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Burgpflegewerk setzt auf nachhaltige Substanzpflege

Dr. Gerd Strickhausen (v. li.), Katja Metz vom Verein für Denkmalpflege, Cordula Jacubowsky vom BUND und Dr. Nina Strickhausen im Adelheidsaal vor interessierten Zuhörern, die sich über den aktuellen Stand des Burgpflegewerks informieren wollten. Foto: Krüger

Königstein (sk) – Da staunten die Gäste vergangenen Donnerstag im Adelheidsaal nicht schlecht, als Dr. Gerd Strickhausen ihnen erklärte, dass das Burgpflegewerk zwar den nachhaltigen Substanzerhalt der Burg zum Ziel habe, aber keinen Maßnahmenkatalog zur Sanierung der Burg beinhalte. „Ich dachte, das Burgpflegewerk ist ein Konzept zur technischen Sanierung und Bauwerksicherung der Burg“, lautete ein vorwurfsvoller Einwand aus dem Publikum.

Ein anderer Zuhörer brachte sein Unverständnis auf den Punkt: „Wir pflegen also heute eine Mauer, die schon morgen wegen statischer Mängel umfallen kann.“ Die Kritik an einem fehlenden Sanierungskonzept mit einem priorisierenden Maßnahmenkatalog überlagerte bedauerlicherweise die durchaus positiven Aspekte des Burgpflegewerks. Dr. Strickhausen vom Burgenbüro Dr. Strickhausen, der das Burgpflegewerk in Zusammenarbeit mit dem Institut für Steinforschung (IFS) und mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) konzeptionierte, bemühte sich, die emotionale Stimmung in sachliche Bahnen zu leiten und informierte kompetent über den aktuellen Stand des Burgpflegewerks. Es sei ähnlich wie ein Parkpflegekonzept aufgebaut, erläuterte der Experte. Zunächst sei eine Bestandserfassung erforderlich gewesen. Unter Mitwirkung von Biologen, Statikern, dem Fachbeirat, dem BUND und dem Denkmalpflegeverein Königstein e.V. habe man Leitlinien zur Pflege der Burg erfasst. Anschließend sei ein Pflegeplan aufgestellt worden mit einem Kontrollsystem für auftretende Probleme und einem Monitoring-Konzept. „Ein ganz besonderer Aspekt des Burgpflegewerks ist der Schutz der Mauerkronen, da sie der stärksten Witterungsbelastung ausgesetzt sind und dort zuerst Schäden auftreten“, stellte Dr. Strickhausen klar.

Zu ihrem Schutz habe man drei verschiedene Ansätze geprüft. Die harte Mauerkronensicherung durch eine Abblechung habe man nicht nur wegen der Kosten und der wenig ruinenhaften Optik verworfen, sondern auch wegen des Verlustes der Habitatqualitäten der Mauerkronen. Denn unter einer Abblechung gebe es kein Leben mehr. Gleiches gelte bei einer Zumörtelung der Mauerkronen. Den zweiten Ansatz einer weichen Mauerkronensicherung durch Grassodenbewuchs habe man ebenfalls verworfen. Zwar wären dadurch die Temperaturspitzen genommen, aber der Bewuchs benötige ein Substrat, das durch die Pflanzenwurzeln festgehalten werde. Regen spüle jedoch das Substrat an den Mauern herunter mit der ungünstigen Folge von Keimlingen im Mauerwerk mit künftiger Gehölzbildung, was die Burgmauern wiederum extrem belaste. Außerdem sei die weiche Mauerkronensicherung sehr teuer und störe die Burgruinenoptik. „Unser Pflegewerk geht noch einen Schritt weiter“, betonte Dr. Strickhausen, „indem die Mauerkronen direkt mit den Mitteln der Natur geschützt werden, nämlich mit Moosen“.

Spezielle Moose wirken isolierend und feuchtigkeitsregulierend, was sie bestens geeignet gegen thermische Spitzen macht. Moose haben keine Wurzeln, benötigen also kein Substrat, wodurch das Risiko der unerwünschten Keimbildung entfällt. Sie sind extrem widerstandsfähig, speichern ähnlich den Kakteen Wasser, wodurch sie lange Trocken- und Hitzeperioden aushalten.

