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Charlotte regierte drei Tage: Überwiegend glückliches Volk

Vor wenigen Sekunden hat Bürgermeister Leonhard Helm die Schlüsselgewalt in die zarten Hände ihrer Lieblichkeit Charlotte I. gelegt, flankiert wird von Junker Moritz und der kleinen Hofdame Laetitia.
Foto: A. Puck

Königstein
(hhf) – Wer so nett lächelt, kann keine absolutistische Herrscherin sein, also gelten die Regeln der Demokratie – und da ist „überwiegend glückliches Volk“ eines der höchsten Prädikate, denn ein paar Meckerer gibt es schließlich immer. In Bayern weiß man längst, was „everybody‘s darling“ auch noch ist, also „basst scho“.

Ein paar Pechvögel sehen traditionsgemäß auch immer mit gemischten Gefühlen auf das Burgfest zurück, mal mit blauem Auge, mal ohne geklautes Handy und in diesem Jahr kommen außer der Reihe noch so einige dazu, die doppelten Eintritt bezahlen mussten, da sie im Vorverkauf gefälschte Karten angedreht bekommen hatten ... mehr dazu im Inneren der KöWo.

„Wir haben richtig Glück gehabt“

Wer das Burgfest – und auch andere Volksfeste – über lange Jahre verfolgt, wird feststellen, dass ein klarer Anstieg der Meldungen im Polizeibericht aber auch immer mit vielen positiven Äußerungen über gelungenes Feiern Hand in Hand geht, das ist pure Statistik plus ein wenig Psychologie und letztendlich eine Frage, ob das Gesamtbild von Optimisten oder Pessimisten beurteilt wird.

Burgvereinspräsidentin Birgit Becker gehört schon qua Amt (aber auch aus privater Überzeugung) zu den Optimisten, fand sogar „wir haben richtig Glück gehabt“, als nämlich eine Drängel-Attacke auf den Einlass nicht nur abgewehrt werden konnte, sondern auch nicht zu Verletzungen geführt hatte – wer mit solchen Methoden versucht, sich freien Eintritt quasi im Sturm zu verschaffen, riskiert Leib und Leben seiner Mitmenschen und ist weit weg vom groben Unfug.

Umgekehrt zeigte dieser „Stresstest“, dass die Sicherheit auf dem Burgfest in guten Händen ist und Meldungen über konfiszierte Rauschmittel im Kurpark lassen den erfreulichen Trend erkennen, dass auch außerhalb der Burgmauern nach dem Rechten geschaut wird. „Wir lassen uns das Burgfest nicht von Störern kaputtmachen“ – dieser Meinung, geäußert von Birgit Becker auf dem Empfang des Burgvereins am Sonntagnachmittag, haben sich offensichtlich wieder viele Königsteiner und auswärtige Gäste angeschlossen, denn die positiven Rückmeldungen gehen zuhauf ein, bei den Medien, auf der Straße und beim Burgverein, Tenor: Sowohl auf der Burg als auch in der Stadt war es wieder ein schönes, fröhliches Fest gewesen, mit toller Stimmung.

Kaiserwetter und Beflaggung

Vor allem natürlich der große Umzug am Sonntagmittag trug das Burgfest auch in die Stadt zu Füßen der Festung, und das bei schönstem Wetter, keine Selbstverständlichkeit, wie Alteingesessene wissen. Sogar ein wenig kühler war es geworden, was den vielen Darstellern in meist recht warmen historischen Kostümen sehr entgegenkam. Die Fotografen hatten dennoch mit den harten Schlagschatten strahlenden Sonnenscheins zu kämpfen.

Kaiserwetter im hergebrachten Sinne, genossen von ganzen Familien, egal, ob am Straßenrand oder als Teilnehmer im Umzug, ganze (Grund)Schulen hatten sich da in Schale geworfen und auch mancher Kinderwagen rollte im Korso mit. Ein besonderes Dankeschön an dieser Stelle auch jenen Anwohnern, die in guter alter Tradition ihre Häuser dekoriert haben oder sogar einen Schanktisch vor die Tür gestellt haben, um den Aktiven Winkern und Läufern mit einem Schoppen oder einer Bratwurst den Dienst zu erleichtern. Zu Weihnachten und bei Marathonläufen geht so was heute doch auch, Deko und Support liegen voll im Trend, warum ist es zum Burgfestumzug so selten geworden?

Umzug mit Zugabe

Vor offensichtlich begeistertem Publikum wälzte sich also der historische Lindwurm mit Szenen aus mehreren Jahrhunderten der Stadtgeschichte durch die Kurstadt. Reichlich Pferde und Kutschen unterstrichen den geschichtlichen Hintergrund und auch manch urzeitlicher Trecker schleppte liebevoll geschmückte Wagen, während andere Gefährte von riesenhaften Traktoren der neuesten Generation durch die engen Gassen gezirkelt wurden – Kotflügel-Sicherheits-Läufer inklusive.

