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„Prost Ebbelwoi!“ TSG beginnt das Jahr süß/sauer

„Wer hat‘s gemacht?“ – die Antwort präsentierte Vereinspräsident (und Stadtrat) Jörg Pöschl stilecht in bunt auf Bembel. Bei dem improvisierten „Fassanstich“ assistierten der Erste Stadtrat (und Falkensteiner Vereinsmensch) Walter Krimmel (links), Ortsvorsteherin Lieselotte Majer-Leonhard und der Erste Kreisbeigeordnete Uwe Kraft.
Fotos: Friedel

Falkenstein/Königstein (hhf) – Im Gegensatz zur asiatischen Küche trennt der hessische Ebbelwoipetzer strikt zwischen süß und sauer – und das auch nur bei der Frage, welche Zusatzstoffe dem Stöffche eventuell in letzter Minute vor dem Verzehr noch beigemischt werden können. Grundsätzlich kann dem Süßen vor der Gärung Speierling zugegeben werden, was der Profi wegen Geschmack und Haltbarkeit bevorzugt, man kann es aber auch bleiben lassen, was Gäste von außerhalb oft leichter Zugang zu der herben Spezialität finden lässt.

Die Falkensteiner haben nun sicher nichts gegen Gäste (wenn sie nicht unbedingt aus Königstein kommen), aber den Speierling lassen sie sich trotzdem nicht nehmen, da müssen sogar französische Cidre-Trinker durch, was in der Partnerstadt durchaus schon zu einem Gewöhnungseffekt geführt hat.

Mit Segen der Mammolshainer

Völlig neu hingegen ist die Idee der Turn- und Sportgemeinschaft 1822/1919 e.V. (TSG), das Jahr mit einem Apfelweinanstich zu beginnen, was auch Uwe Kraft gleich auffiel. In seinem Grußwort gestand der Erste Kreisbeigeordnete, solcherlei Brauchtum eher mit Mammolshain zu verbinden, doch fand er die Idee gut, zwischen weihnachtlichem Gänseessen und der Faschingszeit noch einen kulinarischen Termin zu etablieren – erst recht, nachdem Ebbelwoi und geripptes Glas auch von der EU anerkannt worden sind.

Eine ideelle Anleihe bei den Mammolshainern gestand Jörg Pöschl, Urheber der neuen Festivität, auch freimütig ein, die Idee sei ihm im letzten Jahr beim dortigen Anstich gekommen und man war sich einig, dass man den Nachbarn in dieser Form auch nichts wegnähme. Das scheint auch so zu sein, schließlich hatten sich einige Mammolshainer, darunter Fachmann Johannes Schießer, einen Besuch bei der TSG nicht nehmen lassen.

Eigene Vorgeschichte

Es gibt aber noch eine zweite Wurzel für die neue Veranstaltung, die sich bei gut gefülltem Festzelt vor einem fast aus den Nähten platzenden Vereinsheim wohl auch in Richtung Tradition bewegen dürfte. Im unteren Bergweg, auch als „die Fussehl“ bekannt, was von Alters her vielleicht auf Fuchsbauten hinweist, keltert eine eingeschworene Mannschaft nämlich bereits seit fast drei Jahrzehnten ihr eigenes Stöffsche und feiert ebenso selbstverständlich jährlich den Anstich ihrer 2.000 bis 3.000 Liter. Nur eben im kleinen Rahmen, aber immer bereit, etwas abzugeben, für einen guten Zweck, versteht sich.

Rohstoffimport aus Okarben

Jörg Pöschl, der seit langem auch in diesem Kreis verkehrt, hatte für seinen Plan zwar 150 Liter aus der Fussehl loseisen können, aber nur unter vollem Körpereinsatz, indem er als Vereinspräsident – zusammen mit seinem Stellvertreter Hans-Jürgen Metz – einen Tag bei der Rohstoffernte half. Die findet übrigens in Okarben statt, da das rauhe Bergklima in Falkenstein nach Ansicht der Sport- wie auch der Keltergemeinschaft nicht genug Äpfel gedeihen lässt (Peter Majer-Leonhard erinnert als Heimatkundler freilich daran, dass die letzten Streuobstwiesen oberhalb des heutigen Bürgerhauses erst in den 50er-Jahren dem Häuslebau zum Opfer gefallen sind). Nun, jedenfalls hat der goldene Tropfen seine letzte Veredlung in den Schieferkellern zu Füßen der Burg Falkenstein erfahren – und die Sportler nutzten ihre Verbindungen in die weitere Umgebung gleich, um auch Worscht und Handkäs’ von den besten Adressen zu importieren: „Bei uns kommt nur beste Qualität auf den Teller!“ (Milch- oder Schlachtvieh gedeiht im rauen Bergklima ja auch keines mehr).

Kein Bier im Haus

Schnell füllte sich das gut besetzte Vereinsheim hinter dem Taunusgymnasium zunächst mit Menschen und dann mit Zwiebelduft, der Carsten Weber und seinen zwei „wandelnden“ Mitmusikanten unmissverständlich signalisierte, dass sie ihre launige Skihüttenatmosphäre heute nicht im Bayrischen verbreiteten. Schlimmer noch, Bier war als Konkurrenzprodukt zum Eppler sogar komplett von der Karte gestrichen worden. Ein vielstimmiges „Prosit der Gemütlichkeit“ versöhnte aber schnell – Falkenstein verfügt eben auch über viele aktive Sänger.

Festzelt vor der Tür

Wenn die Kapelle den Saal verließ, dann nur, um auch im Festzelt davor aufzuspielen. Das hatten Pöschl und Co. nach reichlich eingehenden Reservierungen für die etwa 50 Plätze im Vereinsheim vorsorglich aufgebaut, dabei allerdings das Pech gehabt, dass zum Aufbau ausnahmsweise einmal Wind aufgekommen war. Nicht nur die Verankerung am Boden erforderte daher eine wahre Ingenieurleistung, auch die Wärme wollte einfach nicht unter der Plane bleiben. Für die Verstärkung der Gasöfen aus der Steckdose war schließlich Elektromeister Thomas Fischer eigens angereist und verteilte reichlich Kabel, um die Sicherungen nicht zu überfordern.

Sicherungen flogen denn auch den ganzen Abend über nicht heraus, nicht als ein Unbekannter die Flutlichter einschaltete, wohl um nach dem Wetter zu sehen, und auch nicht, als ein Unbedarfter sich wunderte, was das in den Gläsern denn wohl sei. Freundlich wurde ihm stattdessen mitgeteilt, dass Sportler regelmäßig Proben wegen der Dopingkontrolle abgeben müssten und man diese nach Ablauf des Kalenderjahres eben gemeinschaftlich entsorge...

Je später der Abend, desto derber die Scherze, das war schon immer so und es war ja auch ein langer Abend, an dem zeitweise geschätzte 180 Gäste gleichzeitig im und um das Vereinsheim herum feierten. Die überwiegende Mehrheit sprach den Organisatoren, die sich teils bis zum Verlust der Muttersprache für den gelungenen Abend opferten, großes Lob aus, so dass die Veranstaltung sicherlich im kommenden Jahr wiederholt werden wird.

Für ’n Appel und ’n Woi ließ die TSG die Wutz fliegen: Die Musik gab alles...

... die Ur-Kelterer aus der Fussehl hatten ihren Ehrenplatz samt eigenem Bembel...

... und routinierte Kellner bahnten sich zielsicher den Weg durch die Massen: „Vorsicht, Kamera, heiß und fettig!“

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