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Ziegen helfen beim Natur- und Denkmalschutz

Königstein (kw) – Burgen sind wichtige Zeugen der Vergangenheit und damit Denkmale. Zugleich bilden sie Biotope für seltene Tiere und Pflanzen. Diese Biotope sind schützenswert, genauso wie die historische Bausubstanz. Doch dafür muss unerwünschter Bewuchs reduziert beziehungsweise beseitigt werden. Auf der Königsteiner Burgruine übernehmen nun Ziegen diese Aufgabe.

Landwirt Jörg George vom Talhof in Usingen führte letzte Woche seine kleine Ziegenherde vor die Tore der Königsteiner Burgruine. Die Ziegen werden in den nächsten Wochen eine an die Burgmauern angrenzende Grünfläche beweiden. Das ist Teil eines Forschungsprojekts, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wird und vereint den Denkmal- und den Naturschutz auf der Burgruine Königstein. Im Zuge dieses Projekts wird ein „Burgpflegewerk“ erstellt, das der bauhistorischen Bedeutung des altehrwürdigen Denkmals ebenso gerecht wird wie seiner Bedeutung als Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten.

Eindämmung von Sträucher- und Baumwachstum

Die Ziegen sollen das Wachstum von Sträuchern und Bäumen eindämmen, die hoch und dicht am Mauerwerk stehen. Laut Dr. Gerd Strickhausen, dem Leiter des DBU-Projektes, bringt dieser Bewuchs Probleme mit sich: „Die Burgruine verliert ihre Eignung als Rückzugsraum für seltene Tiere und Pflanzen. Denn auf den sonnenerwärmten Steinen fühlen sich ganz andere Arten heimisch als auf schattigen, bewaldeten Flächen.“ Der bis dicht an die Mauern heranreichende Bewuchs führt zudem dazu, dass verholzende Pflanzen sich leicht auf den Mauern ansiedeln können. Anders als beispielsweise Moose oder Flechten schädigen holzbildende Pflanzen das Mauerwerk durch eindringende Wurzeln. Die Freifläche zwischen den Mauern und den angrenzenden Bäumen und Sträuchern soll deshalb auch als Schutzzone wirken.

Vierbeiner im Vorteil und kostengünstig

Mit den Ziegen hat Dr. Strickhausen eine reizvolle Alternative ins Spiel gebracht. In dem teils steilen und unwegsamen Gelände sind die Vierbeiner klar im Vorteil. Das Abholzen der Flächen wäre für die Stadt eine arbeitsintensive, immer wiederkehrende Aufgabe. Der Einsatz der Ziegen ist um ein Mehrfaches günstiger.

Es sind Thüringer Waldziegen, die als besonders robust und widerstandsfähig gelten. Sie sind aus einer Kreuzung der Toggenburger Ziege mit den thüringischen Landschlägen hervorgegangen. Früher wegen ihrer guten Milchleistungen geschätzt, zählen sie heute – trotz ansteigender Zahlen – noch immer zu den vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen. Die Herstellung von Milchprodukten aus Ziegenmilch ist eines der Standbeine des Hofs. Doch die Tiere eignen sich auch für „höhere“ Aufgaben. So hat George jahrelange Erfahrung mit dem Einsatz der Ziegen in der Landschaftspflege. Sie werden so lange in dem eingezäunten Bereich an der Burgmauer verbringen, bis sie den Bewuchs dort wirksam reduziert haben. Sie sollen den Aufwuchs abfressen und kleine sowie etwas größere Bäumchen schälen, so dass diese schließlich absterben. Geplant ist, dass sie einen breiten Streifen vor den Mauern von Gehölzen freihalten, sodass dort krautige Vegetation anstelle von Wald entstehen kann. Erst wenn die Fläche vollständig abgeweidet ist, führt Landwirt George sie auf den nächsten Abschnitt.

Erstes Pilotprojekt

In diesem Jahr sind zwei größere Bereiche für die Beweidung vorgesehen. Nach dem ersten Termin im Mai ist noch ein zweiter im Herbst eingeplant. Diese beiden Beweidungsflächen bilden gemeinsam ein erstes Pilotprojekt. Dabei kommen zunächst einmal nur Ziegenböcke auf die Fläche. Jörg George vom Talhof erläutert, dass die Böcke sich einfacher hüten und halten lassen als weibliche Ziegen. Sie werden nicht so schnell nervös und sind unempfindlicher gegenüber Störungen durch die Burgbesucher.

Die Tiere werden von einem unter Spannung stehenden Elektrozaun, den sie vom Talhof her gewohnt sind, von Ausflügen in die Umgebung abgehalten. Dazu gibt es keine wirklichen Alternativen. Landwirt George weiß aus Erfahrung, dass normale Zäune kein dauerhaftes Hindernis für die Tiere darstellen. Die Elektrozäune wird er jeden Tag kontrollieren und dabei gleichzeitig einen Blick auf die Ziegen werfen sowie das Frischwasser auffüllen. Sogar ein kleiner Luxus wird den Tieren in ihrem temporären Zuhause zugestanden. Sie bekommen ein Sonnensegel, unter das sie sich zurückziehen können.

Alte Bilder zeigen, dass der Berggipfel mit der Burgruine bis vor rund 150 Jahren weitgehend kahl war. Seit der Zeit, als die Königsteiner Burg noch Mainzer Festung war, diente dies – wie bei vielen anderen Burgen – dazu, anrückenden Feinden eine unbemerkte Annäherung an die Burg zu verwehren. Schon damals wurde das durch eine Beweidung erreicht. Heute freut die Stadt sich, wenn viele Besucher kommen, und Schutz vor Feinden ist nicht mehr vonnöten. Ziel der Beweidung ist nicht mehr die Freistellung des Burgbergs, die nur durch Abholzung zu erreichen wäre, sondern eine kontinuierliche, schonende und kostengünstige Pflege – eine Aufgabe, die wie gemacht ist für die Ziegen.

Weitere Informationen zum Talhof Usingen mit seinen Ziegen stellt Jörg George auf seiner Webseite bereit: www.talhof-usingen.de.

Guido Wollenberg

In dem teils steilen und unwegsamen Gelände sind die Vierbeiner klar im Vorteil. Das Abholzen der Flächen wäre für die Stadt eine arbeitsintensive, immer wiederkehrende Aufgabe. Der Einsatz der Ziegen ist um ein Mehrfaches günstiger.

Foto: Guido Wollenberg

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