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25-jährige italienisch-deutsche Städtepartnerschaft als Fundament des europäischen Gedankens

Kronberg (pu) – Die 1993 geschlossene, ursprünglich auf Privatinitiative (wir berichteten) zurückgehende, Partnerschaft zwischen der italienischen Kleinstadt an der Adria Porto Recanati in der Provinz Macerata (Region Marken) und Kronberg ist von Beginn an von großer Herzlichkeit geprägt.

Verdienste

Dementsprechend warmherzig fiel der Applaus aus, als am Festabend in der Stadthalle zum Auftakt der Feierlichkeiten „35 Jahre Städtefreundschaft, 30 Jahre Freundeskreis und 25 Jahre Städtepartnerschaft“ Alan Vogl, einer der Motoren und Säulen dieser Freundschaftsverbindung, zu seiner großen Überraschung von Bürgermeister Klaus Temmen und Stadtverordnetenvorsteher Andreas Knoche mit der Ehrenplakette der Stadt Kronberg ausgezeichnet wurde.

Als eines der Gründungsmitglieder übernahm der Engländer, der 1967 nach Kronberg zog und inzwischen, wie er am Festabend preisgab, die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, am 17. November 2000 in unruhigen Zeiten
Verantwortung und führte das Vereinsboot als Frontmann wieder in ruhige Gewässer. Und damit nicht genug. Bürgermeister Klaus Temmen lenkte den Blick der italienischen und deutschen Festgäste in diesem Zusammenhang auf Vogls schon vorher geleistetes Engagement „im damaligen Freundeskreis Kronberg-Porto Recanati, der im September 1988 gegründet wurde. Aus dieser Vereinigung ging der mittlerweile rund 300 Mitglieder zählende Partnerschaftsverein Kronberg-Porto Recanati hervor.“

Unter
seiner

von Fürsorge, Gewissenhaftigkeit und Zukunftsorientierung geprägten 15-jährigen
Ägide erwachte der Verein
nach übereinstimmenden Aussagen zahlreicher Kronberger
zum Leben
, entwickelte sich zu einer der Säulen und Motoren der vier Städtepartnerschaften und bereichert das kulturelle Leben in vielfältiger Form. Sei es durch die Teilnahmen an Fastnachtsumzügen (alle zwei Jahre), am Floh-, Kunst- und Wein- sowie Weihnachtsmarkt, Europatag, Da Capo, Waldreinigung, Neujahrsdialog, das aus der Taufe heben von Notte Italiana und regelmäßigen Stammtischen jeden zweiten Montag im Monat, das Anbieten von Italienisch-Kursen, liebevoll und bis ins letzte Detail organisierte Reisen in die Partnerstadt, Radtouren, Tagesausflügen und vieles mehr. Nicht zuletzt setzte sich Alan Vogl zusammen mit dem Vorstand des Partnerschaftsvereins und dem Verein Heckstadt – Freunde Oberhöchstadts für die vor zwei Jahren durchgeführte Sanierung des Anfang 1994 eingeweihten Porto Recanati-Platzes ein und begeisterte als langjähriges aktives Mitglied im Orchester des Musikvereins Kronberg, das mehrmals in der Partnergemeinde zu Gast war, auch die italienischen Freunde. Der Partnerschaftsverein Kronberg-Porto Recanati würdigte die außergewöhnlichen Verdienste seines langjährigen Vorsitzenden direkt nach dessen Amtsende im Februar 2015 mit der Ehrenmitgliedschaft. Nun setzte die Stadt Kronberg im Taunus ein weiteres bleibendes Zeichen der Anerkennung.

„Alle diese Aktivitäten erfordern ein hohes Maß an persönlichem Engagement und Zeitaufwand. An dieser Stelle gilt mein Dank auch seiner lieben Ehefrau Anne, die ihn mit Rat und Tat bei seinen vielen Aktivitäten unterstützt hat, die sonst in diesem Umfang sicher nicht möglich gewesen wären“, hob Temmen hervor, bevor er gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteher Knoche die Ehrung vornahm, die aus einer silbernen Plakette, einer silbernen Ehrennadel und einer Urkunde bestand.

Dieser Moment zählte zweifellos zu den Höhepunkten des ersten Teils der Feierlichkeiten, die am Montag mit der seit Jahren üblichen „Spaghettada“ im katholischen Gemeindezentrum St. Vitus ihren Abschluss fanden.

