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Das „Gedächtnis der Stadt“ geht nach 30 Jahren in den Ruhestand

Die dicht gedrängten Gäste am linken Bildrand vermitteln einen schwachen Eindruck davon, wie viele Weggefährten in die Stadtbibliothek gekommen waren, um Beate Großmann-Hofmann (rechts) zu verabschieden. Allein deswegen mussten sich die zahlreichen Laudatoren wie Bürgermeister Leonhard Helm auf die Treppe stellen, um überall Gehör zu finden.
Fotos: Friedel

Königstein (hhf) – „Unternehmung zur Hebung des Verkehrs und Förderung der Besiedlung im südlichen Taunus“ – langsam wurde der Titel des antiquarischen Buches lesbar, das Beate Großmann-Hofmann unter allgemeinen „Ahs“ und „Ohs“ vom Geschenkpapier befreite. Mit Hilfe von Lokalhistoriker Rudolf Krönke hatte Bürgermeister Leonhard Helm es aufgestöbert und der Stadtarchivarin und Fachbereichsleiterin im Namen der Stadtverwaltung überreicht.

Eine Unternehmung zur Hebung des Verkehrs wäre der ebenso beliebten wie fachkundigen Mitarbeiterin aber auch in den letzten Tagen ihres Berufslebens recht gewesen, Schnee und Eis hatten den Weg zur Arbeit reichlich verzögert. Und auch vor 30 Jahren, zum Bewerbungsgespräch, klappte es nicht ganz pünktlich: Erst war da ein Stau, wo sie noch am Sonntag davor freien Weg erkundet hatte und dann gab es in der Nähe des Rathauses keinen Parkplatz mehr...

„Kaum wegzudenken“

Das Rathaus, von dem Beate Großmann-Hofmann da erzählt, ist mittlerweile auch schon ein Fall für das Stadtarchiv, es befand sich – ausgestattet mit gewaltigen Holztischen und Wandvertäfelungen – in der Hauptstraße 15, gegenüber dem Kapuzinerplatz am Anfang der Fußgängerzone (die gab es immerhin schon). Darin saßen im Januar 1989 Männer wie Antonius Weber, Heinz Sturm-Godramstein und Klaus Hallert oder Jürgen Kluck – Namen, die man heute eher im alten Rathaus von Falkenstein findet, wo die Akten im Archiv lagern.

Zwischen den alten Papieren dürfte auch ein Protokoll zu finden sein, in dem die Herren eine wegweisende Personalentscheidung dokumentiert haben: „Sie sind seit Jahrzehnten eigentlich kaum wegzudenken“, bescheinigte Leonhard Helm der Stadtarchivarin und späteren Leiterin des Fachbereichs Kultur. Und doch – nach 30 Jahren und einem Monat stand nun die Verabschiedung in den Ruhestand auf dem Programm, ein Termin, den der Bürgermeister „nicht gerne“ wahrnahm und dafür beifälliges Nicken erntete.

„Großes Spektrum“

Staub, Papier, Einsamkeit, ein bisschen Weltfremdheit ... auch diese Klischeevorstellungen gehörten zu ihrer Arbeit im Archiv, zählte Beate Großmann-Hofmann auf, manchmal konnte sie die ruhige Abgeschiedenheit in Falkenstein zum konzentrierten Arbeiten gut gebrauchen, nach einem Stolperer fiel ihr aber auch auf, dass es sogar gefährlich sein kann, ganz alleine auf einem Außenposten tätig zu sein.

Vom ersten Tag an hat sie aber auch gerne ihren Elfenbeinturm verlassen: „Ich fand es wichtig, als Archivarin Kontakte nach draußen zu knüpfen“, das fing mit Besuchen bei den Kollegen im Rathaus an und führte über öffentliche Vorträge und Vereinsarbeit bis über die Kreisebene hinaus, wo man sich bis heute alleine über 34 Beiträge in 27 Jahrbüchern von ihr freut. Auch das Kreisarchiv sei durch ihre Forschungen deutlich gewachsen, bescheinigte dessen ehemaliger Betreuer und heutiger Fachbereichsleiter Gregor Maier, der außerdem mindestens „125 Veröffentlichungen aus Ihrer Feder“ gezählt hat: „Es ist mir eine Ehre, Sie nicht still und leise gehen zu lassen.“ Gerade, weil sie auch kritisch war, habe man „gut und gerne“ zusammengearbeitet.

