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Endlich ein neues Domizil für die Kunstwerkstatt in Sicht

Das Tor ist zu, hinein dürfen die „Aspirantinnen“ noch nicht. Aber anschauen kostet nichts und Pläne schmieden für die Nutzung des Gebäudes am Ende der Schneidhainer Straße, gegenüber dem Bahnübergang, kann, darf und muss man nun schon.
Fotos: Friedel

Noch lehnen sie sich nur weit aus dem Fenster, doch zum Ende Juli 2019 müssen die drei Damen mit dem Rest der Kunstwerkstatt ihr altes Atelier in der Falkensteiner Straße geräumt haben, der Mietvertrag läuft aus. Die Fördervereinsvorstände Kerstin Walter (Mitte) und Gabriela Terhorst (rechts) sowie Geschäftsführerin Sabine Mauerwerk werden bis dahin allerdings weiterhin die Haustür benutzen – und, liebe Kinder, ihr auch! Über die Fensterbank gehen höchstens Umzugskartons, wenn die herunterfallen, gibt es schon Geschrei genug.
Foto: Friedel

Königstein (hhf) – „Viele Künste unter einem Dach“, so beschreiben die Betreiber der Kunstwerkstatt gerne ihr Angebot, doch das Dach ist bald weg – das wissen sie schon seit einiger Zeit. Seit Jahren rückt die Baustelle auf dem ehemaligen Post-Gelände zwischen Frankfurter und Falkensteiner Straße immer näher an das letzte alte Häuschen heran und der Mietvertrag läuft zum Ende Juli nächsten Jahres aus.

Immerhin hatte der Vermieter seine Pläne langfristig kundgetan, doch Monat um Monat, Jahr um Jahr verstrich, ohne dass sich eine passende neue Bleibe finden ließ. Eine Zeit lang stand im Raum, man könne nach dem Umbau vielleicht in die obere Etage des Hauses zurückkehren, doch wohin so lange? Zuletzt hatte die Stadtverwaltung die „KiKuWe“ in die Planungen für den Kindergarten auf den Messerwiesen einbezogen, doch bis zu dessen Errichtung dauert es viel zu lange für die Künstler.

Wichtige Funktion

Dass die geeigneten Räumlichkeiten für wahre Kunstausübung nicht leicht zu finden sind, liegt auf der Hand, doch geht es in erster Linie gar nicht um luxuriöse Ansprüche exzentrischer Künstler. Vielmehr finden hier heute 35 verschiedene Kurse pro Woche statt, rund 350 Kinder, Jugendliche und Erwachsene besuchen sie im Durchschnitt und die Volkshochschule nutzt die Räumlichkeiten auch noch.

Ein wesentliches Standbein sind inzwischen auch die 14 bis 18 Ferienkurse und Workshops (mit Mittagsverpflegung), die jährlich das örtliche Angebot zur Ferienbetreuung von Kindern und Jugendlichen ergänzen. Das hätten sich die Gründer des sich normalerweise selbsttragenden Vereins, der 2017 sein 25-jähriges Bestehen gefeiert hat, wohl nicht träumen lassen. Das sichtbarste Zeichen dafür ist, dass die Einrichtung längst „Kunstwerkstatt Königstein“ heißt, da auch Kurse für Erwachsene angeboten werden. Der Förderverein, der nur schwer seinen Namen ändern könnte, firmiert dagegen noch unter dem ursprünglichen Namen „Kinderkunstwerkstatt“.

Zwei äußerst engagierte – und ehrenamtliche – Vorstandsmitglieder stehen an der Spitze des gemeinnützigen Vereins, derzeit sind es Gabriela Terhorst und Kerstin Walter. Beide haben den Zugang zur Kunstwerkstatt ursprünglich über ihre Kinder gefunden, die dort Kurse belegt hatten, beide haben eine kaufmännische Berufsausbildung, beide sind natürlich Königsteinerinnen. Gabriela Terhorst ist außerdem Magistratsmitglied, also Stadträtin.

Echte Künstler

Auch Sabine Mauerwerk hatte schon eine Zeit als Stadträtin hinter sich, bevor sie das Amt aufgab, um dem Ruf als Geschäftsführerin der Kunstwerkstatt zu folgen. „Unsere Dozenten sind alles Künstler mit der entsprechenden Ausbildung“, darauf legt sie Wert, es kann aber auch einmal ein gelernter Handwerker darunter sein. Längst wird hier nicht mehr nur gemalt – Musik, Tanz und Theater haben Einzug in die Welt der Kreativität gehalten. Aktuell seit Oktober ist eine schon von früher bekannte Tanzpädagogin wieder ins Kollegium zurückgekehrt und hat ihr eigenes Klavier mitgebracht.