Andere wiederum legten den Weg auf Schusters Rappen zurück, gerne mit einem Leiterwagen für das Nötigste, einem Klavier vorm Bauch oder anderen Musikinstrumenten und sogar mit einer Kanone wie die Festungsgarde, die aus Rücksicht auf die vielen Kinder jedoch nach der sprühenden Lunte auf weitere Knalleffekte verzichtete. Ein klein wenig Überraschung gehört schließlich auch immer dazu, bis zuletzt veränderten sich Kleinigkeiten in der Zusammenstellung und so gab es zunächst etwas weniger Zugnummern als angekündigt, dafür verlängerte sich das Ende nach dem Burgfräulein um Fanfaren und Ritter. Der Job, da wieder Ordnung hineinzubringen, gehört seit Menschengedenken Rainer Kowald, der den Zug früher von der Ehrentribüne aus kommentierte, heute überlässt ihm die Carls-Stiftung dazu die Fenster ihrer Büroräume am Anfang der Fußgängerzone.

Hinauf auf die Burg

Alles, was durch die Tore und Gänge passte, zog nach Ende des Umzuges weiter auf die Burg, vor allem die Musikgruppen, die gleich für Stimmung rund um die Bühne auf der Festwiese sorgten – die Garde hingegen legte noch eine Pause im Altstadtstübchen ein, um Suppe zu fassen, bevor sie das Festgelände enterte.

Dort oben tobte derweil ein gewaltiges Kinderfest, organisiert von etlichen Gruppierungen und Vereinen aus Königstein, jeder steuerte eine Station für die Runde bei, die zu einem gefüllten Spielepass führte. Der wiederum konnte an einem Stand mit Burgfräulein Charlotte I. und Gefolge in altersgerechte Preise umgesetzt werden.

Eine Oase der Ruhe

Zwischen Kindergeschrei und ersten Discoklängen hatte schließlich der Burgverein alle Aktiven zu einem Empfang im Zwinger vor dem Ritterkeller eingeladen – eine Oase der Ruhe, wie ein Teilnehmer treffend formulierte.

Schon im dritten Jahr in Folge ging der Dank dafür an die Gastgeber und dann an all die unzähligen weiteren Helfer. Besonders das „Zusammenspiel verschiedener Königsteiner Institutionen“ fand wieder großes Lob in den Augen der Organisatoren und auch die „Zusammenarbeit mit Polizei, Sicherheitsdienst, DRK, Feuerwehr Verkehrswacht und Co.“ hatte sich „unglaublich gut“ gestaltet. Als absolute Helden des Burgfestteams müssen aber zwei Flüchtlinge genannt werden, die im freiwilligen Einsatz den Weg von der Kirche bis zum Burgberg von Flaschen und Scherben freigehalten haben – Sisyphos lässt grüßen.

Burgfräulein-Lounge besticht

Der „Ausklang in den Kellern“ begann schließlich mit der Kür des „Kellers des Jahres“ durch Charlotte I. Gemeinsam mit ihrem Hofstaat hatte sie für jede Lokalität ein Lob und mehrere Favoriten in der engeren Auswahl, das Rennen machte jedoch der Minnesängerkeller der Chorgemeinschaft, wo das Burgfräulein neben absoluter Stimmung auch eine eigene erhöhte „Lounge“ erwartet hatte.

Keine frage, dass die Sänger mit dem Ergebnis des Burgfestes zufrieden waren – im Museum gegenüber waren Kuchen und Flammkuchen schon seit dem Nachmittag ausverkauft.

Auf der Festwiese grummelte der Burgverein ein wenig darüber, dass sein Weinstand ja kein Keller sei und reklamierte den Erdgeschosspreis für sich, im Übrigen zeigte man sich aber hoch zufrieden mit dem Weinumsatz – und dessen Qualität, die laufend selbst überprüft worden war. Langsam ging hier der sprudel für die Schorle zur Neige, während die Jugendpflege nebenan am Montagabend aufgeben musste – die Wasservorräte waren restlos aufgebraucht, inklusive aller Sitzungsreserven aus dem Rathaus. Ebenfalls ein Grund zur Zufriedenheit, das kostenlose Wasser war bei der Jugend angekommen und die Alkoholtests wurden ernst genommen.

Nagelklotz ist Kult

Auch die Bruderschaft, die aus ihrer „Alten Münze“ weit auf die Festwiese herausgewachsen war, tröstete sich mit dem Anspruch auf die „Wiese des Jahres“ und dem einzigartigen Ausblick von dort. Gerade hier freute man sich über das passende Wetter und war rundum zufrieden, während Burgfräuleins und Junker schon wieder Schlange am Nagelklotz standen.

Die Ritter in ihrer Oase genossen die Ruhe abseits vom Trubel, beklagten sich aber auch nicht über mangelnden Zulauf, man hatte zum Burgfest mehr den verein als das Mittelalter repräsentiert und daher auch noch andere Klänge aus moderneren Zeiten auf dem Plattenteller.

Christopher Boeder hatte ohnehin allabendlich auf ein wogendes Meer aus Tänzern geblickt, wenn er von seiner Bühne auf der großen Festwiese heruntersah und hatte keine Wünsche offen (obwohl, ein bisschen mehr Sex auf dem Burgfest...) und im Innenhof herrschte ebenfalls eitel Freude, hier halfen sich die Kellerbetreiber gegenseitig mit Fässchen aus, wenn etwas zur Neige ging und die beiden „Neulinge“, Munitionskeller und dacapo-Keller fühlten sich gut angekommen und aufgenommen. Lediglich im Uptown bei Musik und Szene gab es zwischen der gewohnt zünftigen Partylaune einen nachdenklichen Moment: „Nächstes Jahr werden wir 30 Jahre alt“, hatte der Vorstand entdeckt, und: „Hinter der Theke steht jetzt schon die nächste Generation.“

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