„Sie sind ein Glücksfall für Königstein“ und die Vereine, aber auch für den Hochtaunuskreis, da war sich Gregor Maier sicher, denn von dort aus etwas zu machen, geht nur mit Partnern vor Ort.

„Glücksfall für Königstein“

Vor Ort war Beate Großmann-Hofmann aber auch immer verlässlicher Partner für die Vereine, ob Ortsteil-Historiker oder Burgfestorganisatoren, allerdings betont sie auch, dass es hier ein ausgewogenes Verhältnis von Geben und Nehmen ist: „Ohne die aktiven Historiker/innen hier am Ort wäre vieles nicht zustande gekommen.“ Dennoch schrieb sie der Stadtverwaltung und dem Stadtparlament klare Worte ins Stammbuch: „Pflegen Sie Ihre Kultur!“ Trotz der vielen Ehrenamtlichen sei eine hauptamtliche Stelle im Stadtarchiv ebenso unverzichtbar, alleine schon als Ansprechpartner und auch zum Koordinieren der verschiedenen Schwerpunkte und Aktivitäten.

Freilich kann man diese Stelle mit sinnvollen Tätigkeiten auffüllen, alleine schon die Verbindung von Ordnung im Archiv, Zuständigkeit auch für dessen Unterbringung und schließlich der Vermittlung der Inhalte an die Öffentlichkeit (inklusive Artikeln für die KöWo) eröffnet hier viele Möglichkeiten. Die Stadtarchivarin hat sich nicht nur auf all diesen Feldern gleichermaßen bewährt, sondern es quasi im Nebenjob auch noch zur Fachbereichsleiterin gebracht.

„Freundliche Vorgesetzte“

Und auch in leitender Funktion hat sich Beate Großmann-Hofmann bewährt, Kollegen, Mitarbeiter und Inhaber höherer Posten sangen ihr Loblied unisono mit dem Personalrat einige Strophen länger und das in den höchsten Tönen. Vom „Gedächtnis der Stadt“, das seinen Arbeitsplatz „ordentlich sortiert“ übergibt war ebenso die Rede wie von einer „freundlichen Vorgesetzten mit offenen Ohren“, der ihr Mitarbeiterteam für ihre Herzlichkeit dankte, allerdings auch die „Entdeckung der Langsamkeit“ wünschte.

„Sie hat auch dem Chef nicht nach dem Mund geredet“, war aber immer loyal, das schätzte der Bürgermeister in dieser Mischung besonders. Unvergessen für Leonhard Helm bleibt vor allem die Organisation der Feiern zum 700-jährigen Jubiläum der Stadtrechte und persönlich die Rolle, die sie ihm für die historischen Spaziergänge auf den Leib geschneidert hat. Fix konterte die Autorin hier: „Ich hab‘ ihm die Worte in den Mund gelegt, und er hat sich dran gehalten...“

Keine Frage also, dass Beate Großmann-Hofmann Königstein und seinem Archiv die Treue halten wird („Manchmal hat die Arbeit sogar Spaß gemacht – ist das anrüchig?“), die nächsten Führungs- und Vortragstermine stehen schon und eine Einarbeitung ihres oder ihrer Nachfolger/in ist zugesagt – das Bewerbungsverfahren läuft schon.

Sie wird es aber auch zu genießen wissen, wenn sie bei schlechtem Wetter zu Hause bleiben kann und nicht in den Stau vor dem Kreisel gerät und ist sich sicher, in ihrem neuen Lebensabschnitt wieder allerlei Neues zu entdecken. Ihr Motto dafür stammt von einer Schloßpforte in der Dordogne: „Als ich dachte, das Ende sei in Sicht, befand ich mich eigentlich erst am Anfang.“ Was aber auch immer die Zukunft bringen mag – einen ganz besonderen Platz in der Lokalgeschichte Königsteins hat sie auf jeden Fall inne.

Hier gratulieren unter anderem die Mitarbeiter/innen von KuSi und Stadtbibliothek ihrer Fachbereichsleiterin schweren Herzens zum Ruhestand und auch die KöWo wird die Autorin „bgh“ sehr vermissen.

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