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Weihnachtszeit in Königstein vor dem „Großen Krieg“

Repros: Stadtarchiv

Königstein (kw) – Im vergangenen Jahr 2018 jährte sich das Ende des 1. Weltkriegs zum 100. Mal. Dieser Bericht aus dem Stadtarchiv lenkt den Blick auf die Zeit vor Ausbruch des Kriegsgeschehens.

Besondere Weihnachtsangebote beherrschten auch vor 105 Jahren den Anzeigenteil der Tageszeitung. Schade & Füllgrabe in der Hauptstraße 35 bot „ein Pfund Gans“ für 74 Pfennig an. Orangen und Mandarinen wurden stückweise angeboten: für eine Mandarine mussten 5 Pfennig bezahlt werden.

Martin Keutner in der Hauptstraße 13 pries zum Weihnachtsfest erstklassige Lederwaren an, darunter Taschen, Etuis und Schultornister. Damals befand sich in der Hauptstraße 14 die Konditorei Kowald, die mit „Makronen-Nikoläusen“ warb. Die Firma Jean Alter hatte sogar eine Weihnachtsausstellung und empfahl Nähmaschinen, „Beleuchtungskörper“ und Haartrockenapparate.

Im Dezember 1913 trafen sich in Königstein viele Vereine zu Versammlungen und Veranstaltungen. Interessanterweise hielt am 14. Dezember 1914 ein Redner aus Frankfurt, Dr. Ernst Vatter, einen Vortrag zum Thema „Die Balkanhalbinsel und ihre Bewohner“ und machte darauf aufmerksam, „dass es nicht von der Hand zu weisen sei, dass neue Unruhen die Halbinsel heimsuchen dürften“. Wie wahr, denn die Unruhen, die dann im Sommer 1914 entstanden, blieben nicht nur auf den Balkan beschränkt, sondern führten direkt zum 1. Weltkrieg, dem Krieg, den die Franzosen als „Großen Krieg“ bezeichnen.

Die ausgesprochen populäre ehemalige Landesherrin, Adelheid Marie, Großherzogin-Mutter von Luxemburg, Herzogin von Nassau, feierte am 24. Dezember 1913 ihren 80. Geburtstag, allerdings nicht in Königstein, sondern in Karlsruhe bei ihrer Tochter Hilda und dem Schwiegersohn Friedrich Großherzog von Baden. Aber: gleich ob Adelheid Marie anwesend war oder nicht – es wurde gefeiert! So traf sich am 22. Dezember der Krieger- und Militärverein zu einer Feier im Gasthaus „Zum Hirsch“, auf der Lehrer Stillger eine Laudatio auf das nassauische Fürstenhaus und insbesondere auf Adelheid Marie hielt. Trotz ihrer Abwesenheit wurden die Häuser mit Fahnen geschmückt. Die evangelische Kirchengemeinde, die der Herzogin so viel verdankte, schenkte ihr eine Vase aus nassauischem Marmor, die Stadt Königstein schenkte ein Aquarellbild, das von Professor Carl Nebel (Städel-Institut Frankfurt) gefertigt worden war. Es fällt auf, dass in der Zeit direkt nach den Festtagen noch besondere Feiern durchgeführt wurden: Der Turnverein Königstein lud für den 26. Dezember zu einem Ball in das Hotel Georg (heute Stadtbibliothek Königstein) ein. In den Tanzpausen wurden von Vereinsmitgliedern „turnerische Übungen“ vorgeführt.

Bereits am 21. Dezember, aber dann nochmals am 28. Dezember führte der katholische Marienverein im Hotel Procasky seine Weihnachtsvorstellung auf. Es handelte sich um verschiedene Sketche, die Titel wie „Dienstmädchen wider Willen“ oder „Syra oder die christliche Sklavin“ trugen.

Das Grand Hotel (heute KVB-Klinik) wartete in der Nachweihnachtszeit sogar mit einer „Weihnachtswoche“ auf, die am 26. Dezember mit einem Ball begann und an nachfolgenden Tagen „Kinematografische Uraufführungen“ bot. Am 29. Dezember fand erstaunlicherweise ein Weihnachtsmarkt mit Schlachtfest statt. Silvester wurde mit Festsouper, Ball und Feuerwerk begangen. Wer an den Veranstaltungen teilnehmen wollte, konnte sich Karten beim Portier des Grand Hotel erwerben.

Zum wichtigen Thema Wetter: am 5. Dezember 1913 fiel der erste Schnee. An den Weihnachtsfeiertagen gab es viel Schneefall mit Sturm und Schneeverwehungen, auf dem Großen Feldberg lagen schließlich 60 cm Schnee. Viele Besucher, darunter natürlich Skifahrer, kamen in diesen Tagen nach Königstein und die Rodelbahn am Romberg war, wie die Zeitung vermeldete, „tadellos in Schuss“.

Vermutlich wegen der großen Kälte verlief die Silvesternacht ruhiger als sonst, es gab weniger Böllerschießen als üblich. Am 1. Januar abends lud der katholische Volks-, Gesellen- und Jünglingsverein zu einem Familienabend mit Theateraufführung und Tanz in das Hotel Procasky ein. Viele Königsteiner Geschäftsleute wünschten „Prosit Neujahr!“ oder „Herzliche Glückwünsche zum neuen Jahr!“. Wer in Königstein wird damals geahnt haben, dass acht Monate später Krieg herrschte und dieser sich spürbar im Alltagsleben bemerkbar machte?

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