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Auf den Spuren des historischen „Bad Königsteins“

Stolze Organisatorin und Repräsentantin einer gelungenen Ausstellung im Rathaus zum Thema „Historisches Königstein vor 100 Jahren“. Stadtarchivarin Beate Großmann-Hofmann. Sie vermittelt mit ihrer Ausstellung interessante Einblicke in das Leben der damaligen Königsteiner Bürger während des 1. Weltkrieges. Foto: Schnurawa

Königstein (js) – Wie war das Leben in Königstein vor 100 Jahren? In welchen Umständen haben die Menschen in Anbetracht des 2. Weltkrieges gelebt? Diese und ähnliche Fragen haben sich sicherlich schon viele hier Ansässige einmal gestellt. Stadtarchivarin Beate Großmann-Hofmann ist dieser Frage einmal auf den Grund gegangen und hat im Zuge einer umfassenden Recherche so allerlei Wissenswertes und Interessantes zu Tage gefördert. Keine einfache Aufgabe, wenn man bedenkt, dass auf Zeitzeugen nicht mehr zurückzugreifen ist. Rund acht Wochen hat sie sich eingehend mit den Freuden, Nöten und Belangen der damals in Königstein Lebenden auseinandergesetzt. Die Idee dazu sei jedoch bereits schon etwas länger vorhanden gewesen, gab die Stadtarchivarin zu, bei der nie irgendetwas ohne Plan und Struktur geschieht, aber eine Vernissage im Rathaus zu organisieren, benötige ja bekanntlich eine längere Vorlaufszeit. Umso mehr freue sie sich nun auf die Präsentation des historischen Königsteins von 1915 in den Räumlichkeiten des Rathauses. „Frau Großmann-Hofmann ist schon fast eine echte Königsteinerin, auch wenn sie hier nicht ansässig ist“, so Bürgermeister Leonhard Helm, der ihr großes Interesse und Engagement im Dienste der Stadthistorie durchaus zu schätzen weiß. Die Ausrichtung einer solchen Vernissage verdiene allein schon wegen der aufwändigen Recherche und Auffindung des Materials größten Respekt. Umso erfreuter sei er da, dass auch diese Präsentation bei den Bürgern so regen Zuspruch finde. Die Ausstellungen von Beate Großmann-Hofmann stellten zudem schon so etwas wie eine feste Größe dar, die kaum mehr aus dem kulturellen Bereich wegzudenken sei. Zu beobachten sei weiterhin, wie sehr das Publikum je nach Ausstellung variiere.

Der rote Faden zieht sich stets durch die Ausstellungen der Stadtarchivarin, die seit vielen Jahren schon auf den Spuren der Königsteiner Geschichte wandelt. So auch dieses Mal wieder, wo sie mittels unterschiedlicher Farben von Tonpapier Stimmungen und Gesinnungen der Lebensumstände der Menschen von 1915 versinnbildlichen möchte. Während die überwiegend in Grau gehaltenen Tafeln sich auf die Kriegswirren beziehen, stehen die eher freundlicheren Farben wie Rot oder Blau für die damals in Königstein kurende Prominenz, wie beispielsweise der Literat Friedrich Stoltze, der regelmäßiger Patient und Gast in dem damals schon beliebten Kurort war. Intellektuelle, Künstler und Adlige zog es gleichermaßen in den Kurort, der durch Dr. Georg Pingler, der dort sein erstes Sanatorium errichtete, das Zusatzprädikat „Kurort“ erhielt. Von Bedeutung ist auch der nach Königstein zugezogene Dramatiker Carl Sternheim (1878-1942), der das literarische Leben in entscheidendem Maße geprägt und beeinflusst hat.

Ein Stück weit veranschaulichend ist mithin auch das grüne Plakat mit seinen optimistischen wie hoffnungsvollen Neujahrswünschen, in denen zweifellos nur der stille Wunsch nach einem raschen Kriegsende und dem somit wieder hergestellten Frieden zum Ausdruck laut wird. Sie habe sich hier ganz bewusst für die grüne Farbe entschieden, meint Großmann-Hofmann, da diese die Menschen damals stark prägende Hoffnung symbolisiere. Trotz großer Kriegswirren habe man versucht, den Alltag irgendwie, so gut es geht, zu meistern. So hätten beispielsweise Kurkonzerte und andere kulturelle Ereignisse stattgefunden.

„Sich nicht unterkriegen lassen“ lautete die Devise der Bevölkerung und insbesondere der Frauen während des 1. Weltkrieges, die aufgrund der fehlenden Männer ihren Mann stehen mussten und auf sich selbst gestellt waren. Aus dieser Not heraus schlossen sich Frauen zusammen und gründeten verschiedene Frauenvereine, um schließlich ein Komitee zu bilden, das sich mit der Kriegsfürsorge beschäftigen sollte. Frauen sollten nämlich die Volksfrage während der Abwesenheit ihrer Männer lösen. Durchaus hilfreich waren diese Vereine für Frauen, denn hier bekam man nicht nur wichtige Tipps, um den Alltag besser meistern zu können, sondern konnte zudem auch noch wissenschaftlich-fundierten Vorträgen zum Thema Lebensmittel beiwohnen und sich auf diesem Weg auch weiter bilden. So zum Beispiel habe man erfahren können, wie man sich in der Schwangerschaft richtig ernähre und wie man die wenigen zur Verfügung stehenden Lebensmittel sinnvoll nutzen könne.

Zu sprechen kam die Stadtarchivarin auch auf bestimmte Situationen und Begebenheiten, die für uns heute kaum mehr vorstellbar sind. So zum Beispiel trug es sich zu, dass ein in Königstein lebender Mann, den niemand kannte und der dem Heldentod des Vaterlandes zum Opfer fiel, bei seiner Beerdigung das persönliche Geleit des Bürgermeisters erfahren durfte. „Heute kaum mehr denkbar, aber damals gehörte das zu den Aufgaben eines Bürgermeisters, einem solchen Zeremoniell beizuwohnen, um dem Toten den entsprechenden Respekt zu erweisen“, so Beate Großmann-Hofmann.

Eine wirklich zu Herzen gehende Geschichte ist jene von der jungen Künstlerin Louise Mallebre, Tochter des Großherzogs und Kutschers Johann Mallebre, die bereits mit 15 Jahren eine begnadete Künstlerin war und aufgrund einer schweren Krankheit schon in diesem zarten Alter sterben musste. Auch sie prägte das kulturelle Leben der Königsteiner, weshalb auch ihr eine Tafel in der Vernissage gewidmet ist.

Noch bis zum 27. Februar kann man auf den Spuren der Königsteiner von vor 100 Jahren und des den Ort prägenden Arzt Dr. Georg Pingler wandeln und so einen Eindruck von den alltäglichen Sorgen, Nöten aber auch dem stark ausgeprägten kulturellen Leben gewinnen. Allen, die sich noch eingehender mit dem Thema beschäftigen möchten, sei auch die Führung von der Organisatorin am 24. Februar ans Herz gelegt.

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