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Das Jahrhundertereignis am Himmel – fotografiert von Michael Hauss in Liederbach

Der Liederbacher Michael Hauss hat von seinem Garten im Fasanenweg 34 aus eine Entfernung von etwa 409.000 Kilometer überbrückt und den Blutmond, auf den Millionen Menschen warteten, in voller Pracht während der Mondfinsternis am 27. Juli fotografiert. Zu Hilfe genommen hat der Liederbacher für diese Aufnahme ein Fernrohr. Zur gleichen Zeit, als das Mondspektakel über die Weltbühne ging, gab es in der Stadtmitte auf dem Kelkheimer Marktplatz ein anderes sommerliches Großereignis: Covermind spielte vor großem Publikum auf, bevor das Kino Kelkheim die große Leinwand mit „Fack ju Göhte“ füllte. Am Abend später war dann Faltenrock an der Reihe, im Freilichtkino gab es Star Wars und am Sonntag gab es Krüger rockt.

Doch zurück zum Blutmond, zur längsten Mondfinsternis des Jahrhunderts, wie das astronomische Ereignis in den Zeitungen, Fernsehen und anderen Medien angekündigt worden war.

Auf dem Marktplatz wird wohl sehr wenig davon zu sehen gewesen sein, zumal der Mond aufging, als der Himmel im Südosten noch mit einer Wolkenschicht bedeckt war, Überreste eines Gewitters, die sich erst langsam auflösten. Wer sich also in Kelkheim einen Platz ausgesucht hatte, von dem aus er den Mondaufgang und dann den weiteren Verlauf der Mondfinsternis fotografieren und beobachten wollte, hatte schlechte Karten. Da saß man dann beispielweise am Verbindungsweg zwischen Gimbacher Hof und Fischbach und wartete und wartete. Junge Paare fanden sich ein, die sich am Wegesrand niederließen, Wanderer waren an diesem warmen Sommerabend unterwegs, eine junge Frau, bestückt mit Kameras und Stativ suchte sich gleichfalls ein Plätzchen.

Der Mond? Erst einmal Fehlanzeige. Der Mars, dem in den Medien nachgesagt wurde, er sei nur alle fünfzehn Jahre so hell wie am 27. Juli – versteckte sich auch unter der Wolkenwand. Dafür leuchtete weit im Westen der Abendstern und von Zeit zu Zeit waren die blinkenden Lichter von startenden oder landenden Flugzeugen zu sehen. Hier rund herum Frankfurt eigentlich auch nichts Besonderes. Und die Raumkapsel mit Astro Alex an Bord (Alexander Gerst) ward wohl auch nicht gesehen.

Dafür flatterten von Zeit zu Zeit Fledermäuse vorbei, die offensichtlich dafür gesorgt hatten, dass es an diesem Abend so gut wie keine Mücken gab. Jedenfalls wurden wir nicht gestochen.

Dafür war es aber – auch wenn der Mond auf sich warten ließ – faszinierend, wie sich Kelkheim mit den Römergärten, dem Kloster und Frankfurt im Hintergrund langsam „zur Nachtruhe bettete“, mit vielen Lichtern, die von Frankfurt bis nach Kelkheim rüberleuchteten. Das wiederum verführte zu Spielereien mit der Kamera. Und so gab es dann mit einem Mal, weil das Bild verwackelt war, ein Frankfurter Erdbeben mit doppelten Konturen. Kein Foto, das ins Lehrbuch der Fotografie gehört, aber einfach Spaß machte und die Zeit verkürzte.

Natürlich, gewartet wurde auf den Blutmond, der dann ganz, ganz hauchdünn hinter dem Wolkenschleier zunächst mehr andeutungsweise zu sehen war Gegen 22.15 Uhr schimmerte er durch die Wolken. Also kurz sieben Minuten bevor er den Höhepunkt seiner Vorstellung erreicht haben wollte oder sollte.

Also, alles eingepackt, weil der gute Mond ohnehin bald hinter Bäumen verschwinden würde, mit der Überlegung, ob das Kino vielleicht nicht doch besser gewesen wäre. Wie oben angedeutet, es gab bessere Fotografier-Positionen, wie zum Beispiel die im Garten im Liederbacher Fasanenweg. Auch südlich von Münster, selbst von der Autobahn war alles besser zu sehen – inklusive Astro-Alex, Fehlentscheidung und Ungeduld. –

Also warten wir 105 Jahre bis zur nächsten Mondfinsternis dieser Qualität.

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