Zudem sind Moose kostengünstig und sehr einfach in der Handhabung, da man sie unmittelbar im Anschluss an Mauerarbeiten mittels eines algenbasierten Klebers aufbringen kann. „Die standortspezifische Bestimmung der in Betracht kommenden Moose ist bereits erfolgt“, erklärte Dr. Strickhausen. Einzig die Frage des am besten geeigneten Mörtels sei noch zu klären. Im Herbst wurden bereits drei Musterflächen angelegt mit einer extra für den Burgstandort entwickelten neuen Saatmischung unter Verwendung von drei verschiedenen Mörtelarten, die die Firma Tubag herstellt. Im Frühjahr sollen auch die Mauerflächen mit dem Moosbewuchs behandelt werden. Außerdem schlägt das Burgpflegewerk für die artenarmen Grünflächen vor der Burg eine Beweidung mit Ziegen vor, da die Pflege der riesigen Außenanlagen extrem aufwendig und kostenintensiv sei.

„Wäre es nicht deutlich kostengünstiger, eine Vollzeitkraft zur Pflege der Grünflächen anzustellen als einen Ziegenhirten zur Pflege der Ziegenherde?“, kam die Frage aus dem Publikum. „Nein“, lautete die klare Antwort von Dr. Strickhausen. „Eine Vollzeitkraft ist fünfmal so teuer wie eine Ziegenherde samt Hirte“, weiß er aus Erhebungen der Burg Felsberg, die seit Jahren mit Ziegen arbeitet. Cordula Jacubowsky, Ortsvereinsvorsitzende und Stellvertreterin des Kreisverbands des BUND, bestätigte diese Angaben. Sie betonte, dass Ziegen extrem trittstabil seien und deshalb auch besonders gut an schwer zugängliche Gehölze kämen. Dem Einwand der Zuhörer, die Burg sei komplett eingewachsen und müsse von dem hohen Baumbestand befreit werden, entgegnete sie, dass der schützenswerte Baumbestand um die Burg herum nicht angetastet werden dürfe, aber alle Gehölze in einem Abstand von drei Metern zu den Burgmauern durchaus entfernt werden können. „Dafür bietet sich der nächste Termin zur Burgentgrünung am 03. März 2018 an“, schlug Katja Metz, die Vorsitzende des Vereins zur Denkmalpflege e.V. vor und warb um rege Teilnahme.

Auf die Fragen, wie denn mit dem Efeu- und Gehölzbewuchs an den Mauerflächen und mit den undichten Gewölbekellern umzugehen sei, räumte Dr. Strickhausen ein, dass die Mauerflächen selbstverständlich von dem Gehölz und insbesondere von dem Efeu zu befreien sind. „Alles, was aus den Mauern wächst, muss weg“, war seine unmissverständliche Antwort. Die Abdichtung der feuchten Gewölbe sei Teil des Burgpflegekonzeptes, bedeute aber extreme Schwierigkeiten, denen man gegebenenfalls mit einem feuchtigkeitsbindenden Lehm begegnen könne. „Was passiert bei Gefahr im Verzug?“, wollte ein Zuhörer wissen.

„Dann muss die Stadt sofort handeln“, stellte Dr. Strickhausen klar und bestätigte, dass es ein Sanierungskonzept geben müsse. „Das ist allerdings nicht Gegenstand des Burgpflegewerks“, betonte er. Hervorzuheben und nicht zu unterschätzen sei vor allem der besondere Modellcharakter des Burgpflegewerks, unterstrich der Experte. Denn dessen Erfolg entscheide über die weitere finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Königstein dringend brauche für die anstehenden kostenintensiven Sicherungsmaßnahmen.

Dieser durchaus positive Aspekt besänftigte die Empörung der Zuhörer kaum. Denn sie wollten erfahren, welche konkreten Maßnahmen zur Bauwerksicherung und Sanierung der Burg bereits getroffen wurden. Das Burgpflegewerk konnte darüber leider keine Auskunft geben.

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