Begonnen hatte der Sommer-Abend mit einem Sektempfang am Partnerschaftsbrunnen am Berliner Platz und auf die kommenden Stunden einstimmenden Liedern der 1. Kronberger Laienspielschar. Nach dem Umzug in den Festsaal Kronbergs „Gudd Stuub“ begrüßten Bürgermeister Klaus Temmen und Stadtverordnetenvorsteher Andreas Knoche die geladenen Gäste, darunter die 46-köpfige Delegation aus der italienischen Partnerstadt mit dem seit zwei Jahren amtierenden Bürgermeister Roberto Mozzicafreddo und seiner Frau Anna, dem Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Porto Recanati-Kronberg, Riccardo Rovazzani mit Ehefrau Gladys und den Ehrenpräsidenten des Vereins aus Porto Recanati, Giovanni und seinem Sohn Alessandro Rovazzani an der Spitze.

Europäische Idee

Nach Überzeugung des Kronberger Rathauschefs sind Städtepartnerschaften das Fundament des europäischen Verständnisses. „Der aus den Beziehungen heraus entstehende enge Kontakt zwischen Europäern unterschiedlicher Nationen bildet nach wie vor die Grundlage für das Gelingen der europäischen Idee. Gerade in der heutigen Zeit, in der sich viele Länder leider eher vom europäischen Gedanken entfernen, mehr und mehr nationale Interessen in den Fokus treten und selbst ein Verlassen der EU traurige Realität wird, wie im Falle des Brexits von Großbritannien im nächsten Jahr, ist es umso bedeutender, den europäischen Gedanken zu fördern und zu stärken“, schwor Temmen die Anwesenden ein, in ihrem unentwegten Bestreben diesem Gedanken nicht nur selbst Rechnung zu tragen, sondern an die nachkommenden Generationen weiterzugeben, nicht nachzulassen. Andreas Knoche nahm diesen roten Faden auf und ergänzte: „Die Städtepartnerschaften werden gerne als Motoren des Europäischen Gedankens bezeichnet und was passiert, wenn Fremde zu Freunden werden und diese Freunde wiederum ihre Freunde mitbringen, wenn Alte und Junge gemeinsam am Tisch sitzen, miteinander reden, feiern und Erlebnisse teilen, das sehen wir am Beispiel unserer Städtepartnerschaft mit Porto Recanati seit nunmehr 25 Jahren.“ Der Stadtverordnetenvorsteher erinnerte an die Entwicklung Europas seit 1993, die Erweiterung der Europäischen Union, des Herzstücks Europas, dessen Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis 2012 für den Einsatz für Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte, den Euro als einheitliches Zahlungsmittel seit 2002.

Knoche weiter: „Europa ist für uns alle, liebe Freunde, eine identitätsstiftende Einheit in der Vielfalt von Ländern, Landschaften, Sprachen und Kulturen. Nur ein geeintes, starkes Europa kann sich in einer globalen Welt behaupten. Dazu gehört auch, die Herausforderungen gemeinschaftlich anzugehen, wie etwa durch die Zuwanderung aus Krisen- und Armutsgebieten, Probleme durch regionale Konflikte und Bedrohungen, Wirtschaftsprobleme und Finanzkrisen. Diesen müssen wir furchtlos und zusammen begegnen. Es gilt immer wieder zu versuchen, auf staatlicher Ebene gemeinsame, langfristig tragbare Lösungen zu finden.“

Gemeinde- und Städtepartnerschaften leisteten dazu einen wichtigen Beitrag, alle Bürgerinnen und Bürger Europas seien zur Zusammenarbeit aufgerufen. „Das Fundament Europas sind Frieden, Freiheit und Demokratie. Diese Werte gilt es auch weiterhin zu verteidigen – mit Leidenschaft und Courage!“, erklärten Temmen und Knoche mit Nachdruck. Ihr warmherziger Dank galt allen, die sich in den Partnerschaftsvereinen für die Verschwisterung in beiden Städten engagiert haben und dies bis heute in vielfältiger Weise tun sowie den Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft.

Porto Recanatis neuer Bürgermeister Roberto Mozzicafreddo nahm den zugespielten Ball nur allzu gerne auf: „Ich habe immer diese Initiative besonders geschätzt, weil sie echte, tiefe und starke Gründe hat. Dieses Projekt der Städtepartnerschaft hat es unserer Stadt Porto Recanati ermöglicht, einen wirklich wahren Weg einzuleiten, der durch unmittelbare Begegnungen zur Gründung eines Respekts- und Freundschaftsverhältnisses, in all den Jahren geführt hat. Durch diese Grundwerte, wie Freundschaft und Respekt können wir eine immer stärkere Europäische Union ausbauen und erweitern“, verlieh auch er seiner festen Überzeugung Ausdruck. Es sei heute notwendiger denn je, sich auf einen Einigungsprozess mit menschlichen und moralischen Zielen verlassen zu können, gemeinsame Projekte zu haben – eine Wachstumschance, die es zu schätzen und weiterzuentwickeln gelte. Mozzicafreddo versicherte, er werde „weder an Bemühungen noch an Energien für dieses Projekt Städtepartnerschaft, auf das ich vertraue, sparen“, einem der unmittelbarsten und wirksamsten Mittel damit „wir uns und unsere Kinder sich immer mehr und mehr als europäische Bürger und Bürgerinnen fühlen können“ und der Möglichkeit, „unser Bestes sowie unsere Werte, Fähigkeiten und Innovationen zu äußern – all dies ohne Wettbewerb, sondern im Einklang und mit einem konstruktiven und solidarischen Geist für ein Europa mit gemeinsamen Projekten über Sicherheit, Wirtschaft, Energie und Forschung; für ein Europa mit Aufwertung vom Humankapital, Ausbildung und Kultur; für ein Europa von Menschen, mit neuen Ideen und Chancen.“

