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Privatklinik Dr. Amelung eröffnete Kompetenzzentrum zur Burnout-Behandlung

Königstein (pu) – In der 1891 durch Sanitätsrat Dr. Hugo Amelung gegründeten gleichnamigen Privatklinik wurde dieser Tage mit der Eröffnung eines „Kompetenzzentrums für Burnout-Behandlungen“ ein weiteres Ausrufezeichen in Bezug auf die Verknüpfung verstärkter Aufmerksamkeit für das menschliche Wohlergehen mit medizinischer Betreuung auf höchstem Niveau gesetzt.

Daher sprach Dr. Florian Nicolai Brandt in seiner Eigenschaft als Hausherr auch im Namen seines Vetters, Dr. Klaus Christopher Amelung und seines Kompagnons Dr. Jörg Unger bei der Begrüßung der geladenen Gäste von einem „besonderen Tag“. Die Klinik wird in der vierten Generation von den Familien Brandt und Amelung geführt.

Der weitere Baustein in der spezifischen Behandlung von Menschen mit affektiven (gefühlsbetonten) Erkrankungen ergänzt die Angebote für Betroffene mit Belastungsstörungen und Traumafolgestörungen sowie die CBASP-fußende Behandlungseinheit (spezielle Psychotherapie) für rezidivierende und chronifizierte depressiven Störungen.

Logische Konsequenz

Für die Entscheidungsträger war die Realisierung des neuen Angebots logische Konsequenz, denn ihren Erkenntnissen und Erfahrungen nach ist es an der Zeit, das Thema „Burnout“ quasi als salonfähig noch stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, da sich das Burnout-Syndrom längst im deutschen klinischen Alltag etabliert hat, obwohl es sich nach der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten „lediglich um eine Zusatzdiagnose handelt und es keine allgemein gültigen Behandlungsempfehlungen gibt“, so Brandt.

Uneinigkeit und Stigma

Über die Sinnhaftigkeit des Konstruktes „Burnout“ werde in der Medizin seit Jahren diskutiert. Die Überschneidungen von Burnout und Depression seien Gegenstand einer ganzen Reihe von Studien. Aller Uneinigkeit zum Trotz gelte der Begriff „Burnout“ als weitaus geringer stigmatisierend als Depression. „Wenn es also gelingt, alleine deshalb Betroffene frühzeitig einer adäquaten Behandlung zuzuführen, dann sollte man diesen Begriff nicht verwehren“, erläuterte der Mediziner seine Sichtweise und die seiner Kollegen. Aus diesem Grund habe man ihn auch für das neue Kompetenzzentrum gewählt, einem Ort, in diesem Fall einer Station, mit zentralisierter Kompetenz zu dieser Thematik mit dem Ziel „in der ausgewogenen Zusammenarbeit eine wirksame Möglichkeit zur Stabilisierung und idealerweise auch zukünftigen Selbstregulation für die Betroffenen zu erreichen.“

Um Thematik und Behandlungsansatz auch für Außenstehende etwas verständlicher und anschaulicher zu vermitteln, ging Dr. Florian Nicolai Brandt etwas mehr ins Detail. Bei den Amelung-Klinikpatienten handele es sich mitnichten um „etwas Erschöpfte“, vielmehr um Menschen, die „bereits erfolglos ihre Selbstregulationsmechanismen auch unter ambulanten Behandlungen angewandt haben, in deren Folge dann wesentliche Beeinträchtigungen im Rahmen der affektiven Steuerung, des Selbsterlebens und des Antriebes sowie häufig auch der Tag-Nacht-Regulation entwickelt wurden.“

