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Bürger-Basar: Ineinander greifende helfende Hände, hochwertiges Sortiment und Kelter-Scheck

Königstein (hhf) – Wenn das katholische Gemeindezentrum am Ende der Georg-Pingler-Straße zum gut sortierten Kaufhaus wird, dann hat das traditionell etwas mit dem Verein „Bürger helfen Bürgern“ zu tun. Das Verkehrsaufkommen in der Sackgasse (wie auch die mutigen Parkplatz-Lösungen) können sich mit jedem verkaufsoffenen Sonntag messen und auch die Einrichtung der Verkaufsstände auf zwei Ebenen kann sich ohne Weiteres mit der professionellen Konkurrenz messen. So gesehen ist es also gar nicht schlecht für die Einzelhändler der Umgebung, dass der große Basar der „Bürger“ nur einmal im Jahr stattfindet.

Unzählige Spenden

Das Verhältnis der an allen Ecken und Enden unbürokratisch helfenden Bürger zu den ortsansässigen Geschäftsleuten ist dementsprechend auch so tiefenentspannt, dass manche Ladeninhaber direkt aus ihren Regalen Spenden für den Basar holen, als entsprechend hochwertig ist das Angebot auch bekannt. Natürlich kommen auch unzählige Spenden von Privatleuten (die direkte Variante von „Bürger helfen Bürgern“) dazu, die über das komplette Jahr von Präsidentin Angelika Rupf und ihren Mitstreitern handverlesen und sortiert werden.

In diesem Jahr ist es sogar endlich gelungen, die Kleidung komplett nach Größen sortiert anzubieten, keine leichte Aufgabe, wenn damit gleich mehrere Räume eng gefüllt sind.

Kaffee, Kuchen, Kinder und Klamotten, damit war der Keller – Verzeihung, das Parterre – des katholischen Gemeindezentrums so gut ausgefüllt, dass für die Umkleidekabine nur noch in der Kegelbahn einen Platz gefunden hat. Dahinter lagerten noch leere Kartons und solche mit Nachfüll-Ware, ein Wunder, dass die Kegel am äußersten Ende nicht umgefallen sind...

Damit auch die Verkäufer(innen) nicht umfallen, war sogar ein eigener Wasserträger im Einsatz, der regelmäßig die Stände – von den „unterirdischen Bodenschätzen“ im Untergeschoss bis zum großen Saal – durchwanderte und auch das Treppenhaus nicht vergaß, denn auch hier, auf halben Absatz, war noch eine Theke eingebaut worden.

Selbst repariert

Ganz hinten im Saal stapelten sich Elektrogeräte, vom Babyfon bis zur Fritteuse und vom Radio bis zum Reiskocher. Diplomingenieur Ivo Vendolsky stand nicht nur als kundiger Verkaufsberater parat, sondern hat auch alle Geräte zuvor fachkundig überprüft, wo nötig repariert und – das gibt er freimütig zu – auch manchen Schrott rechtzeitig entsorgt. Stolz präsentierte er sein Lieblingsstück: Eine Sammlung von Adaptern für alle Steckdosen der Welt in einem Reiseetui, sicherlich ein Ausrüstungsstück von Piloten, aber auch von hohem ästhetischen Wert.

„Ein tolles Team“ freut sich eine neue Mitarbeiterin, unbedingt will sie sich in diesem Verein weiter engagieren. „Es ist großartig, wie in dieser Stadt alles verzahnt funktioniert“ bringt Angelika Rupf die Idee von „Bürger helfen Bürgern“ auf den Punkt. So haben zum Beispiel die Pfadfinder diesmal beim Aufbau geholfen, das Haus Raphael 110 Liter Kartoffelsuppe gespendet, die Konditorei Kreiner Blechkuchen nachgeliefert, als er schon am Samstag ausverkauft war und „Adrett“ hat das ganze Jahr über Kleiderspenden zur Reinigung entgegengenommen und so als Abgabestelle fungiert.

Auch etliche Sorten Marmelade fehlten bereits am Samstagabend, weshalb Angelika Rupf kurzentschlossen ihren privaten Vorratskeller plünderte. Die Abstellräume in ihrem Haus gehören ohnehin schon als Dauerleihgabe dem Verein, hier werden die Spenden über das ganze Jahr gesammelt und auch vorsortiert, damit am Basarwochenende der Überblick nicht flöten geht – gute Organisation ist eben alles.

Selbst die Bühne voll

Einen kurzen Moment lang sah es dann aber doch nach einer Planungspanne aus. Nachdem man sich zum Pressetermin wie zufällig vor der lecker duftenden Wurst- und Wein-Abteilung getroffen hatte, dirigierte die Vorsitzende: „Kommen Sie, wir gehen auf die Bühne!“ Es fiel zunächst schwer, ein Schmunzeln zu verdrücken, denn die Empore war gut einen Meter hoch in die Verkaufsausstellung einbezogen, Koffer und Katzenkisten stapelten sich hier – doch direkt neben der Treppe war gerade genug Platz frei, um die Akteure dort unterzubringen. Also doch wieder haarscharf geplant.

Der Platz im Rampenlicht gebührte den Vertretern des Mammolshainer Obst- und Gartenbauvereins, die einen ansehnlichen Scheck im Gepäck hatten. „Aber die Vereine brauchen doch immer selber Geld?“ wunderte sich Moderatorin Rupf. Die Erklärung folgte auf den Fuß: Einmal im Jahr präsentiert sich der OGV auf dem Laurentiusmarkt in Usingen, traditionell wird dort zwei Tage lang Süßer frisch gekeltert.

Der Spendenbembel des OGV

Neben der Presse steht immer ein „Spendenbembel“ und das jeweilige Team, das den Marktauftritt bestreitet, sucht sich vorher aus, wer den Inhalt bekommt – das wird auch an den Bembel geschrieben. Darin fanden sich in diesem Jahr exakt 1.136,22 Euro und die überbrachten Werner Plescher, Gabriele und Elmar Zimmermann sowie Josef Becker am Basar – Rudi Ebeling war zu dem Termin verhindert.

Ach ja, und die Äpfel hatte Bernd Heckenmüller gespendet, das sollte auch nicht vergessen werden. Mit Blick auf einen ungeernteten Apfelbaum vor dem Fenster kam kurz die Frage auf, ob der OGV denn gerne Apfelspenden annehmen würde oder vielleicht – gegen Bezahlung – den Obstbäumen im Vorgarten den rechten Schnitt verpassen könne, doch da winkten die Hobbybauern ab: „Wir betreuen über 700 Bäume auf Streuobstwiesen“, das bedeutet ebenso ausreichend Äpfel wie ausreichend Arbeit. Im Gegenteil seien Interessierte aber gerne zum Mithelfen eingeladen – und das Schneiden von Obstbäumen kann man beim OGV auch erlernen.

Oder, man verlässt sich eben auf den Basar von „Bürger helfen Bürgern“, auch hier gibt es die Gelegenheit, sich mit allerlei Lebensmitteln zu versorgen, die passenden Teller, Tassen oder ein paar hübsche Schmuckstücke kann man dabei gleich mitbringen – oder auch eine schöne große Handtasche, für das Fallobst beim nächsten Herbstspaziergang.
Fotos: Friedel

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