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Schneidhainer Sänger feiern den Frühling und 125 Jahre Verein

Schneidhain (hhf) – „Holde Närrinnen und Narrhallesen...“ kurz nach zwölf Uhr mittags war es so weit, Moderator Gerhard Heere war angesichts einer vollen Heinrich-Dorn-Halle in die falsche Veranstaltung gerutscht. Das Publikum quittierte umgehend mit mehrfachem „Helau“ und Olli Ernst an der Tontechnik hatte den Narrhallamarsch parat – so läuft es eben in Schneidhain. Bei bester Laune hatten sich freilich nicht die Narren, sondern die Sänger in der Mehrzweckhalle versammelt, um ihr 125-jähriges Bestehen zu feiern.

Schon auf dem Weg zur Veranstaltung, die pünktlich um zehn Uhr begann, damit einige Chorleiter noch andere Termine an diesem Tag wahrnehmen konnten, lag ein Klangteppich über dem ganzen Viertel, denn sowohl im evangelischen Gemeindehaus, als auch im Dorfgemeinschaftshaus und sogar in den Umkleidekabinen sangen sich die Chöre warm. Den Reigen in der ebenso liebevoll wie üppig mit Blumen dekorierten Halle eröffneten natürlich die Gastgeber musikalisch, dann fasste Helga Hunkel, die Vorsitzende des Gesangvereins 1893 Schneidhain, dessen Geschichte kurz zusammen.

Im Mai 1893 hatten sich laut Überlieferung 200 Männer in Schneidhain getroffen, um gemeinsam zu singen, dann gründeten sie den Gesangverein „Deutsche Eiche“. Vermutlich sind nicht alle 200 Schneidhainer gewesen und auch nicht alle dem Verein beigetreten, doch wenn man bedenkt, dass zum Beispiel im selben Jahr auch in Königstein ein Gesangverein gegründet worden ist, liegt die Möglichkeit nahe, dass man musikalische Unterstützung zum großen Ereignis bekommen hatte. Jedenfalls gehörte die Kontaktpflege mit den Nachbarn fortan zu den wichtigsten Aufgaben der Sänger, die sogar Theaterstücke aufführten und zu Weihnachten oder Fasching bald nicht mehr wegzudenken waren.

Genau das musste man jedoch in der Zeit vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg, der Chorgesang ruhte wie in vielen Gemeinden Deutschlands. Erst in den 1950er-Jahren wurde der „Männnergesangverein Schneidhain“ wieder gegründet (für 1953 sind 54 aktive Sänger belegt), der sich 1988 wegen Nachwuchsproblemen mit dem Frauenchor zusammentat und seitdem „Gesangverein 1893 Schneidhain“ heißt – es gab also auch noch „30 Jahre gemischter Chor“ zu feiern und reichlich Blumen für verdiente Mitglieder wie Marga Geis oder Chorleiterin Agnes Gottschalk.

Auch die offiziellen Gratulanten gaben sich das Mikrofon in langer Reihe weiter, Kathrin Hechler sprach als Kreisbeigeordnete für den Landrat: „Wo man singt, kann man schlechte Laune nicht lange behalten.“ Walter Krimmel sprach für den Hessischen Sängerbund und auch für den Deutschen Chorverband und hatte die entsprechenden Urkunden im Gepäck, während sein Falkensteiner Sangesbruder Walter Schäfer im Namen des Sängerkreises Hochtaunus einen geheimnisvollen Umschlag überreichte. Bürgermeister Leonhard Helm hatte den Beitrag der Stadt dagegen zur Sicherheit überweisen lassen: „Das Geld müsste schon auf Ihrem Konto sein.“ Während die Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde und Brauchtum daran erinnerte, dass 1893 unter anderem ein gewisser Herr Diesel zum Patentamt ging, waren sich die übrigen Redner einig, dass der Chorgesang zwar mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat, aber durch Wandlungsfähigkeit mit Projektchören und modernem Liedgut zuversichtlich in die Zukunft schauen kann. Leonhard Helm hat sogar beobachtet, dass unsere Jugend gerne und oft singt – nur meistens alleine und mit einem Knopf im Ohr. Dem setzten als Jubiläumsgäste mehrere Chöre eine volle Bühne entgegen, so waren der MGV 1875 Falkenstein gekommen, der MGV 1871 aus Oberreifenberg, die Singgemeinschaft MGV Fischbach/Svgg Alemannia Concordia Ruppertshain stellte den zahlenmäßig größten Chor auf die Bühne und Königstein grüßte mit den Kurharmonix.

Nach einer Mittagspause mit Grüner Soße, Leberkäs oder Bockwürstchen und dem passenden Wein dazu revanchierten sich die Schneidhainer Sänger schließlich noch mit einem großen Konzert, das in 15 Liedern plus Zugabe den Frühling ausgiebig feierte – und der bedankte sich mit einem wunderschönen Frühsommertag.

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