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Königstein, Konzertwerkstatt und Koalitionsvertrag

Königstein (hhf) – Seit 2014 schon organisiert Christoph Schlott als Vorsitzender des Vereins Terra incognita regelmäßig klassische Konzerte im Haus der Begegnung. Die Veranstaltungen heben sich dabei von ähnlichen Aufführungen ab, indem regelmäßig Bilder und auch inhaltliche Anmerkungen die Musik ergänzen, die wiederum oft zu einem bestimmten Thema ausgesucht wird. Nachdem es beim aktuellen Neujahrskonzert eine überaus interessante Ankündigung gab, schien es der passende Zeitpunkt, dazu einige Fragen zu stellen:

KöWo: Herr Schlott, Sie haben diesmal auf den Werkstattcharakter der Konzerte Bezug genommen und außerdem wieder einmal auf das Thema Demokratiegeschichte...

Schlott: Das Haus der Begegnung ist natürlich absolut eine Bereicherung für das Kulturleben Königsteins, hat aber denkmalbedingt seine Grenzen: Für ein Sinfonie-Orchester von gut 70 Personen oder mehr ist der Saal zwar akustisch gut geeignet, aber baulich eben nicht ausgelegt. Wir müssen mit dem Orchester „runter“ in den Zuhörerbereich, und das zieht natürlich einiges nach sich. Zum Beispiel, dass schlicht das Licht anbleiben muss und zwar für alle: Ein Dirigent im Dunkeln ist für ein Konzert keine gute Idee.

Den Begriff Werkstattcharakter leite ich also einfach aus der Praxis ab: Hier kommen sich Publikum und Orchester sehr nahe, manchmal sitzt der Dirigent in der zweiten Reihe und wartet auf seinen Auftritt und die Räume des Hauses sind so verteilt, dass sich Musiker und Publikum immer wieder über den Weg laufen. Das gibts wohl in der Alten Oper so nicht.

KöWo: Sie flechten bei vielen Konzerten Bilder und Anmerkungen zu anderen Themen ein. Warum?

Schlott: Die starre Form des Konzertes, wie wir es heute handhaben, ist eine Erfindung des späteren 19. Jahrhunderts. In „frühbürgerlicher“ Zeit ging es informeller zu, wurden Programme spontan umgeworfen, die Konzerte als Ort der freien Meinungsäußerung gebraucht. Es ist doch ganz einfach: Hier trifft man viele Menschen aus der eigenen Stadt, die zuhören. Das Konzert ist wie eine „Anzeige im Kleinen“. Und am Freitag gab es eben wieder etwas zu verkünden...

KöWo: ...Sie spielen auf den Koalitionsvertrag in Berlin an?

Schlott: Genau. Da taucht nämlich ein unscheinbarer Satz auf, der aber große Wirkung entfalten wird: „Die Koalitionsparteien werden eine vom Deutschen Bundestag zu beschließende Konzeption zur Förderung der Orte deutscher Demokratiegeschichte erarbeiten“. Wir waren ja Mitbegründer der „AG Orte der Demokratiegeschichte“ (siehe www.demokratie-geschichte.de) und diese gemeinsame Anstrengung hat nun einen konkreten Niederschlag gefunden. Wir in Königstein können mit den beiden Schwerpunkten „Festung Königstein – Ort europäischer Demokratiegeschichte“ und „Haus der Länder“ – zu dem übrigens gerade eine Bachelor-Arbeit entsteht – ganz vorne mit dabei sein. Das ist zwei Jahre nach dem Beginn unseres Projektes doch ein schöner Erfolg.

KöWo: Worin sehen Sie denn die „große Wirkung“ des Satzes genau?

Schlott: Dort steht nichts anderes, als dass die Bundesrepublik Deutschland neben ihrer Staatsräson des Gedenkens an das Unrecht von Nationalsozialismus und DDR nun eine „dritte Gedenksäule“ plant, die unsere reichhaltige Demokratiegeschichte im Sinne unserer Identitätsbestimmung zur Geltung bringen wird. Es wird auch Zeit. Schon Bundespräsident Heinemann hatte das 1970 gefordert, es ist aber kaum etwas geschehen seitdem.

KöWo: Nochmal etwas konkreter – Was bedeutet das für Königstein?

Schlott: Einerseits betrifft es das deutsch-französische Verhältnis, denn das „Gefängnis der ersten Demokraten“ ist eine Folge der Französischen Revolution.

Andererseits geht es um die Villa Rothschild, das „Haus der Länder“. In sechs Jahren feiert unsere Republik ihr 75-jähriges Jubiläum. Ich frage: Wo steht dann Königstein mit was? Und es wird sein, wie es unsere politische Ordnung will: Warten wir nicht auf Bund oder Land. Wir müssen es schon selbst wollen und auch selbst umsetzen, auf der kommunalen Ebene. Dafür werben wir. So ist diese föderale Nation nun einmal aufgestellt.

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