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Bunter Projektabend in Königstein

Svenja Appuhn (li.) und Hannah Sill stehen stellvertretend für die vielen Schüler, die sich allerorts und auch am Königsteiner Taunusgymnasium für die Aktion „Dein Stein für Nepal“ stark gemacht haben, um den Erdbebenopfern in Nepal zu helfen. Foto: Rüger/aba Images

Königstein – Viele neugierige, aufgeschlossene und engagierte Menschen aller Altersstufen füllten am 12. November das katholische Gemeindezentrum, um sich über die Projekte von Childaid Network zu informieren. Große Schautaufeln, anschauliche Prospekte und asiatischer Raumschmuck luden dazu ein, sich mit den Projektregionen vertraut zu machen und einzustimmen.

Sponsoren verwöhnten die Gäste mit indischem Gourmetessen und leckeren Getränken, so dass schnell intensive Gespräche entstanden. Doch im Zentrum standen die Vorträge der Projektverantwortlichen. Mit Bildern, Filmen und aus eigener Anschauung berichteten sie von den Fortschritten, aber auch den Herausforderungen bei den Programmen für bedürftige Kinder in Nordostindien und Nepal.

„Mutter Teresas Erbe“, hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung ihn betitelt. Pater Lukose ist zum dritten Mal in Königstein, um über sein Straßenkinderprogramm in Guwahati zu berichten. Im Gespräch mit dem Projektmanager von Childaid Network, Robert Ewers, kann er erfreut erzählen, dass viele seiner 200 Kinder aus den fünf Waisenheimen nun schrittweise den Weg in die Selbstständigkeit finden, gestärkt durch liebevolle Begleitung, gute Ausbildung und mit ein wenig Startkapital für die neu gegründeten Familien.

Doch im Zentrum der Ausführungen über die von Childaid Network geförderten Programme steht der Blick auf die ambulante Arbeit für die Kinder in den Slums und Elendsquartieren der Millionenstadt. Mehr als 10.000 Kinder vegetieren entlang der Gleise, leben in und von der Müllkippe oder in den Sumpfgebieten der Stadt. Viele werden als Arbeitssklaven ausgebeutet. Tausende leiden an vermeidbaren Krankheiten. Geschätzte 5.000 bis 6.000 von ihnen gehen nicht zur Schule.

Mit Hilfe der Spenden der Aktion „F.A.Z.-Leser-helfen“ und anderer Sponsoren sind in den letzten zwei Jahren 40 Motivations-Zentren für sie gestartet worden, die nun regelmäßig von einigen tausend Kindern besucht werden. Sie sollen dazu beitragen, die Stadt kinderfreundlich zu machen, alle Kinder in Schule und Beruf zu bringen und schrittweise die Lebenssituation dieser Familien deutlich zu verbessern. Sozialarbeiter und Lehrer betreuen die Kinder tagsüber.

Sie spielen mit ihnen, bringen ihnen Hygiene und etwas Disziplin, aber auch die Freude am Lernen bei. Und sie arbeiten mit den Eltern, damit sie ihre Kinder regelmäßig zur Schule schicken und ihre Rechte einfordern. „Die Gesetze in Indien sind inzwischen vorbildlich“, meint Pater Lukose, „aber vielfach verhindern Not, Korruption, soziale Ungerechtigkeiten oder das Kastensystem, dass alle Kinder ihre Rechte auch erhalten.“ „Seiner Vision, allen Kindern in Guwahati eine Chance auf eine gute Zukunft zu ebnen, sind wir aber einen großen Schritt näher gekommen“, kann Robert Ewers stolz bestätigen.

In dem von Childaid Network seit 2013 geförderten Programm wurden mehr als 1.500 Kinder erstmals eingeschult und fast 1.000 junge Menschen erhielten dieses Jahr eine berufliche Qualifizierung.

In Guwahati hat Pater Lukose nun seine Aufgaben an die nächste Generation in seinem Orden übergeben. Er selbst wurde in das westliche Assam, nach Bongaigaon, versetzt. Dort brechen seit den neunziger Jahren wiederkehrend gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Stämmen aus. In Folge leben hunderttausende Menschen der verfolgten Minderheiten in den Urwäldern oder Camps. Zehntausende Migranten, die jeden Monat aus dem nahen Bangladesch nach Assam fliehen, führen zu zusätzlichen Konflikten um Land und Einfluss.

