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Begegnung mit jungen Musikern aus aller Welt beim Wandelkonzert

Das Finale: Jonian-Ilias Kadesha (Griechenland), Stephen Waarts (USA), Ziyu Shen (China), Sindy Mohamed (Ägypten), Aurélien Pascal (Frankreich) und Ivan Karizna (Weißrussland) spielen Tschaikowsky. Fotos: Westenberger

Kronberg (mw) – „Wir sind völlig überwältigt von der Menge der Menschen, die die Kronberg Academy kennen lernen möchten.“ Mit diesen Worten begrüßte Mitarbeiterin Silke Fett freudestrahlend die erste Gruppe, rund 60 bis 70 Bürger, die in die Verwaltungs- und Studioräume der Receptur drängte, um dem ersten Programmpunkt des ersten Wandelkonzertes der Kronberg Academy in Zusammenarbeit mit dem Aktionskreis für Lebenswerte Altstadt (Altstadtkreis) zu lauschen.

Zum Auftakt der Veranstaltung waren rund 300 Besucher auf den Schirnplatz gekommen. Mit so vielen Menschen hatte wohl keiner gerechnet. Bei strahlendem Sonnenschein auf dem für „Chamber Music Connects the World“ (1. bis 10. Mai) in der Friedrich-Ebert-Straße bereits ausgerolltem roten Teppich ließ es sich dank der neuen Fußgängerzone ganz entspannt und ohne Abgase mit einem Gläschen Wein in der Hand in Richtung Receptur flanieren. In vier Gruppen aufgeteilt, konnte man einem „Guide“ zu den verschiedenen Wandelstationen folgen und drei kurzen Konzerten an ganz unterschiedlichen Orten in der Altstadt lauschen sowie die Studierenden der Kronberg Academy, die aus allen Herren Ländern für einige Jahre hier zuhause sind, kennenlernen. Die Idee für das Projekt, das auf solch große Resonanz stieß, hatten drei junge Damen, die bei der Kronberg Academy ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Kultur machen: Emily Winter (18), Esther Bauer (18) und Luca Waschbüsch (19).

Die drei Damen, die das Team der Kronberg Academy in unterschiedlichen Bereichen unterstützen, wollten gerne ein gemeinsames Projekt gestalten. Und sie hatten ein inhaltliches Ziel: eine Verbindung zu knüpfen zwischen der Stadt Kronberg und der Kronberg Academy. Wenn ihnen an diesem schönen Samstagnachmittag etwas gelungen ist, dann genau das: Menschen zusammenzubringen und auch denjenigen, die in der klassischen Musik nicht bewandert sind und sich bis dahin nicht so recht vorstellen konnten, was genau hinter den Türen der Kronberg Academy passiert, einen bleibenden Eindruck der musikalischen Arbeit innerhalb der Celloschmiede zu geben. Bei den insgesamt sieben Konzerten, die die Studierenden aus aller Herren Länder in der Galerie Einbaum, der Galerie Opper, in Räumen der Academy, im Restaurant zum Grünen Wald und zum gemeinsamen Abschluss in der Zehntscheune gaben, standen die Menschen im Mittelpunkt: Diejenigen die hier leben und die Musikstudenten, die ebenfalls für einige Jahre hier wohnen. „Was gefällt euch an Kronberg, was ist euer Lieblingsort? Und was wärt ihr wohl geworden, wenn nicht Musiker?“ Das waren Fragen, die die jungen Damen sich ausgedacht hatten und die Mitglieder vom Altstadtkreis den Academy-Studenten aus Griechenland, USA, Ägypten, China, Schweiz, Großbritannien, Japan, Weißrussland, Italien und Frankreich stellten. Und im Anschluss für alle Besucher deren Antworten vom Englischen ins Deutsche übersetzten.

Und plötzlich war nicht vorne die Bühne und hinten das mucksmäuschenstille Publikum, sondern die Studierenden waren mitten unter den Kronbergern, die sich freuten, zu hören, dass den jungen Musikern der Victoria-Park am besten gefällt, gefolgt vom Kronberger Waldschwimmbad und der schönen Natur in der Umgebung – auch wenn die Winter in Kronberg weniger gut abschnitten.

