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Rotarier unterstützen DKMS-Registrierung am TGK

Die Oberstufenschüler nahmen ihre Aufgabe sehr ernst und erklärten den Spendern sorgfältig, wie sie den Abstrich der Wangenschleimhaut erhalten. Foto: Krüger

Königstein – Bereits zum zweiten Mal führte das Taunusgymnasium in Königstein eine Registrierungsaktion zugunsten der Deutschen Knochenmarkspende DKMS gemeinnützige GmbH durch. 2014 wurde in der Taunusschule ein passender Spender gefunden. Dies war Anlass genug, erneut zu einer Typisierungsaktion aufzurufen, so der Schulleiter Jochen Henkel. Er erinnerte die rund 150 Oberstufenschüler im Theaterraum ihrer Schule daran, dass Schule nicht nur das sprichwörtliche „Denken über den Tellerrand hinaus“ fördere, sondern vor allem auch die Bereitschaft, soziale Verantwortung zu übernehmen. „Keiner von uns ist vor einer Erkrankung gefeit“, appellierte der Schulleiter an die Schüler und bat sie um zahlreiche Beteiligung an der Typisierungsaktion. Unterstützt wurde er dabei von seinem Kollegen Ronny Peiniger, der schon vor vier Jahren die Registrierungsaktion der DKMS organisierte. Er verwies auf den ebenfalls anwesenden, ehemaligen Kollegen Axel Stolzenwaldt, der von 2004 an im Taunusgymnasium als Lehrer für Informatik, Deutsch und Politikwissenschaften tätig war, bis er im Jahr 2013 selbst die erschreckende Diagnose Blutkrebs erhielt und nur durch eine Stammzellentransplantation gerettet werden konnte. Da die Kosten für die Registrierung neuer Spender nicht vom Gesundheitssystem übernommen werden und jede Registrierung eines neuen Spenders die DKMS 35 Euro kostet, wurde die Aktion finanziell unterstützt von dem Rotary Club Bad Soden – Königstein.

Für die DKMS erklärte Natascha Döring, warum es wichtig sei, sich als Stammzellenspender registrieren zu lassen. Als weltweit größter Verbund von Spender-Dateien ist es das Ziel der DKMS, für jeden Patienten einen passenden Spender zu finden, um Blutkrebspatienten eine zweite Chance auf Leben zu geben. „Blutkrebs oder Leukämie ist eine Erkrankung des blutbildenden Systems, bei der sich die weißen Blutkörperchen übermäßig vermehren und dadurch die übliche Blutbildung stören“, erklärte Natascha Döhring. Deutschlandweit gebe es bereits 7,5 Millionen registrierte Spender. Weltweit haben sich schon 31 Millionen Menschen als Spender registrieren lassen. Dennoch gebe es immer noch für jeden siebten Patienten keinen passenden Spender, weil die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger nicht übereinstimmten. „Die einzige Chance auf ein neues Leben ist das Auffinden eines genetischen Zwillings“, fasste Natascha Döhring die Mission der DKMS zusammen und warb bei den Gymnasiasten dafür, als Spender für ein anderes Leben da zu sein.

Einer Registrierung geht die medizinische und datenschutzrechtliche Einverständniserklärung des Spenders voraus. Spenden kann jeder ab einem Alter von 17 Jahren bis maximal 55 Jahren und einem Mindestgewicht von 50 kg, soweit keine gesundheitlichen Ausschlussgründe vorliegen. Der Abstrich der Wangenschleimhaut erfolgt mittels Wattestäbchen. Jeder Spender entnimmt selbst das Probenmaterial, das anschließend im Labor untersucht wird. Das Probenmaterial wird pseudonymisiert, d.h. nur mit einer Spendennummer versehen aufbewahrt. Sollte eine mindestens 90-prozentige Übereinstimmung der Gewebemerkmale von Spender und Patienten vorliegen, wird der Spender erneut um sein Einverständnis zur Stammzellentransplantation gebeten. Erklärt er sein Einverständnis, kommt es in 80 Prozent der Fälle zu der periphalen Stammzellenentnahme. Dabei wird dem Spender über fünf Tage lang ein Medikament verabreicht, das die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut steigert. Anschließend wird dem Spender aus der Armvene Blut entnommen. Die darin enthaltenen Stammzellen werden in einem speziellen Verfahren herausgefiltert. Dem Spender wird ähnlich einer Blutwäsche sein Blut zurückgeführt. Das dauert im Regelfall ambulant drei bis fünf Stunden an maximal zwei Tagen. Die Knochenmarkentnahme hingegen erfordert einen zwei- bis dreitägigen Klinikaufenthalt, da aus dem Beckenkamm des Spenders unter Vollnarkose ein Knochenmark-Blut-Gemisch entnommen wird. Das Knochenmark des Spenders regeneriert sich vollständig binnen zwei Wochen.

Der ehemalige Lehrer Axel Stolzenwaldt schilderte beeindruckend klar und offen seinen eigenen Krankheits- und Genesungsverlauf. „Im Juni 2018 feiere ich meinen fünften Geburtstag dank der DKMS und meinem Stammzellenspender.“ Sein Appell an alle Schüler lautete: „Lasst euch registrieren!“ Er erhielt dafür große Zustimmung. Über 200 Schüler und Lehrer ließen sich daraufhin in einem eigens dafür vorbereiteten Klassenraum registrieren. Siebzehn Oberstufenschüler/innen warteten an Schulpulten auf ihre Mitschüler und Lehrer. Ausgestattet mit Einverständnis- und Datenschutzerklärungen, Wattestäbchen-Test und Stoppuhren notierten sie Namen und Anschriften sowie E-Mail-Adressen und Telefonnummern der Teilnehmer. Genauestens wurde erklärt, wie man die drei Wattestäbchen jeweils eine Minute lang an der Innenseite der Wange entlang reiben müsse, damit das Labor ausreichend Probenmaterial zur Verfügung habe. Manche Schüler waren ohne Zögern sofort bereit, sich registrieren zu lassen. Andere waren noch unsicher, stellten eine spätere Registrierung aber in Aussicht, sobald sie sich über das Ausmaß ihrer Entscheidung im Klaren seien. Und wieder andere Schüler bedauerten, die Altersschranke von 17 Jahren noch nicht überschritten zu haben.

Auf beeindruckende Weise ist es dem Taunusgymnasium gelungen, Aufmerksamkeit für Blutkrebserkrankungen und deren Behandlung zu schaffen und viele potenzielle Stammzellenspender zur Registrierung zu motivieren, um das Leben von Blutkrebspatienten zu retten.

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