Wegen der Not der Flüchtlinge, der Minderheiten und der armen Landbevölkerung ist diese Region ein besonderer Fokus der Arbeit von Childaid Network. 65 so genannte Barfußschulen wurden eingerichtet. Tausende Kinder, die überwiegend in Flüchtlingslagern geboren wurden, werden dort unterrichtet. Außerdem wurden vier Zentren eingerichtet, in denen mehr als 1.000 arbeitslose Jugendliche jährlich einen Handwerksberuf erlernen können. Auch die Patenschule des Taunusgymnasiums Königstein, die Don Bosco Schule in Amguri, ist dort angesiedelt. „Die ersten 50 Santhals erwerben dort dieses Jahr ihre Mittlere Reife“, erzählt Pater Lukose. In einem Stamm, in dem weit mehr als 90 Prozent der Erwachsenen Analphabeten sind, ist dies ein großer Schritt voran. Mit Hilfe des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und der Stiftung Childadi Network entsteht 2016 in Amguri außerdem ein neues großes Berufsbildungs-Zentrum.

Wie in Guwahati steht auch dort die Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund. Die Eltern werden ermutigt, selber initiativ zu werden und von der Regierung ihre Rechte einzufordern. Lobbyarbeit bei den Behörden soll dazu führen, dass die Distrikte die Verantwortung für die Schulen übernehmen. In Mädchenclubs werden heranwachsende Frauen ermutigt, sich zu behaupten, ihre Talente zu entfalten und ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Zwölf Kinderrechtszentren kümmern sich um die Kinder, die missbraucht, vernachlässigt oder ausgebeutet werden.

Ein zweiter Schwerpunkt des Abends war das Wirken von Childaid Network nach der Erdbeben-Katastrophe dieses Frühjahrs in Nepal. Die Epizentren lagen nahe Bhandar, so dass fast alle Gebäude in der Projektregion stark beschädigt oder zerstört wurden. Dr. Ute Nieschalk, Vorstand von Kinder-von-Bhandar und im Vorstand von Childaid Network für Nepal verantwortlich, und Horst Hansel, der ehrenamtliche Projektbeauftragte für das Programm vor Ort, berichteten gemeinsam über die Situation aus eigenem Erleben. Die Partnerorganisation FRADS war als erste vor Ort, um den Menschen mit Planen und Medikamenten Nothilfe zu bringen. Horst Hansel wanderte dann trotz Regenzeit mit einem Team aus Helfern und Experten zu fast allen Projektstandorten in den Bergen von Bhandar, um eine genaue Bestandaufnahme zu machen. „Die Ortsbesuche zeigten, dass etwa die Hälfte der Schulen mit begrenztem Aufwand erdbebensicher repariert werden können“, berichtet er. Schnell errichtete, einfache Behelfsschulen ermöglichen nun die Fortsetzung des Unterrichtes, wenn auch unter sehr einfachen Bedingungen.

Leider erschweren Unruhen nach der Verabschiedung der neuen Verfassung in Nepal die weiteren Reparaturen und den Wiederaufbau. „Grenzblockaden verhindern den Import von Lebensmitteln, Baumaterial und Benzin“, erzählt Horst Hansel. „Wir müssen jeden Stahlträger zu Fuß nach Bhandar schleppen, weil Lastwagen nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Noch vor dem Kälteeinbruch sollen die Kinder im Kinderhaus dennoch wieder eine warme Unterkunft bekommen, auf Antrag wird außerdem Baumaterialien zur Reparatur der Dorfschulen bereitgestellt. „Wir möchten eine Anzahl von Grundschulen in der Region Bhandar schon 2016 modern, kindgerecht und stabil wieder aufbauen“, verkündet er mutig. Pläne gibt es schon. Und Childaid Network hat, auch mit der Hilfe von 40 Schulen aus der Rhein-Main-Region in der Aktion „Dein Stein für Nepal“, einen soliden Grundstock an Mitteln eingeworben, der nun durch ergänzende Zuschüsse von der deutschen Regierung aufgestockt wird. „Wir sind sehr froh darüber, dass wir das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit überzeugen konnten, neben dem Berufsbildungszentrum in Amguri auch ein erstes Wiederaufbaupaket für Nepal in den Haushaltsplan 2016 aufzunehmen“, meint Dr. Martin Kasper. „Aus Ruinen werden so neue Visionen für die Kinder von Bhandar“, waren die zuversichtlichen Worte des ehrenamtlichen Vorstands Dr. Martin Kasper zum Abschluss der Berichte.

Der Abend klang mit intensiven Gesprächen mit den Experten und den Beteiligten gemütlich aus.

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