Ivan Karizna aus Weißrussland spielte im Grünen Wald Galina Gorelovas „Deux panneaux d‘Henri Matisse. Zwei Abzüge der entsprechenden Matisse-Bilder, die die zeitgenössische Komponistin zu ihrer „La Melodie und zu „La Danse“ inspiriert hatten, hatte er hinter sich platziert und erläuterte zunächst die Bilder. Karizna verriet seinen Zuhörern außerdem, dass er bereits sieben Jahre in Paris gelebt habe und noch zwei in Kronberg bleiben werde. Kronberg gefalle ihm besser als die Großstadt, da er hier inmitten der Natur mehr Ruhe finde, um über Musik nachzudenken. Ursprünglich hatte der junge Musiker Arzt werden wollen. Aber Arzt und Musiker hätten doch auch einige Gemeinsamkeiten, stellte er fest. Ein Musiker könne über seine Musik ähnlich einem Psychologen vielen Menschen helfen, dass sie sich besser fühlten.

In Anlehnung an die unterschiedlichen Herkunftsländer der Musikerinnen und Musiker hatten Altstadtkreis-Mitglieder zum 25. Jubiliäum der Kronberg Academy selbst in der Küche gestanden und für die Stationen kleine Köstlichkeiten zubereitet.

Steven Waarts aus den USA hatte in der Receptur für die gespannt lauschenden Gäste gleich drei Stücke vorbereitet: Mit „Old Folks at Home“, einem alten amerikanischen Volkslied von Stephen Foster fesselte er seine Zuhörer von der ersten Minute an und nahm sie mit auf eine schwungvolle Reise durch die amerikanische Musikgeschichte. Bei George Gershwins „It Ain‘t Necessarily So“ bekamen die Zuhörer einen Eindruck seines musikalischen Könnens – wenn er der Geige von zarten Tönen bis zu Zupfen, Trällern und schließlich einem aufrüttelnden emotionalen Rauschen alles abverlangte, um sie bei seinem dritten Beitrag, der Charly Chaplin-Filmmelodie „Smile from Modern Times“ – nun wimmernd und flötend – wie eine Bildergeschichte in flimmernden Schwarz-Weiß-Aufnahmen erzählen zu lassen.

Nach eineinhalbstündigem musikalischem „Lustwandeln“ durch die Innenstadt waren sich die Gäste einiger denn je – „Das war ein wunderschönes Erlebnis und eine tolle Idee.“ Gemeinsam fand man sich zum Abschlusskonzert in der Zehntscheune ein, wo der Gründer und künstlerische Leiter der Kronberg Academy, Raimund Trenkler sie herzlich begrüßte. „Ich glaube, die Idee, etwas für unsere nächsten Nachbarn zu tun – denn hier in der Altstadt sind die jungen Musiker aus aller Welt in den alten Gemäuern schließlich zuhause – ist gelungen“, sagte er. 25 Solisten aus 20 verschiedenen Nationen studieren derzeit in der Stadt. „Sechs davon können sie nun beim Abschlusskonzert noch einmal gemeinsam erleben“, so Trenkler. Dass Musik die Sprache der internationalen Verständigung ist und diese in Kronberg ihre Heimat gefunden hat, erlebten die Zuhörer anschließend beim Streichsextett „Souvenir de Florence“ von Peter Tchaikovsky als eindrucksvollem Finale. Auch hier sprang der Funken der Musik als bindendes Glied sofort auf das Publikum über, das den ausdrucksstarken Beitrag mit langanhaltendem Applaus quittierte. Dank hatte es von Seiten Trenklers und des Altstadtkreis-Vorsitzenden Hans-Willi Schmidt zuvor auch an die jungen Organisatorinnen dieses musikalischen Projekts für die Kronberger Bürger gegeben. „Dass heute so viele Menschen hierher gekommen sind, das ist eurer Verdienst“, betonte Schmidt. Für alle Anwesenden war plötzlich spürbar, was den jungen Damen, die mit einem Teil der Studierenden gemeinsam in einer Wohngemeinschaft mitten in Kronberg leben, schon lange bewusst ist: In der kleinen Burgstadt Kronberg ist die musikalische Welt zuhause.

Wer von diesem Gefühl und der Musik mehr erleben möchte, darf sich über „Chamber Music Connects the World“ in diesen Tagen in der Stadt freuen. Bei „Chamber Music Connects the World“ kommen ausgewählte junge Musiker mit weltbekannten Künstlern zusammen uns musizieren zehn Tage gemeinsam: Experimentierlust vom ersten Tag bis zum letzten der sieben Konzerte, mit vielen bewegenden Momenten und Musik auf höchstem Niveau. Die Bürger sind von Anfang an eingeladen, den öffentlichen Proben beizuwohnen.

v.l.n.r.: Emily Winter (18), Esther Bauer (18) und Luca Waschbüsch (19) wurden für ihre Idee des Wandelkonzertes und die gelungene Organisation gefeiert.

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