten Hofeinfahrten und Höfen – 230 an der Zahl, nicht nach dem Flohmarkt wieder abgegeben, sondern sogleich für das nächste Jahr gebucht. Selten gibt es also ein freies Plätzchen für Neueinsteiger, wohl aber den einen oder anderen netten Nachbarn, der einem ein kleines Stück von seinen Jahr für Jahr gut gehüteten Flohmarktquadratmetern einräumt. Egal, wo man geht und steht, fragt man die Standbetreiber, wie viele Jahre sie schon an dem Kronberger Flohmarkt teilnehmen, winken die meisten ab, um dann lange zu überlegen: Sind es 25, 35 oder gar schon 40 Jahre? Jedenfalls sind es bei den meisten schon Jahrzehnte, oftmals haben sie bereits gemeinsam mit ihren Eltern hier in der Altstadt ihr Spielzeug verkauft.

Vom eigenen Stand aus lassen sich wunderbar die vorbeiziehenden Flohmarktbesucherinnen und -besucher – die dem Flohmarkt ebenso treu seit vielen Jahren ihren Besuch abstatten (die Autos standen die Hainstraße entlang bis zum MTV), beobachten. Da wären die professionellen Händler, die morgens schon da sind, während man selbst noch damit beschäftigt ist, die Kisten auszupacken. „Man muss schon ausgesprochen wach sein, denn am liebsten würden einige von ihnen die Kisten gleich eigenmächtig öffnen“, erzählt eine Oberhöchstädterin. Später zur Hochzeit am frühen Vormittag ist der Run auf die besten Stücke: „Manche meinen ja, wenn sie nicht die Ersten sind, sind alle interessanten Sachen weg.“ Doch dem ist nicht so, auch um 12 Uhr lässt sich noch ausgiebig in den vielseitigen Auslagen stöbern: Und das tun die Besucher auch, die sich die Burgstadt für ihren Sonntagsausflug ausgesucht haben, um ganz gelassen durch die schönen Altstadtstraßen zu schlendern, ohne sich gezielt umzuschauen. Und doch findet sich plötzlich eine Keramikvase, ein Stövchen, eine Kette oder Handtasche, die doch einfach wunderschön ist: Wie konnte sie nur hier auf dem Flohmarkt landen? Und schon ist sie eingepackt. „Ich habe heute genau die Sachen verkauft, bei denen ich dachte, dass ich sie sicherlich wieder mit nach Hause nehmen werde“, gesteht eine Standbetreiberin lachend. „Da steckt man einfach nicht drin!“

Die wenigsten Besucher feilschen, denn die Preise sind dezent: Doch auch hier gibt es Unterschiede: Die Einen trauen sich gar nicht zu handeln, obwohl der Preis noch Spielraum dafür lässt, die anderen sind unglücklich, wenn sie bei 50 Cent nicht mehr groß handeln können. Auf dem Flohmarkt gehört doch gerade das dazu, oder? Viele der Standbetreiber entpuppen sich selbst als „Jäger und Sammler“, haben einen Faible für Flohmarktsachen. Wen wundert es, dass sie einen Teil davon auch wieder loswerden müssen, bevor ihre Wohnung zuhause aus allen Nähten platzt...

So geht es vermutlich auch Kurt Weigand: Jedenfalls sammelt er gern und das ganze Jahr über, wie er gesteht und kauft auch das eine oder andere Mal etwas vorschnell, was ihm dann doch nicht gefällt: Er ist seit 40 Jahren gemeinsam mit seinem Bruder auf dem Kronberger Flohmarkt vertreten.

Für Katja Majer ist es einfach eine Freude, ein Mal im Jahr aus Darmstadt zurück in die Heimat zu kommen und beim Flohmarktverkauf viele Bekannte und Freunde zu treffen. „Es ist schon Tradition, dass wir danach gemeinsam ins Eiscafé gehen, und uns von den Einnahmen erst einmal einen großen Eisbecher gönnen“, erzählt sie. Wohin das Auge reichte, wurden Nützliches und Unnützes, Deko und Kleidungsartikel feilgeboten: Auf dem Flohmarkt gibt es vermutlich nichts, was es nicht gibt: alte Platten, Hüte, Schmuck, Koffer, Geweihe, Schuhe, Lampen, Wasserpfeifen, Vasen, Bücher, Kleider, Jacken, Puppen und vieles mehr. Überall waren gut gelaunte Menschen unterwegs. Die einen, weil sie gerade ihr „Schnäppchen“ gefunden hatten, die anderen, weil sie Einiges verkaufen konnten, sprich sich die Kasse stetig füllte und sie am Ende deutlich weniger zurücktragen mussten als morgens hin. Die Standbetreiber waren allesamt sehr zufrieden mit dem Verkauf. „Das Wetter ist super und trotz Ferien ist der Flohmarkt richtig gut besucht“, bemerkte eine Verkäuferin in der Friedrich-Ebert-Straße. Neben vielen, die sich in ihre eigene Tasche wirtschafteten, gab es auch Amnesty International, die mit dem Verkauf von Flohmarktartikeln für unrecht Inhaftierte einsetzt, und der Verein „Frauen helfen Frauen“ im Hochtaunuskreis mit seiner „Taschenbörse“, einer pfiffigen Idee, bei der Frauen ihre ausgedienten Taschen (abgeben, damit aus deren Verkauf Frauen in Not geholfen werden kann.

Bis 16 Uhr zum Abbau ist es allerdings ein langer Tag, die meisten halten aber bis zum Ende durch. „Schließlich ist der Kronberger Flohmarkt ja nur einmal im Jahr, da kann man schon mal so früh aufstehen“, erklärt eine Familie. Eines allerdings finden einige Teilnehmer doch zunehmend nervig: Flohmarktaufbau sei offiziell ab 6 Uhr morgens, Verkauf eigentlich ab 7 Uhr, erzählen sie. Doch jedes Jahr verschiebe sich das weiter in die frühen Morgenstunden. „Wir waren deshalb auch schon um 5.30 Uhr mit dem Aufbau beschäftigt, denn wenn alle Stände stehen, ist kein Durchkommen mehr“, erzählen sie. Katja Majers Schwester Mirja kann sich erinnern, dass es so etwas zu Zeiten der Marktaufsicht durch Horst Neugebauer nicht gegeben habe: Er habe mit seiner Trillerpfeife für Recht und Ordnung gesorgt – kaum einer habe damals zu früh mit dem Aufbau begonnen und sich erst recht nicht getraut, vor offiziellem Flohmarktbeginn seine Ware zu verkaufen. Vielleicht gibt es die Trillerpfeife noch und Herr Neugebauer reicht sie den städtischen Marktorganisatoren weiter? Das wäre doch die Lösung oder? Vermutlich hat er sie jedoch längst auf dem Kronberger Flohmarkt weiterverkauft.

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