Prägende Persönlichkeiten

Die seit einem Vierteljahrhundert währende Partnerschaft und die vorherige Freundschaftsphase prägten eine ganze Reihe engagierter Menschen, die sich und ihre Persönlichkeit einbrachten und diese Verbindung mit Leben erfüllten und erfüllen. Der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins „Amici di Kronberg“, Riccardo Rovazzani, schloss in seinen Dank auch all jene ein, die bedauerlicherweise nicht mehr unter uns weilen und lud alle anderen zu Teil zwei Mitte September in Porto Recanati stattfindenden Feierlichkeiten ein. Die aktuelle Vorsitzende des hiesigen Partnerschaftsvereins, Gabriele Gelbert, nutzte den würdigen Rahmen zur Erinnerung an die Entstehung dieses Freundschaftsbandes, an dessen wachsender Festigkeit von deutscher Vereinsseite die bisherigen Vorsitzenden Reiner Stein, Gisela Aha (langjährige Vorsitzende), Antonio Cescon, Dr. Gerhardt Schuchardt, Alan Vogl und nunmehr Gabriele Gelbert in maßgeblicher Weise knüpften und knüpfen ebenso wie die in dieser Zeit involvierten Bürgermeister Rudolf Möller, Wilhelm Kreß und Klaus Temmen.

Für die „Geburtshelfer“ beziehungsweise diejenigen, die am 1. November 1988 an der ersten Mitgliederversammlung teilnahmen, gab es daher Präsente. Auf die Bühne wurden gerufen: Elisabeth und Manfred Berty, Marie-Luise Böhm, Monika Ceglarz, Antonio Cescon, Inge Eiser, Doris und Karl-Heinz Jüngst, Ingrid und Anton Kunkel, Gerti Kurth, Brigitte Möller, Reinhard Stein, Anne und Alan Vogl, Traudel und Günther Wulle, Laura Fiore, Karin Schölzel und Irmgard Böhlig.

Erneuerung

Ein weiteres Glanzlicht setzte die Erneuerung der offiziellen partnerschaftlichen Verbindung zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger beider Länder durch die Unterschriften der offiziellen Vertreter der Stadt Kronberg der Stadt Porto Recanati sowie der beiden Partnerschaftsvereine. Den familiär-würdevollen Festabend rundeten die begeisternde musikalische Umrahmung durch das Orchester des Mandolinenclub Falkenstein unter Leitung von Dirigentin Natalia Alencova, die im Verlauf zusammen mit Vittorio Solazzi sogar als internationales Duett auftrat ebenso ab wie die Ausstrahlung des Imagefilms der Stadt Kronberg in pünktlich zum Jubiläum fertig gewordener italienischer Übersetzung. Last not least trugen zum Gelingen des Abends das Team Hoyer vom Haus Altkönig, die Servicekräfte des Altstadtkreises, das Hausmeister-Team der Stadthalle, Bierbrauer Stefan Schmidt, die für die Logistik verantwortlichen Andreas Feldmann und Heike Stein von der Stadt Kronberg, die Kronberger Rittergarde und der Thäler Bürgermeister Alexander Ritschel bei.

Am verlängerten Fest-Wochenende standen außerdem neben dem Kunst- und Weinmarkt noch Tagesausflüge nach Fulda, Rüdesheim und Frankfurt, Besuch des Gottesdienstes in St. Vitus mit anschließendem kleinem Empfang auf dem Porto Recanati-Platz auf dem Programm.

Alan Vogl (rechts), langjähriger Vorsitzender und Ehrenmitglied des Partnerschaftsvereins Kronberg-Porto Recanati, bei der Verleihung der städtischen Ehrenplakette durch Bürgermeister Klaus Temmen (Mitte) und Stadtverordnetenvorsteher Andreas Knoche.
Foto: S. Puck

Ehre, wem Ehre gebührt! Ein Teil der „Geburtshelfer“, die von den ersten Stunden an dabei waren

Porto Recanatis Bürgermeister Roberto Mozzicafreddo setzt seine Unterschrift unter die Erneuerung des Partnerschaftsvertrags.

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