10 Millionen Tage Arbeitsunfähigkeit

Nach seinen Worten sind psychische Erkrankungen der dritthäufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit, die Techniker Krankenkasse nenne 10 Millionen Tage Arbeitsunfähigkeit allein wegen der Diagnose „Burnout-Syndrom“. Das Burnout (wörtlich Ausgebrannt-sein) wurde erstmals 1969 von H. B. Bradley als psychologisches Phänomen bei Personen in helfenden Berufen erwähnt. Inzwischen sind drei wesentliche Symptome formuliert: emotionale Erschöpfung, Depersonalisation – das heißt, der Betroffene fällt durch eine zynische, verächtliche und negative Haltung gegenüber der Arbeit, den Kollegen und den Klienten auf – sowie als drittes das Gefühl reduzierter persönlicher Leistungsfähigkeit. Allen Burnout-Syndrom-Definitionen, so Brandt weiter, sei gemeinsam, dass das Burnout einen beruflich über die Maßen geforderten Menschen beschreibt, der einen Erschöpfungszustand entwickelt. Das trifft im Übrigen nicht ausschließlich nur auf ausschließlich beruflich stark geforderte Menschen zu, sondern beispielsweise auch auf Hausfrauen, die den Spagat zwischen Beruf, Kindererziehung und Haushalt stemmen müssen.

Missverhältnis

Allem gemeinsam ist ein Missverhältnis von Anforderungen und ausbleibender, aber erwartender Anerkennung und damit verbunden unerreichte Ziele. Auch die persönliche Bereitschaft, sich zu verausgaben, spielt laut Experten eine erhebliche Rolle. Die in der Regel sehr fleißigen und erfolgreichen Menschen überschreiten irgendwann ständig die Belastungsgrenze. Durch die versagenden kompensatorischen Strategien wird die Entwicklung einer Depression nach vorliegenden Erkenntnissen wesentlich begünstigt, denn auch im Depressionsmodell sind als deckungsgleiche Erklärungsansätze Streben nach Anerkennung, Wertschätzung und Verausgabungsneigung zu finden.

Keine scharfe Abgrenzung

Ergo: „Die genannten Konzeptionen und Erklärungsmodelle lassen also keine sichere und scharfe Abgrenzung zwischen Depression und Burnout-Syndrom zu“, betonte Dr. med. Brandt. Dies werde durch das Ergebnis einer finnischen Studie mit über 3.200 berufstätigen Probanden gestützt. „Circa die Hälfte derer, die an einem schweren Burnout-Syndrom litten, wiesen gleichzeitig eine Depression auf während die andere Hälfte die Kriterien einer Depression eindeutig nicht erfüllten, mit dem Ergebnis, dass zumindest in dieser Studie ein Burnout-Syndrom unabhängig von einer Depression bestehen kann“, untermauerte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Wesentlicher Behandlungsansatz

Jedenfalls sieht die Klinik einen ganz wesentlichen Behandlungsansatz, der in der Realisierung des neuen Bausteins zum Tragen kommt. Die Federführung für Konzept, Umsetzung, Einbindung und Motivation der Mitarbeiter liegt in den Händen von Dr. med. Elisabeth Behrends-Krahnen und Dr. med. Erick Goldenthal, der allen Gästen die körperlichen und seelischen Folgen von Burnout in einem ausgesprochen interessanten Vortrag näherbrachte.

Die Privatklinik Dr. Amelung mit Platz für 100 Patienten verfolgt nach eigenen Angaben ein integriertes Behandlungskonzept, das sich dem betroffenen Patienten als Individuum, als Familienmitglied und als Arbeitnehmer annimmt. Zur stationären Betreuung stehen momentan elf Ärzte und 21 Therapeuten und Spezialtherapeuten zur Verfügung. Es werden nicht nur Privat- sondern auch Kassenpatienten aufgenommen. Es besteht außerdem die Möglichkeit einer ambulanten Nachbetreuung. Weitere Informationen auch unter www.klinik-amelung.de.

Dr. med. Florian Nicolai Brandt (links) mit Dr. med. Elisabeth Behrends-Krahnen und Dr. med. Erick Goldenthal, in deren Händen die Federführung und Umsetzung des Kompetenzzentrums liegt
Foto: S. Puck

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