„Zeit, Ruhe, Freiraum zum Experimentieren“, also die Kreativität ohne Notendruck zu fördern, das ist das Hauptanliegen von Sabine Mauerwerk: „Es darf auch einmal etwas misslingen.“ Im Übrigen weist sie darauf hin, dass die Kunstwerkstatt offiziell als kulturelle Bildungseinrichtung gilt und gewiss einen ähnlich großen Bereich abdeckt wie die Musikschulen. Von den Ergebnissen kann man sich regelmäßig selbst überzeugen, zum Beispiel bei der jährlichen Ausstellung mit großer Vernissage in der Volksbank oder alle fünf Jahre auf der „Kikumenta“.

„Zurück auf Los“

Neben all diesem anspruchsvollen Programm stand – und steht – aber weiter die Umzugsfrage. Vor etwa zwei Monaten haben die Planerinnen gemerkt, dass „das alles nichts wird. Wir gehen zurück auf Los“, beschreibt es Gabriela Terhorst den Neuanfang frei nach Monopoly, und es ist klar, dass es dort kein Gehalt gab, obwohl man ja irgendwie an Immobilien herankommen musste.

„Wir sind sehr kompromissbereit“, doch sind 300 Quadratmeter Mindestbedarf, zwei Kursräume, ein Theaterraum, Lager und Büro müssen einfach sein und wirklich groß ist das Budget dafür auch nicht. Die Makler schlackerten mit den Ohren und dann kam das entscheidende Gespräch mit Bürgermeister Leonhard Helm. Zuerst als Ausweichquartier kam das leerstehende Gebäude der Neuapostolischen Kirche in die Diskussion, direkt am Bahnübergang, wo sich Forellenweg und Schneidhainer Straße treffen, die Stadt hatte es vorsorglich gekauft, aber als Standort für einen Kindergarten wieder verworfen, aus baulichen Gründen.

Dann – es passt nämlich auch für die Künstler nicht so ganz – tauchte die Idee auf, dem Haus einen Kursraum anzubauen und daraus erwuchs die Überlegung, dass ein solches Domizil gar nicht nur für den Übergang sein müsste. Wenn aber die „KiKuWe“ dort heimisch wird, dann werden im Kindergarten auf den Messerwiesen eingeplante Flächen nicht benötigt, was wiederum der Stadt zugute käme, die mit der nun angedachten Lösung freilich große Unterstützung für die Kunstwerkstatt leisten würde.

„Muss noch durch die Gremien“

Von der möglichen Lösung beflügelt, holen die Kunst-Managerinnen derzeit fleißig Informationen ein und schmieden Pläne, während auch die Stadtverwaltung sich fachkundig macht, ob die Umbauten überhaupt genehmigungsfähig sind. Aber sie wollen möglichst viele Fakten zusammentragen, denn die Idee scheint derzeit zwar gut, aber sie „muss noch durch die Gremien“, die Kommunalpolitik muss das Ganze noch gutheißen.

Die nächste Sitzung der Stadtverordneten wird also bei einigen für hohen Blutdruck sorgen, auf den Amts-Sitzen ebenso wie auf den Zuschauerbänken. Zögerliches Abwarten ist aber nicht angesagt für die drei Damen vom Atelier, denn die Zeit läuft. Also planen sie schon einmal Umbau und Umzug, während sie auf Genehmigungen warten oder diese versuchen, einzuholen.

Über allem schwebt schließlich noch die Kostenplanung, denn die Umsiedlung wird die bisherigen Rücklagen sicher aufbrauchen. In diesem Sinne – selbst wenn der Umzug doch nicht in die Schneidhainer Straße führen sollte – sei an die Spendenkontonummer des gemeinnützigen Vereins erinnert, die er in seinem Prospekt unter der Überschrift „werden Sie Mäzen“ angibt: KinderKunstWerkstatt Königstein e. V. bei der Frankfurter Volksbank, IBAN DE60 5019 0000 0302 2112 80.

Selbstverständlich werden alle diesbezüglichen Fragen auch am Telefon beantwortet, unter (06174) 22353 oder als E-Mail: info[at]kunstwerkstatt-koenigstein[dot]de.

Als Schattenriss ist noch das Symbol der neuapostolischen Kirche am Giebel des ehemaligen Gemeindehauses zu erkennen.

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